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so, wie Du es machtest, meine Liebe, setzte er mit Darreichung seiner Hand hinzu. Dies freute mich zwar, aber es war mir schon voraus zu empfindlich gewesen, dass er Frau Grafen so unfreundlich behandelt hatte, so, dass ich sehr bewegt aussah, ihn freilich mit zufriedener Liebe anblickte, aber doch den Moment meine Augen, auch nach Madame Grafe richtete, die etwas rot geworden, sehr lebhaft aufgestanden und in ein Fenster gegangen war. Er verstund diesen Blick, und folgte ihr nach. Vergeben Sie, Madame Grafe, wenn ich Etwas sagte, das Ihnen missfiel! Vergessen Sie es, um Rosaliens willen, die mir wirklich noch schätzbarer geworden ist! Ich war auch zu ihr gegangen, und hatte sie umfasst. Sie fing zum Glück an zu lachen; küsste mich und sagte zu meinem Manne: ich verzeihe Ihnen gern! Nehmen Sie es nur nicht übel, dass ich Gott danke, dass mein Mann anders gesinnt ist, als Sie! Ihnen, mein Schatz; sagte sie zu mir, gönne ich von Herzen, dass Sie für des Herrn Clebergs Spitzkopf eine feinere Denkungsart haben als ich. Machen Sie sich aber alles dies für Ihre künftige Ruhe zu Nutz; denn, wenn ein sonst höflicher Mann, sich auf diese Art gegen eine fremde Frau in Unterredung äussert, was würde er gegen das Geschöpf unternehmen, dass seiner ganzen Willkühr übergeben ist? Cleberg lachte nun auch, und küsste ihre Hand für die Weisung, die sie ihm gegeben; er versicherte, er wolle künftig ein artiger Fremder gegen sie, und immer ein edelmütiger Oberherr von mir sein. Bei alle dem Scherze war bittre Wahrheit, die ich mir merkte, und sehr sorgfältig wurde, die für Kleinigkeiten so fühlbare Seite meines Mannes kennen zu lernen. Denn das Grosse verwahrt sich selbst, und wird auch von selbst geschont! Es ist ihm aber etwas gegen Frau Grafe geblieben; denn er wollte nicht, dass sie jemals zu den Lesestunden kommen solle, die er mit mir den Ittenschen und Badischen Töchtern hält. Wir sind erst zwei Tage zusammen gekommen, die aber wirklich sehr artig sind, und ich und die gute Mädchen würden untröstlich sein, wenn etwas daran verrückt, oder sie gar aufgehoben werden sollten. Sie wissen, dass ich immer um halb acht Uhr des Morgens ganz angezogen bin, und in meinem grossen Zimmer mit Cleberg frühstücke. Da unterdessen meine Hausmagd unsere gewöhnlichen Zimmer zurecht macht; worauf dann Cleberg zu seinem Schreibtische und Büchern, ich aber an meine Arbeit und Umsicht im Hauswesen gehe. An dem grossen Saale war ein etwas ungeheures viereckiges Zimmer, von dem mein Mann einen Teil durch lauter Schränke abkürzte; und da streifige Tapeten darinnen sind, so konnte der Schluss der Türen überall in den Streifen versteckt werden. Da habe ich nun alle mein weisses Zeug, Kleider und grosse Putzsachen für Cleberg und mich, unter andern auch einen Schrank voll von verschiedenem weissen Zeuge, dass er, aus einem sehr weit gesuchten Beweggrunde, bei einer Versteigerung in seiner Familie gekauft hatte: Er sagte nemlich den ersten Lesetag zu den beiden Mädchen, ob ich Achtsamkeit und Geschicklichkeit genug haben würde, schon gebrauchtes und auch etwas abgängiges Weisszeug zu Rate zu halten, zu beurteilen und noch zu verwenden; oder, ob ich allein nur lauter neue Sachen haben und gebrauchen wolle. Er konnte in der Tat auch nichts anders denken, als dass mein Oheim mich erst durch seine Liebe verzärtelt und dann durch die Besorgung alles und jedes heimlichen Stücks meines Hausrats mich noch, wie das Sprüchwort sagt: "auf ein sammtnes Küssen setzte." Bei unserer ersten Bekanntschaft und anfänglicher Liebe, sah er mich bei schönen Handarbeiten für Putz, seidene Strümpfe zu stricken, Lichtschirme und Brieftaschen zu weben, zu zeichnen und Clavier zu spielen, beschäftigt; lobte mich darüber, besonders auch über die grosse Reinlichkeit meiner Person, Kleidung und Zimmers. Meine Bücher- und Sprachkenntnisse gefielen ihm auch. Das Schimmernde meines Standes hatte ich nun: dass war aber für das Ideal eines teutschen Weibes, für einen ganz teutsch denkenden Mann unserer Classe, nicht genug, wie er sagt, und noch jetzo erst sagt, da ich seine Frau bin. Er lobte mich, dass ich den neuen französischen Moden immer nur von ferne folgte, immer nur die simpelsten Formen des Putzes nachahmte, mit welchen der Ausdruck von Sittsamkeit und bescheidener Würde und die natürliche Begierde zu gefallen sehr artig verbunden werden könnte. Denn er behauptete, dass es einen Grad von Modeputz gebe, der einem feindenkenden jungen Mann das Gefühl der innerlichen Hochachtung benehme, aus welcher allein die Zärtlichkeit des Herzens entstünde, die unter tausend und aber tausend Mädchen, nur die Einzige lieben und wünschen lässt. Lieber Mann! sagte ich, machest du nicht zu strenge Anforderungen an uns gute Geschöpfe? denn wir putzen uns ja nur für Euch, du bist ja undankbar! Nein, Salie! ich bins nicht; aber dein Oheim hat Recht, Caroline Boge hat Recht, Kleidung und Putz machen einen Teil des Charakters aus. Sei zufrieden mit mir, und mit dir! Du bist mir Modell des liebenswürdigen Mädchen, der schätzbaren Freundin gewesen, nach deinem Bilde beurteilte ich, was ich auf meinen Reisen sah. Du sagtest in einem deiner Briefe an die edle, weise Mariane St –, dass um die physischen Weltzirkel, unter welchen die Menschen einerlei Grad physisches Gute genössen, und du nur einen moralischen Kreis umher gezogen sähest; den