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Bitterkeit gegen Lisetten auch innerlich bekämpfen, und wirklich suchen, gut, sanftmütig mit ihr und streng auch gegen mich selbst, wie bisher gegen sie zu sein. Schon so fleissig! sagte ich, als ich in das Zimmer trat, und sie erblickte. Sie stund ein wenig auf, als ich auf sie zuging, und deckte alles zu, was sie genäht hatte. Sie müssen nichts sehen. Ich habe gestern darum gebeten. Ich ging lächelnd zurück. Ich will nichts sehen: Ich will recht bescheiden sein; fahren sie nur fort, erwiederte ich, und liess sie auch, ohne mehr darüber mit ihr zu sprechen, ruhig sitzen, ausgenommen, dass ich sie zum Frühflücken bat, als die beiden Herren in das Zimmer kamen. Linke sah ernstlich auf meinen Nährahmen. Haben sie wirklich den Eigensinn nachgegeben? fragte er. Ach, artige verwöhnte Kinder haben immer so was für sich zu wollen, sagte ich lachend: etwas so unschuldiges als diese Arbeit ist, kann man ja gehen lassen! Lisette ward rot, und sah Linken und mich etwas bitter an. Das ist schlimm, dachte ich, Mädchen! für dein Herz. Aber ich verdoppelte meine Gefälligkeit gegen sie. Denn, ich will nicht, dass sie bei Cleberg über mich klage. Wenn er sie liebt, so soll es von mir nicht in einem üblen Bezeigen geahndet werden; ich will edler sein als sein Mädchen und grossmütiger als er. Latten musste uns bei dem Frühstück von den Sitten und Gewohnheiten der englischen Nation erzählen, die er die grösseste nennt und in der Tat, da er uns von England sprach, gar nicht der stille Mann war, wie ihn sein Ott beschrieben hatte. Denn er redete mit vielem Eifer, aber in so bestimmten Ausdrücken, dass er nicht ein Wort zu viel brauchte, und seine ganze Rede eine grosse edle Einfalt in sich fasste. Er kennt die Angelika Kaufmann, die mich als teutsche Künstlerinn zuerst anzog. Nachdem er viel auf Linkens, Ottens, und mein Hin- und Herfragen geantwortet hatte, beklagte ich, dass er bei seinem emsigen Reisen in diesem Reiche nicht auch auf den Gedanken gekommen sei, Schottland und Irrland zu besuchen, die mir für mein Herz beinah werter und merkwürdiger wären. Der Herzog von Bukleigh allein hätte es verdient, sagte ich. Warum dieser? fragte Latten. Ich erzählte was er zum Besten seines Vaterlandes bei Errichtung der Wechselbank getan hatte, und sprach auch von den westlichen Inseln dieses Königreichs, wo ich dem edlen jungen Maeleän so gerne ein Denkmal möchte errichten lassen, der um den Wiesen- und Ackerbau auf diesen Inseln zu verbessern, sich bei einem Pachter in England als Knecht verdingte, alle Feldarbeiten lernte, nach drei Jahren zurückkehrte, und dann seine väterlichen Erbländereien selbst umarbeiten half, und den Leuten Unterricht gab. Sein Herz hatte ein süsses Glück zu hoffen, da er eine der liebenswürdigen Töchter eines Edelmanns bekommen sollte, der ganz allein mit seinen Kindern auf einer dieser Inseln wohnt. Der schätzbare Jüngling ging an den Feiertagen hin, war der beste Steuermann, den Fremde und Einheimische haben konnten, führte viele glücklich hin und her, ihn aber liess die Vorsicht in einem Sturm umkommnn, als er von seiner Braut zurückkehrte. Mein liebes Hannchen hatte Tränen in den Augen und Herr Latten sah mit Nachdenken und gerührt auf mich und sie. Wir sollten alle bei Ott zu Mittag essen, aber Lisette entschuldigte sich mit einem Kopfweh, und blieb zu Hause, um recht eifrig fort zu arbeiten. Das arme Mädchen hat nun wirklich keine Kraft mehr, gegen ihre Leidenschaft zu kämpfen, und lässt es sich so ganz hingehen. Mich dünkt, dies müsse wirklich Naivete sein; denn es wäre ja sonst der grösste Mangel an Sittsamkeit und Feinheit des Gefühls. Ich will ihr nachgehen mit Güte, mit Mitleiden, um zu sehen, was ich tun kann, um sie wieder zu gewinnen und zu retten. Ottens Baurenhaus gefiel dem Herrn Latten ungemein und er zeichnete es heut früh mit farbigen Bleistiften ab; so, wie er auch mit unserm Landhause und Garten tun will. Morgen gehen wir nach Kahnberg. In die Stadt soll er erst, wenn mein Oheim und Cleberg zurück kommen. Die Gesellschaft dieses jungen Mannes ist äusserst einnehmend, da er niemals das Fehlerhafte rügt, von der ganzen Erde gutes denkt und spricht; alles Schöne und Gute aufsucht, fühlt, sich dabei verweilet, und auch uns Frauenzimmern feine Schmeicheleien sagt, wie zum Beispiel Julie und ich das Lob erhielten, dass wir in Kleidung, Hausgeräte und Bestellung des Tisches, wie im Ton unserer Unterredungen gleichsam einen Auszug der besten Zeiten, was vier grosse Europäische Nationen eigenes haben, machten. Wir wurden, ich versichere sie, wahrhaftig beschämt; und ich sagte: O, Herr Latten! wie wollen sie dieses alles in zwei Tagen gesehen haben? Nun wurde mein Hut, meine weisse Schürze, meine Gestalt, die niedrigen Absätze meiner Schuhe, und die Zubereitung des Frühstück-Tisches Beweiss des engländischen Geschmacks in meinem Hause; Juliens Anzug und Bezeigen das ausgewählteste Feine und sittlich schöne Französisch nach seines Otten herrschender Vorliebe zu dieser Nation. Unsere Musikalien, dann die Vasen im Garten, einige Säulen am Hause waren Italienisch. Die wenigen Schüsseln bei den Mittagsund Abendessen, die Freimütigkeit mit welcher wir unserer Liebe für unsere Männer zeigten, der kleine Stolz und Eifer mit welchem wir unsere Hauswirtschaft führten, sei teutsch. Die Büchersammlung von Italiens