highChunks/1779_La_Roche_065_3480.txt -- topic 82 topicPct 0.344827592373

und Liebe, dass er Mitelfer, oder doch wenigstens ruhige Zuschauer bei seinen Unternehmungen hatte. Beifall, Dank und Nachahmung erweckte er in seinem Alter, Ruhe und Segen geniesst er ungestört und er hat den Beweis gegeben, dass wenn also in dem von der Vorsicht ihnen bestimmten Stunde das Gute täten, was ihnen darinn vorkommt, es wenige, sehr wenige unglückliche oder unzufriedene Menschen geben würde. Er erniedrigte sich nie, strebte auch nicht unruhig in die Höhe. Er war der Sohn eines Gelehrten und durchging nach geendigten Schul- und Universitätsjahren die Stufen vom Sekretaire an, bis zum Geheimenrat als geschickter, sanfter und fleissiger Mann. Sein Freund Stiege kennt und liebt das Gute und Wahre, wie er; und zum Glück für ihn selbst kannte er auch sich selbst und die, wie er behauptet, unbezwingbare Aufwallungen des Eifers für Recht und Wohl der Menschheit. Ehrwürdige Gesinnungen, welche wie mein Oheim sagt, ihm bei alten Republiken, oder in Amerika, wo eine Neue entsteht, einen Teil der gesetzgebenden Macht und der Vatersorge für das Volk erworben hätte; aber in unserm Staate, nach dem Gang der Gedanken, nach den Sitten und Wendungen die alles hat, setzt sie ihn in den Ruf eines unverträglichen, gewaltsamen und eigensinnigen Mannes. Bei dieser Unterredung sagte mein Cleberg: Die weiblichen Tugenden wären glücklicher, als die Tugenden der Männer, weil sie zu allen Zeitaltern gewünscht und geliebt würden. Also könnte wohl geduldiges Ertragen der Fehler, und das auf so tausendfache Weise sich zeigende Wohlwollen, die einzigen wahren Tugenden der Menschheit sein, und die übrigen nur auf Millionen Bedürfnissen entstehen. Das mag sein, aber diese Bedürfnisse haben auch die vielen Zweige der Künste und Wissenschaften hervor gebracht, durch welche Millionen von Freuden und Vergnügen über unserer Erde ausgegossen worden. .... Sehen sie, Liebe! so ist manchmal der Ton unserer Gespräche, der sein Angenehmes um so besser erhält, weil er nicht immer herrscht, und wir recht wohl mit andern und mancherlei Gattung von Menschenkindern umgehen und reden können. Der alte Stiegen hat sein Zimmer gleich neben meinem Oheim, da lassen sie die Türen des Nachts offen und sprechen noch miteinander aus ihrem Bette, bis einer von ihnen einschläft, von alten und neuen Zeiten, von Menschen und Gewohnheiten. Es ist höchstrührend, wenn sie nun nach dem Frühstück oder Mittagsessen so ihre Welt und die unsrige vornehmen: Stiege, mit Eifer die Alte lobt und vorzieht, mein Oheim die jetzige verteidigt und ihre Verdienste hererzählt; Stiege ihm zuhört! manchmal mit Lächeln den Kopf schüttelt, oder mit Empfindung ihm zunickt; endlich seine Hand ergreift und sagt: Nun, mein lieber Eben, du bist noch immer der gute Junge der du in Halle warest, du verteidigst jetzt Nationen, wie du die Schulfüchse in deinen Schutz nahmst, wenn ich und andre alte Pursche zu derb mit ihnen verfahren wollten. Mein Oheim erwiedert dann auch freundlich, Stiegen mit dem Finger drohend: Du hast mich manchmal für dich und andre geängstigt, wenn du so deinem wilden Eifer nachgingst, und da auf den Augenblick alles gebogen oder in Stücken gebrochen haben wolltest. Oft dachte ich mich von dir loszureissen, weil du so unbändig warst; aber die Redlichkeit deiner Seele, die Wahrheit deines Gefühls und Liebe jedes Grossen und Guten, zog mich wieder stärker an dich Eisenkopf, als an alle andre. Schön, gewiss, recht schön, glüht bei solchen Anlässen Freundschaft in ihren Augen, ernste Freude lacht in den Falten ihrer Gesichtszüge, und sie geniessen noch das schönste und beste Glück der Menschen, wechselseitige Hochachtung und Liebe. Der Zufall brachte hier, so wie er oft im Zusammenfluss von ärgerlichen Geschöpfen tut, an diesen zwei erlebten Männern und an uns übrigen in Seedorf gesammleten Leuten, eine recht schön gegen einander stehende und sich doch anschliessende gute Menschenzahl auf einen Fleck. Nehmen sie den eben so empfindlichen als vernünftigen Ott, meinen fertig liebenden und fein denkenden Mann, die sanfte, zärtliche Julie, mich, Linken, Hannchen, Latten und die junge und ältere Frau Grafe, den herrlichen würdigen Pfarrherrn, und die so gute Bauren von Seedorf. Ja die Gegend umher, unsere und der Landleute Wohnungen, den Wald, die Berge, und den Bat, alles fasst sich in eine schöne Reihe glücklicher, wohltätiger Kinder der Erde, beseelter und unbeseelter. – – Ich komme so eben aus der gewohnten Dankpredigt, die am Ende und nach Einsammlung jedes Herbstes gehalten wird. Alles, was ich da fühlte und sah ist recht eigentlich dazu gemacht, an meine vorherige Gedanken angereihet zu werden. Die Kirche war voll, und schon dies freuete mich, das Gedränge zum Danken war der Beweis, dass sie den erhaltenen Segen mit Freuden fühlten. Alle Kleider, alle Gesichtszüge, waren festlich. Die Kirche wird ohnehin durch die Aufsicht des Pfarrherrn sehr rein und gut gehalten. Die Predigt, o meine Liebe! wie gerne sagte ich, es sei eine Engelszunge gewesen, die alle Herzen in Bewegung setzte. Wie einfach die Sprache und Ausdrükke, wie innig redete er die Alten, die Jüngern und Kinder an, da er ihnen das Bild der Erndte von ihrer Hände Arbeit und des von Gott darauf gelegten Segens darstellte. Auch in den rauhesten Gesichtsbildungen erschien Empfindung. "Alte Hausväter, Hausmütter! Ihr hebt eure durch lange Arbeit kraftlos gewordenen Hände gewiss mit herzlichem Dank zu Gott, dass ihr die Schemen, die ihr für Kinder bautet, voll Früchte