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Waldung, der zwischen dem Hause von Wollinghof und diesen neuen Feldern liegt, abhauen lassen, damit man von Mahnheim aus unsern Hof sehen könne. Aber ich und meine Freunde stritten dagegen. Wir wollen nicht von Vielen gesehn sein; wir geniessen so auch inniger. –– O, wie bewegt würden Sie sein, wenn Sie, da Sie nun Alles von dem Schicksal meiner Wollinge wissen, den so stark fühlenden Mann mich anblicken sähen, wenn er mich auf dem Bauplatz antrift, mit den Arbeitsleuten reden hört und meine Freude über den Fortgang sieht; – er dann noch zweifelnd dasteht, ob es auch wahr sei, dass hier auf dem Boden, den er vor neun Jahren mit Kummer betrat, nun Glück und Wohlsein für ihn gegründet und angebaut werde; – wie oft Tränen des Danks und der Entzückung über die Wangen seiner Frau fliessen, und ich dann in ihren Augen und der Bewegung ihres Mundes ein stilles Gebet lese, dass doch nichts ihre Hofnungen zerstören möge; – die Sorgfalt, die beide noch haben, sich nicht zu früh von ihren bedrängten Umständen zu entfernen; denn sie essen noch nicht bessere Speisen als bisher, nur sättigen, glaub ich, tun sie sich mit weniger Furcht. –– Eine Kleidung hat jedes angenommen für sich und ihre Kinder. Diesen liess ich Schuh machen; aber die guten Kinder waren sehr übel darin, weil es so viel härter war, als die Lappen, womit die Mutter ihre Füsse umwickelte. – Ich gab dann die erstern dem Schuhmacher für andre Arme zurück und liess meinen jungen Wollingen recht weiche und weite Schuh verfertigen.
Sie können denken, dass all diese Züge meine Teilnehmung an der Familie vermehren, so wie sie meine Empfindsamkeit stärken. Ich habe einen schönen Platz auf der Seite des Walds, dem neuen Hause gegenüber, wo ich mit meiner Strickarbeit – und auch Bleistift sitze, und die Arbeit an Wollinghof, zugleich aber die Hütte oben, vor mir habe, wo meine Kinder wohnen. – Wie selig fühlte ich mich den Augenblick, da ich das erstemal diese Aussicht genoss, nachdem einiges Gesträuch weggehauen war, um den Platz des Gemüsgartens zu ebnen, und das alte Gebäu ganz sichtbar wurde; – da ich in einem Moment den Aufentalt der leidenden Tugend – und den von ihrem künftigen Wohl betrachten konnte – und mich, – mich von der Vorsicht bestimmt fühlte, die Belohnung ihres Ausharrens und ihrer Ergebung auszuteilen, Wie selig war ich dadurch! wie dankbar gegen Gott! –– Ich kann würklich alle Tage bei hundert Menschen zählen, die mich segnen. – Sechzig fleissige Handwerksleute, die es freut, Arbeit zu haben, ordentlich und besser bezahlt zu werden; Achtung, gute Worte, Schatten, gutes Bier und Brod zu geniessen. Alle Sonn- und Feiertage bezahl ich ihr Essen und Trinken in der Schenke zu Mahnheim. Da ist gewiss der Wirt und die Wirtin auch froh darüber. – Der Beamte, seine Frau und ihre acht Kinder lieben mich; unser Hofbauer und die seinigen auch. Dann unser Knecht und Magd und zehn Fuhrleute, eben so viel Taglöhner und meine Wollinge! – In meiner Jugend hört ich so oft ein zerfallnes Schloss, einen entfernten, einsamen Waldplatz, den Aufentalt von Räubern und bösen Geistern nennen. Ich lebe seit einigen Wochen an einem solchen Ort und sehe da die besten Menschen, von so vielen Klassen um mich. ––
Rosalia! werden Sie nicht müde, mich Gutes, so ich geniesse und finde, beschreiben zu sehen. Wie genau zählen wir dem Schicksal unsere Leiden nach! wie sehr wehklagen wir darüber! Ist es nicht Pflicht, eben so genau alles Wohl und jede Freude zu berechnen, die aus der Hand des ewigen Vaters auf die Tage unsers Lebens träufeln? – Träufeln, – sag ich? –– Ach bin ich nicht mit Gütern überschattet! geniesse ich sie nicht in vollem Maass! Seit dem Tage, da ich in Ihrer Vorstadt ankam, bin ich immer ein Gegenstand der Liebe, des Vertrauens und der Achtung, von so viel Herzen gewesen. So oft wurde mein Name vor Gott mir Dank und Fürbitte genannt! Es ist mir viel, sehr viel, dieses zu denken. –– Ich! durch einen Blick meiner Augen, der dem Blick so mancher Rechtschaffnen begegnet, Vergnügen entstehen zu sehen; – Sie, meine Liebe, froh, einen Brief von mir zu erhalten; – meine Vorstädter glücklich, wenn ich sie grüssen lasse: – und ich seufze, wenn ich die Stadt W**, ansehe? – wie undankbar bin ich da! – Alle Wünsche meines Herzens, alle von meiner Phantasie kan ich vergnügen, edel vergnügen; – einen nur versagten mir Umstände und Pflicht. – Und an diesem blieb meine Eigenliebe hängen? – Rosalia! ich will auch meiner eignen Empfindlichkeit gebieten. Ich will mich überwinden, um mich selbst schätzen zu können. Denn Alles, worüber Andre mich hochachten, ist mir nicht sauer geworden. Ich tat es gern und leicht. Ich will was Schweres vornehmen; etwas, wofür ich mich scheute, und nicht Mut genug hatte, daran zu denken. Sie sollen Zeuge – und Richterinn sein, ob ich es ernstlich meine, und gut durchsetze. – –
Ich habe Leinwand gekauft und Tischzeug. Meine junge Mooss, Frau Wolling und ich, arbeiten daran; denn ich möchte das Nötigste fertig haben wenn wir unser Haus beziehen. Diese Woche werden wir schon weit sein. –– Rosalia! Sie