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Seele, welche sie ihm in ihren Vorstellungen zum Besten des Diensts ihres Vaters gezeigt, ihm die grösste Liebe und Verehrung eingeflösst habe. Er hätte sich aber vorgenommen gehabt, niemals davon zu reden, indem er sie weder dem Tadel der Welt, noch dem Unwillen ihres Herrn Vaters, vielweniger aber dem traurigen Schicksal einer unglücklichen Liebe hätte aussetzen wollen. Seine Zärtlichkeit habe ihn zu allem angefeuert, was er in seinem Dienst getan. Ein Blick, ein Wort von ihr sei himmlisches Vergnügen und Belohnung für ihn gewesen. Immer habe er gefühlt, dass sie nicht für ihn geboren sei, habe auch seinem Herzen keine Wünsche und keine Entwürfe erlaubt. Aber die Erklärung, dass sie einem Andern bestimmt sei, habe ihn wie ein Donner getroffen, – und in seinem ersten Schmerz sei er würklich dem Wahnsinn nahe gewesen. Ihr Mitleiden – und die Versicherung ihrer Achtung sei Balsam für sein zerrissenes Herz. – – Er habe sich nun gefasst und trage geduldig diesen Schlag des Väterlichen Fluches. – Er bitte Gott um Glückseligkeit für sie, und wolle nun alle seine Kräfte und Wissen verwenden, um auf das Fest ihrer Verbindung ihr noch den letzten ehrerbietigen Beweiss seiner reinen, uneigennützigen Liebe zu geben. –– 'Sie werden mit Tränen begossen werden, alle Blumen, die ich zu Verschönerung dieses Tages ziehen will. – Einen Wunsch nur – angebetete Charlotte, nur einen Wunsch erfüllen Sie, den das Herz des treuen, tugendhaften Jünglings wagt: lassen Sie den Blumenstrauss, den Sie an dem, für mich so entscheidenden Tage, an Ihrer Brust tragen werden, lassen Sie den mein sein; geben Sie ihn sonst niemand. Diese Hofnung wird mir die bittere Pflege dieser Blumen versüssen; und wenn meine zitternden Hände sie zu Charlottens Brautschmuck binden werden: so wird der Gedanke mich stärken, dass wenig Stunden darauf das edelste beste Herz an diesen Blumen schlagen wird, und ich sie dann erhalten und für mein noch übriges Leben, an meinem Herzen tragen werde.' –
Ich hatte dieses gelesen, eh Frau Wolling zurück kam, und sagte mir selbst: 'O Sympatie! und du Ruf der Natur, wie stark seid ihr gegen Alles!' – Sagen Sie, meine Freundinn, sagen Sie, was konnte der arme Carl, die gute Charlotte, was konnten sie tun? Edelmütigkeit kämpfte in dem Herzen des Jünglings; Sittsamkeit, Pflicht gegen die vorgeschriebene Gesetze ihres Standes, in der Seele des Mädchens. Und dennoch wurden sie Schlachtopfer des Unglücks und ihrer Leidenschaft! – – – Und, was bin ich? Meine Liebe! was bin ich? Ist nicht, seitdem ich unter der Tyrannei dieses Abgotts siehe, jeder Otemzug meiner Seele, jedes Gute, jeder Fehler, Würkung, alleinige Würkung meiner Liebe? Ich sehe die Turmspitzen der Stadt, wo Pindorfs Kinder wohnen. Aber, wo – wo ist Er? Ich verberge mir Alles, was ich bei dieser Frage fühle. – Bei Andern! Er wiederholt da die Auftritte, die Unterredungen die den vorletzten Winter einen so traurigen Einfluss auf meine ganze Glückseligkeit hatten. Ach, vielleicht ist diesen Augenblick jede Empfindung seines Herzens, jeder Gedanke seines Geistes vergeben, verpfändet, neue Bande geknüpft! ich ganz, ganz vergessen, ganz ausgelöscht! – ich, die allein durch die Erinnerung seiner Fussstapfen hieher geführt wurde! – Ich sonderte mich ab, um wenigstens Steine zu betreten, die Er betrat; Gegenstände zu sehen, die er liebte! – O, wie danke ich der Vorsicht, dass sie für Wohl und Uebel Andrer mein Herz so empfindsam machte! dass die Lindrung fremdes Schmerzes Erleichterung meines eigenen Wehes wird! – An diesen leblosen Gegenständen hier hängt mein Herz, weil Er sie beschrieb. Ich kenne sie alle, und Sie sollten meine Schreibtafel sehen, wie oft ich ihn schon zeichnete, melancholisch zwischen den Weiden und dem kleinen Bächelchen dahin gehend, das an der Anhöhe herum fliesst; oder am Fuss eines Baums, mit einem Buch in der Hand; dann über die grosse Wiese nach dem entfernten Bauernhause auf der Seite hin gehend. – Am Ende des Wäldchens, auf einem Stein sitzend, Schaafe um ihn herum, die er streichelt, und die mit seinem Stockband spielen; hier auf der Anhöhe an einen Baum gelehnt, mit dem Ausdruck der Bewunderung und Liebe der Natur! – Ach meine Freundinn, ich seh ihn auch bei Damen sitzen, mit ihnen sprechen; – sehe den Eindruck, den ihre Verdienste – und Schönheit auf ihn machen; sehr feine Aufmerksamkeit, sein Bestreden, nahe um die vorgezogene Glückliche zu sein; sehe das innige Vergnügen über sein Gesicht verbreitet, so ganze Tage mit ihr zu verleben. – O, Bilder der Quaal, warum entsteht ihr! – Giftiger Hauch der Eifersucht und des Neides, warum tödtest du jede edle, reine Freude um mich her! ödos Verlangen! du vernichtest jeden Keim der Zufriedenheit über Gutes, so mich umgiebt – und dessen Genuss in meiner Gewalt ist. – Ich will versuchen, edel zu lieben, wie der arme, trostlose Carl tat Ein Blumenstrauss, gegen den Charlottens Herz, einige Stunden geklopft hatte, war alles, alles für ihn! Ich habe Kinder von Pindorf, die er oft an seine väterliche Brust gedruckt, in meine Arme geschlossen; ich bin ihnen lieb, sie sind ein Teil seines Wesens. Unverfälscht, unverstellt waren die Liebkosungen, die sie mir machten. – Was soll mir das geteilte, das