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- und dunkelgraue Wolken mit rosenrotem Saum eingefasst. Wir hatten auf der Ecke des Bergs, unten an meinem Zimmer, zu Nacht gegessen. Ich ging weg. Die guten Kinder dachten, dass ich gleich wiederkommen würde. Aber ich machte die Tür auf, die ich auf ein lediges Stück Mauer über dem Bogen, gegen den zerfallnen Turm habe richten lassen, das mir nun eine Art Altan giebt; rückte da mein Klavier hin und fing an ganz leicht und sanft zu spielen. Endlich stimmte ich mit einer zärtlichen Arie ein. Anfangs hört ich sie noch reden, aber dann wurde es ganz still, und sie schlichen die alte Turmtreppe hinauf. – Mit Liebe, mit Bewunderung sahn sie mich an und horchten. Meine Stimme war gewiss zärtlich und rührend, als ich noch allein sang, gegen W** hinblickte und wünschte dort gehört zu werden. – Aber gewiss, die Würkung, die ich auf die reinen, mir ganz ergebnen Herzen meiner Wollinge machte, gab meinem Ton noch mehr Seele. Sie wissen, dass ich immer mit Recitativen anfange – und viel Empfindung darinn ausdrücke. Ich bemerkte, dass dies mein Talent eine neue Quelle von Wohl für die Familie wurde; und die junge Mooss kniete mit Entzücken neben mich, atmete kaum, ihre Augen auf meinen Mund geheftet, eine schöne glänzende Träne darinne; vielleicht die erste Träne der Zärtlichkeit, die jemals ihre Augen benetzte. Ihre Lippe bewegten sich sympatetisch mit den meinigen. Ich beobachtete früh genug, dass ihre Empfindungen durch die Harmonie meiner schönen italienischen Arien stark erregt hatte und wollte sie zu ihrem Besten benutzen; sang also gleich melodisch einige Strophen aus Kleists Lobgesang auf Gott. Hier weinte Wolling mir einige Zähren Beifall zu – – und ich winkte dann den Kindern, näher zu kommen, und wies ihnen das Klavier offen. Vorzüglich freute es sie, die Hämmerchen hüpfen zu sehen. – Aber meine Meta Mooss gab mir Nachdenken. Sie war auf ihren Knien geblieben, endlich an meinen Arm gehängt, wo sie innig zu weinen anfing und so voll süsser Unschuld und Liebe mich ansah, dass ich sie an mich druckte. –– "Liebe Meta! sagt ich leise, warum weinst du so?" –– "Ach! mein Herz ist so klopfend und so unruhig worden; Sie singen so, dass es süss ist und doch traurig." –– Ich wollte keine Frage mehr darüber tun, sondern sagte nur: "Möchtest Du auch singen lernen?" – Tausendfach küsste sie meine Hand. – Ihre ersten Töne hab ich gehört. Es wird die reinste, gefühlvollste Stimme werden, aber schwach. Sie will auch niemals Andern singen, nur mir. – – Gute, gute Meta! wie sorgfältig will ich für dich sein, so lang du unter meinen Augen bleibst! – Aber ich selbst, so voll Liebe, so voll Ideen, die alle alle liebend sind, – diese Einsamkeit dabei, – ach! Rosalia, wenn dieser Meta Empfindsamkeit genährt und unglücklich gemacht würde! – Ich will suchen, ihr eine Leitung zu geben. – Gott, Natur, Tugend, Freundschaft, schöne nützliche Arbeiten, sind die Zweige von Gefühl und Kenntnissen, die ich bei ihr unterhalten will. Ganz einfach will ich ihr alle Ideen geben; und was sie von mir lernt, soll sie ihre zwei jüngere Schwestern wieder lehren. – Mir hingegen muss sie Unterricht in hiesiger Landwirtschaft geben, so viel sie von ihrer Mutter dazu angehalten wurde. Dieser Tausch von tätigen, guten Eigenschaften soll, hoff ich, eine herrliche Würkung auf das liebe Geschöpf machen – und sie muss Lottchens Vorbild werden; so wie diese Vorbild der kleinen Nanny sein soll. Und mit dem Plane zu all diesem soll mein Sommer hingebracht werden. – Wollingshof, denn so lass ich das Gut nennen, wird bald da stehn. Es arbeiten sechzig Mann. Der schätzbare Beamte hat unvergleichliche Anstalten gemacht. Wir haben vier eigne Pferde und auch schon vier Kühe, denen wir auch nur von Holz eine Stallung ganz geschwind errichtet baben. Unser Glück traf gerad auf den Augenblick des Elends eines wackern Bauren, der die Wittwe seines Vorwesers geheiratet und dessen Kinder treu erzogen hatte. Die Frau starb einige Wochen vor meiner Ankunft in Mahnheim. Der Hof war noch etwas verschuldet, von dem ersten Besitzer, und eingefallne Missjahre hinderten die Abzahlung. – Der Mann wurde von den Stiefkindern und Gläubigern zugleich gepresst – und sah nichts vor sich, als ehster Tage den Hof zu verlassen und als Knecht zu dienen, weil er den Kindern die Schadloshaltung und den Auskauf nicht anbieten konnte. Der Beamte, der mich so voll Begierde, ein Gut zu kaufen, wie er sagte, auch voll Geld sah, tat mir den Vorschlag, da einzutreten, die Kinder des ersten Bauren zu befriedigen und den zweiten zum Oberknecht von Wollinghof zu machen, weil er die Ackerstücke dieses Bauerhofs, die gerad an das für uns ausgemessne Feld gränzen, in den Bestandbrief mit einschreiben wolle. – Das ist nun äusserst angenehm. – Ich setze einen ehrlichen Mann aus seiner Verlegenheit, habe mein Gut vergrössert und geniesse schon dieses Jahr die Freude, auf eigenem Boden mähen – und erndten zu sehen. – Ach! Rosalia, wie viel tausendmal könnte Menschen Gutes und Freude wiederfahren, wenn der, so einen guten Vorschlag zu tun hat, immer den Menschen anträfe, der ihn mit Vergnügen auffasst und mit Eifer auszuführen bereit ist. – Herr Mooss wollte den Streif