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der ganzen Stellung unsers Oheims war, als er einige Minuten still [Anschlussfehler in der Vorlage, M.L.] ["] Euren Herrn und seine Söhne, mit dem Geist des Verstorbenen, wie er ihm seine Güter gab." Er schenkte dem Küster was, kniete sich schnell hin, küsste den Stein der die Gruft deckt. – "Diese Träne des Danks und der Verehrung, ist Alles, was ich Dir geben kan"; –– sprach er mit äusserster Bewegung. – "Aber, so lang ein Tropfen Blut in mir wallet, wird das Andenken Deiner grossen Eigenschaften, und Deiner Güte, Deinem L. R** heilig sein!" –– Dann stand er eilig auf, ging fort, und ich sass fast eine Stunde neben ihm, eh er ein Wort sagte. Endlich fing er an: "Nun ist mir wohl! – ich habe noch einmal den Ort gesehen, wo der Mann lebte, dem ich den Anbau meiner Talente, meines Charakters, und meines Glücks schuldig bin. Wär aber auch all dies nicht, so freute michs immer, in ihm einen wahren Edlen von Deutschland gekannt zu haben, der seinem Vaterlande, seinem Stande und jeder Stelle, die er bekleidete, Ehre machte." – Nach einigem Schweigen fuhr er fort: "Wie viel Menschen- und Sachen-Kenntniss hab ich bei ihm gelernt! – In meinen Papieren, Cleberg, werden Sie einst meine wichtigsten Erinnerungen von ihm finden. –– Ihre Kinder sollen sie einst lesen, und darin die Grundzüge eines deutschen, patriotischen Ministers sehen, der Feuer, Scharfsinn, Mut, Würde und strenge Gerechtigkeit, mit wahrer tätiger Güte des edlen Menschenfreundes vereinigte. – Welch ein Herr für seine Untertanen! Ach, wie oft erinnre ich mich sein, wenn ich durch andre Gefilde reise und –– ach! Er, – und was Er war, ist nicht mehr!" –– Hier schwieg er wieder lange, in Gedanken verhüllt; – endlich fasste er mich, mit einer Hand, und sagte ganz Ernst: "Ich weiss nicht, was für eine Würkung diese Reise und diese Scene auf Ihre Seele machen; – aber lassen Sie mich den Wunsch sagen, dass bei dem Grabmale dieses Mannes der grosse Borsatz in Ihnen bekräftigt werde, ein rechtschaffener, und um das gemeine Beste verdienter Mann zu werden! –– Es ist ein Beweis meiner Achtung und Liebe gewesen, dass ich Sie mit nahm. Nun sind meine Reisen zu Ende; ich will auch Ruhe und Muse geniessen. Nur ein kleiner Plan sitzt noch in mir: Ich möchte bei dem Beamten in Mahnheim, ein Paar junge Leute in die Kost und Lehre bringen, eh sie auf Universitäten gingen, damit sie durch Uebung ihre Köpfe und Herzen tätig verwendeten, eh sie gelehrt würden. Ihr junger Itten taugt ganz vortreflich dazu; und dann weiss ich noch einen herrlichen Jungen, den ich mitgeben will. Das Ende meines Lebens sollte mir süss werden, wenn ich drei wackere, junge Männer gebildet hätte, und der Erste davon mich durch das daurende Glück meiner guten Nichte belohnte!" –– "Salie! Du kennst das Herz, das so ganz Dein gehört; – Du kannst Dir das Gelübde denken, so ich Deinem Oheim ablegte; – und, Liebe! Du sollst erfahren, dass ich es niemals brechen werde." –– O Mariane! wie viel Wiedererinnerung hat dieser Brief von Cleberg in meine Seele gebracht! – Ich habe auch wieder Gelübde erneuert, von Allem was ich Edles und Gutes, in meinen Lebensplan bringen kan. – Es wär auch schrecklich und unverantwortlich, wenn ich, nach so vieler Gelegenheit die besten Kenntnisse für Geist und Herz zu sammlen, nichts davon in meine Handlungen legen wollte! Was hülfe mirs alsdann, Sie zu kennen, von meinem Oheim erzogen zu sein, so viel schätzbare Menschen gesehen zu haben? –– und meine Bücher? die stillen Lehrmeister, die Gefühle und Denken des Guten in mir erwekten. Immer will ich Hochachtung verdienen, von Ihnen, Edelste, Beste; und von den unschäzbaren Freunden, die zerstreut von mir, auf dieser Erde wohnen, und denen mein, für Tugend und Verdienste so fühlbares Herz, Verehrung und Liebe gewidmet hat. –– Vier und neunzigster Brief Rosalia an Mariane. Ach, Mariane! es ist gewiss nichts vollkommen, weder Glück noch Tugend. Ich erfahre beides an mir selbst. Mein Cleberg und mein Oheim kamen vergnügt von ihrer Reise zurück; meine Freude sie wieder zu sehen, wurde durch ihre beiderseitigen Erzählungen von dem, was sie gesehen und gehöret, was mein Oheim an Clebergen lobte, und dieser von der Güte des Erstern rühmte, unendlich vervielfältigt, und ich wollte Ihnen Alles das recht schön, in meiner ersten Entzükkung schreiben. – Aber da wurde mein Oheim krank, sehr krank, und ist noch so, dass ich seine Reise zum Grabe seines Wohltäters, als eine Vorbedeutung seines eignen Todes ansehen kan. – Der Himmel und Sie kennen mein Herz genugsam, um die Aufrichtigkeit meiner Sorgfalt und Wünsche für die Erhaltung meines Oheims zu glauben. Aber, nun kam ich auf die Probe über mich selbst. – Mein verehrungswerter Oheim fast ohne Hofnung zur Wiedergenesung krank, und meine arme van Guden ringt zu Wollinghof mit dem zerreissenden Gedanken, dass Pindorf wieder verheiratet ist, und so gar mit seiner neuen Gemahlin eine Spazierreise nach Mahnheim gemacht hat. Hier ist das Zettelchen und der Brief, die ich