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Ruhm von Clebergen angehen kann, keine von meinen Pflichten versäumen, und, wie mich die van Guden schon belehrte, immer in meinem Hause am liebenswürdigsten sein. – Es freut mich, dass der Ton meines Hauses Fremden und Einheimischen gefällt, und dass man zufrieden ist, alle Nachmittage bei uns wohl aufgenommen zu sein und gute Gesellschaft zu finden, ohne von mir eine ängstliche Erwiederung der Besuche zu fodern. – Die Ittenschen Töchter kommen nun wechselweis alle Tage Eine in mein Haus, arbeiten und essen bei mir; so wie auch die Töchter des Geheimenrats von E** und B**, lauter artige, tugendvolle Mädchen. Mein Cleberg hat würklich einen herrlichen Gedanken gefasst und will, auf meine Bitte, unter seinem Büchervorrat eine Auswahl machen und sie uns zum Lesen geben, so dass, wenn die Andern arbeiten, Eine von ihnen liest; und ich junge Sibylle, sagt er, solle dann, nach meinem Mehrwissen, mit ihnen darüber sprechen. Auch will er manchmal kommen und was vorlesen oder erzählen, von dem, wies junge Männer bei einem Frauenzimmer anzutreffen wünschen, die sie zu ihrer Freundinn, Gattinn und Mutter ihrer Kinder haben möchten. "Denn, sezte er hinzu, ich bin nun verheirater, und kann etwas von unsern Männergeheimnissen bei den liebenswürdigen Freundinnen meiner Rosalia entdecken. – Wir sagen uns manchmal, wenn wir einen Kreis blühender Schönen beisammen sehen, und all ihre Reitze und Annehmlichkeiten in Person und Bezeigen bemerken: Das tun sie für uns! – sie folgen den geheimen Befehlen der Natur, welche von ihnen will, dass sie uns zu gefallen suchen sollen; so wie uns von ihr leise zugeflüstert wird, dass wir allein in ihnen das süsseste Glück finden werden. Aber, setzen wir dann hinzu, die guten Kinder wissen doch nicht Alles, was uns freut. Schön, artig, witzig, ist etwas, so wir nicht entbehren möchten; aber wahre Güte, wirtschaftliche Kenntnisse, und Geschmack an vernünftigen, edlen Dingen, mit denen wir uns gern beschäftigen, – das ist Grundlage unsers daurenden Wohls." –– Er mischte eine Menge schmeichelhafte Sachen für sie alle darunter, und die muntere junge Louise L** forderte ihn auf, ihr allerseitiger Lehrmeister zu sein. Sie verspreche für sich und ihre Gesellschafterinnen viele Aufmerksamkeit und Folgsamkeit; aber er solle auch für die edlere Bildung der jungen Mannsleute sorgen, damit sie artige Mädchen auch liebenswerte Bewundrer haben möchten. Sie wolle ihm auch hie und da erzehlen, was gute Frauenzimmer zu wünschen hätten, damit sie ihre künftigen Herren Meister ihren Söhnen mit gutem Gewissen zum Beispiel anpreisen und den Gehorsam mit Hochachtung verbinden könnten. Sie hätten sich ohnehin Alle vorgenommen, ihn und mich zu beobachten, um ein Muster von Verdiensten, und von dem Glück eines Frauenzimmers zu nehmen. – "Sie geben mir und Rosalien eine schöne Rolle! – Salie! Du bist die Tugend, und ich, das Glück, so Dich belohnt!" "O, die hochmütigen Männer die! – Glück der weiblichen Tugend zu sein!" – sagte Frau G**, "Wäre dies nur immer wahr! – aber Ihr seid so oft nichts, als Uebung- und Zuchtmeister dieser Tugend!" Cleberg floh hier aus dem Zimmer, mit einer Bewegung von Angst gegen Frau G**. Adieu, beste Mariane, adieu. –– Drei und neunzigster Brief Rosalia an Mariane S**. Ich bin seit vier Tagen allein. Ob ich schon von meinen Freunden und Bekanten mehr als sonst umgeben werde, so fühle ich doch, dass Cleberg, dass mein Oheim nicht da sind. Clebergs Abwesenheit macht mich einsam. O, ich liebe ihn, ich bin an ihn geheftet! – Gott sei Dank, dass mein langes Verwerfen und Wählen mich eine glückliche Verbindung finden liess, mich, über mein Leben mit ihm, zu freuen; Schmerz über seine Abwesenheit, und Sehnsucht nach seiner Rückkunft zu fühlen! Ich habe noch dabei sichere Hofnung, dass er als ein noch edlerer Mann zurückkommen wird. –– Ich will Ihnen hier den Grund dazu schreiben. Mein Oheim hatte seit unsrer Zurückreise von C** öftere Unterredungen mit meinem Manne, über hundert Gegenstände, die sowohl den Fürsten, die Minister und die Räte, als auch die Geschäfte und den Ton, in welchen sie geführt werden, angingen. Manchmal war ich dabei, arbeitetete aber ruhig fort; doch freute michs innig, wenn ich meinen Cleberg Sachen sagen hörte, die den ganzen Beifall meines Oheims erhielten, der ihn auf verschiedene Proben führte. – Zum Beispiel: Es wäre wohl möglich, dass Cleberg einmal zu einem wichtigen Platz, und an den Hof berufen würde, wo er öfters den Fürsten, und täglich den Minister sehen, von vielen Leuten aufgesucht und beobachtet werden würde; – was wohl da sein Haupt- oder Grundplan wäre? –– "Rechtschaffenheit, unermüdeter Fleiss und undurchdringliche Verschlossenheit;" – antwortete er mit einem Gesicht und Ton voll Eifer. "Die beiden erstern Eigenschaften kenn ich in Ihnen schon lange; aber, warum setzen Sie undurchdringliche Verschlossenheit dazu?" "Weil ich an den Höfen, die ich sah, und an den Geschäftsführern, die ich beobachten konnte, so oft Ursach fand, zu glauben, dass ihr Ansehen und der gute Fortgang nützlicher Entwürfe, viel fester und gewisser gewesen sein würden, wenn sie ihre Leidenschaften und ihre Absichten verborgen gehalten hätten." –– "Es giebt aber Leidenschaften, die uns lieben oder fürchten machen; – und beide weiss ein