highChunks/1779_La_Roche_065_3327.txt -- topic 82 topicPct 0.418181806803
handelt; wenn er in grossen Anlässen seines Lebens niedrig, klein – und bösartig erscheint: – O, Rosalia, da werde ich freilich von meiner mich abzehrenden Zärtlichkeit und Sehnsucht genesen. – Aber, was wird der Schmerz sein, der mich darüber zerreissen wird!" ––
Sie geht – unaufhaltsam dem entscheidenden Augenblick ihres Jammers entgegen. –
Fünf und sechzigster Brief
Madame Guden an Rosalien
Ich bin, meine Freundinn, sehr wohl in W* angelangt. Aber Herr von Pindorf ist nicht da, sondern, nach der allgemeinen Vermutung, auf einer Reise, – von welcher er eine zweite Gemahlinn mitbringen wird. – Seine beiden Söhne und seine Tochter sind hier. Diese will ich Morgen, als eine ihrem Vater bekannte englische Dame, besuchen, und ihnen die artigen Sachen geben, welche ich diesen Winter für sie zubereiten lassen. – – O, wie unruhig ist heute schon mein Herz! – Kinder von Pindorfen – werde ich morgen an meine Brust drücken! – Kinder von Pindorfen! – und ich bin nicht ihre Mutter! – Wie sorgfältig werde ich die Züge aufsuchen, die mir die seinigen zurückrufen! Ich werde gewiss das Bild seiner ersten Gemahlinn da finden, und auch darinn noch spüren, ob sie alles Andenken an mich auslöschen konnte – ob sie viel Geist hatte und gute Mutter war? –
O! – mein Kind, er wählt nun wieder eine Andere an ihrer Stelle! – Dies ist Beweis, klarer Beweis dass mein Bilo aus seinem Herzen entwichen ist. ––
Sehen Sie, wie immer noch Hofnung und Niedergeschlagenheit in mir wechseln. Dieses Fieber meiner Seele muss einmal aufhören. Ich werde sehr abgemattet sein, aber doch endlich ruhen. ––
Den zweiten Abend in W**
Ich sah diesen Vormittag alles, was an guten Gebäuden hier ist; und um zwei Uhr ging ich zu den Kindern des Herrn von Pindorf. Meine Schritte wankten, als ich die Stiege hinauf ging; und wie viele Mühe hatte ich, meine Tränen zurück zu halten, als ich die drei guten Geschöpfe, schön geputzt, in der Begleitung ihrer Wärterinnen und eines geistlichen Hofmeisters, oben an der Stiege der vornehmen fremden Dame ihre Bücklinge machen sah! ––
Es sind sieben Jahre, als ich von Pindorfen getrennt wurde. – Er hat einen Sohn von sechs, einen von fünf Jahren und ein liebes, ihm gleichendes Mädchen von vieren. Der älteste Sohn und die Tochter haben die empfindungsvolle Miene des Vaters. Der schöne Knabe von fünf Jahren ist voll Munterkeit und soll seiner Mutter gleichen. ––
Ich nahm den Aeltern und die kleine Henriette bei der Hand. Sie führten mich in das grosse Ansprachzimmer so ganz weiss lackirt ist, – und nichts als vier schöne Landschaften über den Türen und die Bildnisse des Herrn von Pindorf und seiner Gemahlin in Lebensgrösse hat. Diese nehmen die ganze Wand zwischen zwei Türen ein, und stellen eine getreue Nachahmung meines Gedankens vor, da ich in dem Garten zu Stow den Herrn von Pindorf mit dem schönen Auedruck seiner Seele zeichnete; nur dass anstatt meiner Dame, seine Gemahlinn; – und für Herrn von R**, einer der liebsten Freunde des Herrn von Pindorf hier vorgestellt ist; – ich aber mit meiner Zeichnung der Gruppe, in Mannskleidern. Meine Freundinn, dies Gemälde war noch Würkung seines zärtlichen Andenkens an mich; und meine Verkleidung als Mahler, war gewiss feine Schonung der Empfindlichkeit seiner Gemahlinn. ––
Ich hatte alle Fassung meines Geistes nötig, besonders da der kleine Sohn sagte: "Hier macht der Papa gemahlt seine Aufwartung. Die Mama kanns gar nicht, denn sie ist gestorben." Ich hatte mitlerweile ihr Bild betrachtet.
Sie war höchst liebenswert, und ein edles Schmachten liegt in ihren Zügen. Ich zog den Knaben an mich und küsste ihn, während ich mit dem andern Arme die Tochter und den ältern Sohn umfasste. Ich konnte mir nicht mehr helfen.
Ich im Hauss des von Pindorf! – Seine Kinder in meinen Armen, – sein Bild vor mir, und in diesem Bilde ein Beweis, dass ich und meine Talente ihm wert waren! Das Bild seiner Frau, dass er seine Liebe für mich opferte, und deren Ruhe mir so heilig war, dass ich niemals das geringste tat, um seine Zärtlichkeit zu erneuern.
Ach wie froh bin ich, es nicht getan zu haben! – Ich wäre durch ihren Anblick gedemütigt und beschämt worden; denn gewiss, sie verdiente sein ganzes Herz! Nun kann ich sie anschauen und bedauren, dass sie diesen Schatz nicht länger besass; – ich kann ihren Geist als Zeugen denken, wenn ich eins ihrer Kinder umarme.
Gewiss, selige Mutter dieser drei lieben Creaturen, gewiss habe ich niemals keinen Wunsch getan, der gegen deine Glückseligkeit gegangen wäre! ––
Nur nachdem du tod warest und ich frei, – verlangte ich, deines von Pindorfs Liebe geerbt zu haben. – Du hättest mir gewiss sein Herz gegönnt, wenn du mein Bestreben gesehen, des würdigen Mannes Tage zu verschönern. Meine Liebe, meine Sorge für Deine und seine Kinder, würde mir Deinen Segen erworben haben. – Nun wird all dieses der Anteil einer Andern! – Ach möge sie sein, was ich für ihn gewesen wäre! – Meine Freundinn! ich dachte hier mit Klopstok: Sie ist glücklicher, aber nicht edler! ––
Die Wärterinnen – und der Geistliche betrachteten mich mit Verwunderung. Diesen Grad von freundschaftlicher Empfindsamkeit hatten sie niemals gesehen. – Noch mehr aber staunten sie, als mein