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oft mit so viel Feuer eingenommen, dass er es weder sie noch mich wollte ganz sehen lassen, und bei den Lektionen selbst, nur das Ohr gegen das Clavier wandte, seine Blicke zur Erde heftete, und dann seinem Gesichte jeden Ausdruck einer wachsenden Leidenschaft erlaubte, denn sie wissen, es blieb immer eine von den Leserinnen bei uns zu Mittage, nun ist sie ganz um mich. Ich weiss nicht, ob er jemals allein mit ihr spricht; ob er in ihr Zimmer kommt. Ich mag nicht fragen, nicht lauren, nichts ausfindig machen; ich bin, so viel ich kan, mir immer gleich gegen Cleberg, gegen das Mädchen und die andern. Mein Oheim betrachtet mich oft mit einem forschenden bemitleidenden Blick, der mich bald ausser Fassung bringen könnte, und er gebt allein mit mir spatzieren, wenn er sieht, dass Cleberg weg ist.
Ich nähte einen recht schönen Tapetenfeuerschirm und nun hilft sie mir; verdirbt manches wenn Cleberg im Zimmer ist, weil sie nur ihn sieht; und ich freue mich über die Gewalt, die ich über mich habe, es ihr mit der äussersten Sanftmuts und Lächeln zu zeigen. Wenn er zusieht; so arbeitet sie artig, und ich senke meinen Kopf etwas tiefer; denn oft ist sein Gesicht ganz nahe zwischen ihrem und meinem. Gestern sagte er in einem dieser Augenblicke: Rosalie! ich wollte, dass dieses Stück die Lehne eines grossen Armstuhls für mich würde, in dem ich Abends bei stillen nachdenkenden Stunden mich setzen, und artige Sachen träumen könnte. O ja! rief sie; aber da muss das Stück, wo ich arbeite, gerade für das Anlehnen ihres Kopfs sein.
Er sah sie an und sagte nur halb: deswegen will – Sie wurde rot, und er ging eilig weg. Ich war froh, denn meine Lippen zitterten ein wenig, und mein Herz war gepresst. Doch arbeitete ich mit Eifer fort, wie Lisette auch tat, aber verkehrte Farben nahm. Einige Augenblicke nachher kam mein Oheim ins Zimmer, und sagte mir, dass er mit Cleberg auf etliche Tage verreisete, und dass die Pferde schon bestellt wären. Er umarmte mich mit Zärtlichkeit. Sei wohl und ruhig, beste Seele, sagte er mit Rührung und einem bedeutenden Blick auf Lisetten und mich. Nach kurzer Zeit, da mein Oheim noch mit Hannchen gesprochen und mich ihrer Sorge empfohlen hatte, kam Cleberg im Reisekleide sehr gut aussehend herein, und sagte: es wäre alles bereit, führte Linken an der Hand gegen mich und sagte: Rosalia, unser Freund wird diese Tage da bleiben, besonders da ich Briefe habe, dass mein Freund Latten morgen oder übermorgen ankommt, dem man die grosse Alcove, und das Zimmer mit Kupferstichen eingeben kann, weil er vielleicht sein Kind mitbringt. Ich sagte: es freue mich, wenn Herr Linke seinen Freund wolle unterhalten helfen; ich würde mir auch alle Mühe geben. Er fuhr fort. Hannchen und Lisette werden es auch tun. Ich nicht, sagte Letztere: denn ich will nur an meiner Lehne nähen. Er lächelte ohne etwas zu antworten. Mein Oheim ging gegen die Türe, Cleberg küsste meine Hände, und das noch ziemlich kalt, wie mich däuchte. Lisette ging gegen ihn, aber er wandte sich schnell um und warf ihr nur einen Kuss zu. Abreisen, ohne mich zu umarmen! O Mariane! das schmerzte mich und dennoch fühlte ich auch, dass seine Umarmung mich nicht gefreut hätte, und dass ich so gar mit seiner Abwesenheit zufrieden war. Denn meine einsamen Stunden mit ihm wurden mir unerträglich durch den Zwang, den ich mir auflegte, ja nicht eifersüchtig zu scheinen; und ich bins doch, liebe, liebe Freundin: ich bins; und ich danke dem Himmel, dass es noch so ist, dass Zärtlichkeit und Jammer über den verlohrnen Teil seiner Liebe im Grunde liegt, denn ich kenne mich, es könnte eine Ursach zur Kälte entstehn, die den Tod meines Glücks anzeigte. Noch keine zwei Jahre besitzt er mich, und ist schon halb satt. Mariane! ach wie gut ist es, dass er weg ist, ich konnte nun sicher vor dem Fragen meines Oheim, und dem scharfen Blick von Cleberg Ihnen schreiben, mein Herz erleichtern, um Rat bitten und mich sammlen. Sein Freund Latten soll einer der edelsten Menschen sein. Etwas stille, aber der feinste Beobachter und das Ebenbild von Benjamin West. Und wie dieser schöne edle Gestalten zeichnet, so schreibt Latten Züge edler Seelen auf. Linke schien sich eine Freude zu machen, uns dieses ganz ausführlich zu erzählen. Er sagte es mit besonderm Nachdruck gegen Lisette, die über sein langes Reden ungedultig wurde, und endlich spöttisch sagte: Es wäre ihr an diesem vortreflichen Menschen gar nichts gelegen, sondern sie möchte wissen, wie lange Herr Cleberg ausbleiben würde.
Hannchen wurde aus einer Empfindung für mich ganz feuerrot, und bewegt sah sie Linken an, der sagte: Sie sind sehr neugierig, Lisette, Madame Cleberg fragt nicht einmal; und, Lisette fiel ein, hätte mehr Recht; wollen sie sagen; aber, fuhr sie fort, die Frauen sind der Gesellschaft ihrer artigen Männer so gewohnt, dass sie sie nicht mehr achter. Hannchen sah sie starr und mit Unmut an. Ei, Lisette! wie kommen sie zu diesem Gedanken bei Frau Cleberg? Ich unterbrach dieses Gespräch mit der sanften Frage an Lisetten: Sagen sie mir, warum sie es