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Haus, das Grafische, die Callen, Kahnberge, Ittens, Linke und Otten wirklich für Fremde und Einheimische, als so vielerlei Art von Verdienst und Glück angesehen werden könnten, keines zu viel Schimmer, alle einen Grad Wohlstand, der ihnen den mässigen Genuss der feinen Freuden des Lebens erlaubt. Nun kommt Latten dazu, und seine Fabrik giebt uns eine neue Art Paste; denn wir Weiber und Mädchen alle sollen des Jahrs zweimal seiner Caroline helfen, an die gerollte und zubereitete Stücke Leinen, die kleinen Zieraten und Handlungszeichen nähen; wo er uns dann in dem leeren Verlagszimmer einen reichen Kaufmannsschmauss geben wolle. Die Frankfurter Messe schaft uns diesen Past. Wie froh bin ich, dass Latten ruhig ist. Hundert und sechszehnter Brief Rosalia an Mariane S.**. Ja meine Liebe, der Officier hat uns alles selbst erzählt, und Sie würden auch ohne Bitten einen kleinen Auszug der Geschichte dieses schätzbaren jungen Mannes erhalten haben. Aber eines müssen Sie tun, Mariane! In meinen ältern Briefen nachzusuchen, wo die Frau Wolling der van Guden ihre Geschichte erzählt; denn dort werden Sie einen jüngern Bruder finden, der Charlotten und ihren Carl unendlich liebte, aber mit 17 Jahren von dem väterlichen Hause wegkam, und gleich in Kriegsdienste trat. Sein schwanker richtig gebauter Körper, sein mit sanftem Feuer viel Geist versprechendes Auge, das gute Herz, und die Gefälligkeit, welche in seinem Lächeln und in dem Ton seiner Stimme bemerkt wurden, gefielen dem Obristen seines Regiments so gut, dass er sich gleich vorsetzte, eine besondre Sorgfalt auf die Ausbildung dieses Jünglings zu verwenden; indem er sich Hofnung machte, nicht nur einen schönen, sondern auch einen verdienstvollen Mann an ihm zu ziehen. Er gab ihn unter die Aufsicht eines erfahrnen alten, und eines vortreflichen jungen Officiers, von denen er den Dienst und die Kriegsbaukunst erlernte. Edle Ehrbegierde, und Dankbarkeit für seinen Gönner und seine Lehrer, sporten ihn zu unausgesetztem Fleiss an, und er wurde einer der brauchbarsten und schätzbarsten Leute. Es ist äusserst angenehm, diesen bescheidenen, meist nur andern mit Achtung zuhörenden jungen Mann, mit so vieler Wärme und überfliessendem Herzen, von seinen Freunden sprechen zu hören, besonders von dem Officier, der ihn in dem ersten Winterquartier vollkommen Zeichnen und Matematik lernte. Der Sturz seines Vaters, das verringerte Vermögen seiner Familie, eine Art von Beschämung, die er darüber fühlte, machte ihn wünschen, recht weit von seinem Vaterlande wegzukommen, und es gelang ihm, in russische Dienste aufgenommen zu werden; und daselbst unter der Anführung und dem Beispiel eines deutschen Generals 2 von grossem Geist, seine angebohrne Talente und Rechtschaffenheit in vielen Gelegenheiten zu zeigen. Er sagte uns: der Genius seines Generals, und die wahre grosse Kaiserseele seiner Monarchin hätten ihn angefeuert, die Verdienste zu erwerben, durch welche er würdig geworden sei, unter den Befehlen dieses Mannes für diese Frau zu sterben. Er befliss sich deswegen auch besonders auf die Sprache des Landes, und auf Kenntniss des Nationalkarakters, um den Weg zu der Liebe und dem Vertrauen des gemeinen Mannes zu finden, wodurch man in Friedenszeiten für das gemeine Beste arbeiten, und im Krieg wichtige Unternehmungen ausführen könne. Als er nun des Beifalls und der Gnade seines Generals versichert war, und sich durch seine Lebensordnung auch etwas erspart hatte, so suchte er um die Erlaubniss an, nach Deutschland zu reisen, indem es ihm unerträglich geworden, in den seltenen Briefen seines Bruders so wenig Deutliches von dem Schicksal seiner Mutter und Geschwister zu hören; denn, (setzte er hinzu,) je grösser und sicherer ich mein Glück vor mir sah, je mehr wünschte ich auch, von dem Wohlstand meiner geliebten Verwandten gewisse Nachrichten zu haben, und genoss in dem immerwährenden Zweifel und Unruhe darüber mein eigenes Wohlsein nur halb. Er kam also vor drei Monaten auf ein Jahr in sein Vaterland, und besuchte zuerst seinen Bruder den Secretair, welcher aber eben verreisst war. Da ging er zu seiner ältern Schwester der Frau Hofrätin H**, bei dieser hörte er die Erzählung von dem Tode seiner so geliebten Mutter. Er wartete sodann auf Nachrichten von Charlotten mit ängstlichem Herzen, weil er fürchtete, sie lebe auch nicht mehr, da ihr Name von keiner Seele genannt wurde, und man ihm nur von den Umständen der Familie so ganz überhaupt Nachricht gab. Sein Bruder, welcher ihn den zweiten Tag dort aufsuchte, sagte ihm ein weites und breites von den Rechnungen über das Vermögen, so sich alles dahin endigte, wie er ihm nichts mehr geben könnte, indem das lange Krankenlager der Mutter so viel gekostet habe, und dass er verbunden gewesen, die zwei vornehme Schwäger am ersten zu befriedigen, weil er ihnen viele Unterstützung in seinem Dienst zu danken hätte. Dem guten Officier war alles recht, und er versicherte seinen Bruder, dass er mit seinem Besuche nichts anders wollte, als die Freude, seine Verwandten wieder zu sehen, ihr Wohlsein und ihre Liebe sei alles, was er sich wünschte. Nun war sein Bruder sehr zufrieden und munter; aber ihm schien Charlottens Tod gewiss und schon lange vorbei zu sein, weil sie von allen Leuten so vollkommen vergessen war, dass sie gar nicht mehr gezählt wurde. Es schmerzte ihn sehr, aber er schwieg, war über diesen Gedanken in sich selbst gekehrt, und ging diesen Tag nebst den folgenden Morgen tiefsinnig umher; tadelte sich aber, dass er den lebenden Geschwistern wegen der Todten mit so viel Kälte begegnete. Er