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und guten Kuchen essen. – Herr Itten hat wohl mit seinen Söhnen einige Tage da gewohnt, mit dem Bauer gearbeitet, und sich wie dieser, von Haberbrei und Erdäpfeln genährt. Der äussere Garten hat Klee, Erdäpfel, und Rübenpflanzen, alles zum Besten der Kühe. Wie ordentlich diese Gärten sind, wie schön Alles steht! – Ach, ich lebe schon im vierten Jahr hier, und wusste kein Wort von dieser Familie! – Der Bleichplatz ist im Hof über weissen Steinen – Frau Itten hatte gelesen, dass so alles viel geschwinder bleiche, weil die Sonnenstrahlen auf den weissen Steinen stärker wiederprallen; und sie fand die Probe wahr. –– Mein so galanter Eleberg, der so viel auf verfeinerten Geschmack hält, konnte sich nicht entalten, die Kinder glücklich zu schätzen, dass sie von diesen Eltern erzogen worden. – Er sagte zugleich: "Ich will auch Ihr Sohn sein, ehrwürdige Frau Itten! – wie viel Ehre machen Sie Gott und der Menschheit." "Und ich will von Ihnen lernen, eine gute Hauswirtin und treue Mutter zu sein," – sagte ich, mit rührender Stimme und wollte ihre Hand küssen; – aber sie litt es nicht sondern küsste mich, und weinte dabei, aber aus zärtlicher Empfindung. "Sie sind die erste fremde Person, die ich in meine Arme schliesse; denn ich habe, ausser meinen Geschwistern, Mann, und Kindern, noch Niemand geküsst. Und wenn ich für Sie, wie Sie sagen, ein anziehendes Beispiel häuslicher und mütterlicher Pflichten bin, so sind Sie mir das einzige Model einer gesellschaftlichen Freundinn für meine Töchter, deren Unschuld und Reinigkeit der Sitten ich ohne Sorgen und Gefahr in Ihrer Bekanntschaft sehe." –– Ich küsste die guten Mädchen nach der Reihe, als meine liebe Schwestern. Wie herzlich war der Druck ihrer Hände dagegen, und wie sanft der Kuss, den sie mir gaben! – Cleberg sagt, es sei eine wahrhaft jungfräuliche Bewegung ihrer Lippen gewesen, und meine, die eines edlen, zärtlichen Weibs, so die Liebe kennt. – Ich war etwas bös auf ihn darüber; – hatt ich nicht Recht? – – denn das ist so Etwas von der Seite die ich nicht ganz an Clebergen liebe. – Aber er erinnerte sich so edel der Wollinge und van Guden bei den Ittens, dass ich über dies hinsah. Als wir fortgingen, drang sich Herr Itten zu mir und bot mir den Arm; ich nahm ihn, nachdem ich seine Frau umarmt hatte. – "Gott segne Sie und Ihren Gemahl tausendmal, dass sie meine Frau und Kinder so gütig behandeln. – Beide dauerten mich schon lange, aber ich wollte meine Frau, durch vollkommne Freiheit in all ihren Handlungen, für erlittene Plage und ihre übende Tugend belohnen. – Aber es wird ihr doch gut tun, mit einer so sehr lieben fremden Frau in Freundschaft zu stehen. – Und meine Töchter, ach, für die klopft mein Herz vor Freude! – Es sind gute, gute Kinder; meinen Ernst werden Sie auch so finden." – Wie glücklich war unser übriger Tag, und ich, da ich Ihnen noch schreibe! denn Ernst Itten ist mit meinem Mann, Herrn Otte und Linke spazieren gegangen, und kommenden Montag schläft er in meinem Hause. – Linke ass bei uns zu Mittage und wurde entzückt über Alles, was Cleberg erzählte. Er will nun die Freundschaft des Bruders gewinnen, und ist völlig entschlossen, eine Ittensche Tochter zu heiraten. Sie darf aber noch lange nicht wissen, dass sie einen Freier hat, bis er auch sicher ist, dass er ihr gefällt. –– Hannchen Itten soll künftigen Sommer mit mir auf dem Lande wohnen. Linke soll einen Schäfer spielen, sagt Cleberg. –– Adieu, Sie Liebe, auch Einzige. –– Ein und neunzigster Brief Rosalia an Mariane. Hier ist noch ein Brief voll Ittens, so wie einst einige voll Henrietten von Essen, Madame S**, Julie, Otte, und noch mehr der van Guden und der Wollinge voll waren. Aber was soll ich Ihnen schreiben, wenn es nicht von den Gefühlen meiner Seele ist? denn alle Gegenstände des Nachdenkens, Durchforschens und Wissens sind Ihnen schon bekannt oder liegen so reichhaltig in Ihren Büchern, dass vielleicht selbst ein männlicher Geist Ihnen nichts Neues darüber sagen könnte. – Sie versicherten mich an einem der glücklichen Tage, die ich den letzten Herbst mit Ihnen verlebte, dass die Art, wie ich Menschen und Sachen betrachtete und beschriebe, so eigen sei und Ihnen so sehr gefalle, dass ich immer fortfahren sollte, Ihnen von der Menschen- und Gotteswelt, die in meinen Gesichts-Kreis käme, Original-Gemälde von meiner Hand zu schicken. – Das hab ich immer mit vielem Vergnügen getan. Denn, gute, angenehme Eindrücke noch einmal zu fühlen, und zugleich meiner Mariane St** einen kleinen Zeitvertreib damit zu machen; etwas für die beste, edelste Freundinn zu tun, und zu sein: ach wie viel reines, grosses Glück geniesse ich darinn! –– Lassen Sie es mir, so lang es sein kan; es wird wohl eine Zeit kommen, da meine Briefe nicht mehr so gross werden können, als ich sie machen wollte. –– Gestern hatte ich grosse Gesellschaft. Frau G** und Julie waren auch dabei, und früher als die Andern gekommen. Da erzählte ich ihnen etwas von dem, was ich bei Frau Itten gesehen, und las ihnen die Abschrift