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mir Ott als der beste meiner Universitätsbekannten, und Cleberg, den ich auf meinen Reisen mit so vielem Vergnügen sah. Ich erkundigte mich nach euch, und hörte ganz viel herrliche Sachen von Aemtern, Heiraten und Lebenstone und mich dünkte, dass ich recht wohl zu euch stimmen könnte und ich machte mir ein Bild von freundschaftlicher Verbindung, von edlem, ruhigem Geniessen meines Vermögens und meiner Erfahrungen, von Otts Studium, Clebergs Geist und Beobachtungen; eure, wie man mir meldete, so artige Weiber, vielleicht schon liebenswürdige Kinder ordneten sich in einen schönen Kreis edler Freuden des Lebens. Darauf nun schrieb ich selbst, was ich seit unserer Trennung geworden bin und getan habe. Der grösseste Teil meiner traurigen Schwärmerei ist vorüber. Lichte, stille Vernunft, lebendiges Auffassen alles Schönen und Guten wo es liegt, ist allein tätig geblieben. Wolt ihr mich so, meine Freunde! unter euch aufnehmen, und mich Anteil an euch nehmen lassen, so ladet mich ein; aber bald, damit der Bau meiner Hofnung auf euch nicht zuwest werde, und mich dann das Abreisen zu viel koste.
So weit die Auszüge aus Lattens Briefe an Ott, bei dessen Vorlesung Julie und ich, Linke, Hannchen und ihre jüngere Schwester nebst Lisette Boder waren. Cleberg foderte unsere Meinung auf; wir wollten ihn alle hier haben, und Linke schafte ihm schon ein Haus in der Stadt und ein Landgut an. Ott machte eine Art Anzeige der gesammleten Stimmen, zeichnete ihm auch wieder alle unsere Charakter dagegen, und wir unterschrieben einhellig seine Aufnahme in unsern Zirkel, mit der Bedingung der baldigen Ankunft noch auf dem Lande. Nun erwarten wir ihn, besonders wir Weiber und Mädchen, mit vieler Begierde; denn er muss uns viel von seinen Reisen, seiner Amtsschreiberstelle und die Geschichte der armen Rechel erzählen. Mein Oheim, der alles ganz ruhig angehört hatte, sagte am Ende zu Cleberg und Ort: Helfe eurem Freunde wieder auf den rechten Weg, den ein guter, vernünftiger Patriot geben soll. Man findet selten dauerhaftes Glück in ausserordentlichen Dingen. Es ist viel Gutes in der Welt, und das Meiste auf der grossen Heerstrasse des gemeinen Wesens. Strebt, lieben Kinder! sagte er gegen uns alle: die Besten unter den Guten zu sein! aber, bleibt auf Gottes Erde! macht euch keine Flügel und steigt auf keine Stelzen, um über andre hinaus zu sehen. Ein fester und unwandelbarer Gang der wahren edlen Menschheit führt zum Glück der Weisen. Schwärmerei tut es nicht.
Hundert und dritter Brief
Von Rosalien.
O Mariane! es giebt keine daurende Glückseligkeit, nein, es giebt keine! Wir mögen es machen wie wir wollen; besonders wenn Weh und Freude unsers Lebens an die Gesinnungen eines andern Menschen gebunden sind.
Hören sie, Liebe, aber nur sie allein von allen Menschen der Erde; denn mein Oheim darf von diesem nichts wissen. Cleberg, der mir um alle des eigenen Sonderbaren willen so wert, so vorzüglich wurde, dem ich tausend Liebhaber aufgeopfert hätte, den ich edler als andre Männer glaubte, nicht vermutete, dass jemals eine grosse oder kleine Coquette etwas für ihn sein könnte, ist selbst Coquet. Ich finde kein Wort im Teutschen um diess so eigentlich auszudrücken was man unter Coquet versteht, und so lassen sie es da sein, Er ist es; schon die ersten vierzehn Tage, da wir Lesestunden hielten, fing ich an es zu bemerken verwarf aber diese Idee, als Träumerei von meiner auch eigenen Art Sachen und Leute zu beurteilen. Aber, es nahm zu, und nun hier auf dem Lande ist es allen sichtbar; so, dass Julie, Ort, Linke und mein wertes Hannchen Itten ihr Staunen und Bedauren zeigen. Ich tue nicht, als ob ich etwas sähe, ich habe sogleich mit Vergnügen eingewilligt als er die zweite Badische Tochter, auch neben Hannchen mit hierher nehmen wollte, da er ihre Naivetät ausserordentlich zu schätzen anfing, (und sie ist es nicht; listig ist sie; aber eine schöne, aber eine sehr schöne Blondine, also auch in diesem sehr von Rosalien verschieden, so wie sie auch kleiner ist, niedlichere Knochen hat und mit süsseren Augen, so ganz empfindsam tun kann.)
Sie pries mich immer so glücklich, den schönen artigen Mann zu haben, der noch nach seiner Heirat so gallant wäre, wie ein Liebhaber; sie merkte sich alle Redensarten von Cleberg; gewöhnte sich am ersten alles an, was er im Bezeigen, Ton und Wesen eines Frauenzimmrs lobte; wenn er vorlas und die andern Mädchen alle arbeiteten, so ging sie hinter seinen Stuhl, und sah ihm über seine Achsel so gierig in die Augen und nach dem Munde, dass er es selbst beobachtete und sie neben sich sitzen hiess, wo er ihr aber immer mit seinen Blicken seine Vorlesungen zueignete. Hierauf putzte sie sich mehr auf die Lesetage, wurde traurig und schmachtend, wenn er nicht mit ihr sprach; munter und stolz, wenn er ihr vorzügliche Aufmerksamkeit zeigte; begehrte von mir die Stücke auf dem Clavier zu lernen, die ihm am besten gefielen. Ich tat es auch mit vieler Sorgfalt. Er war oft dabei und beobachtete mich und sie, lobte aber allein Lisette Bader. Artige Arbeiten, kleine Lieder, was ich weis, musste ich sie nach und nach lehren. Ihr Stimmgen ist gefällig, Liebe beseelte und lohnte sie. Denn oft, meine Mariane, oft sah ich Clebergs Augen voll Zärtlichkeit,