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behaltet Ihr; ich kann Euch sonst Guts tun.' Sie liess die Hebamme kommen, und gab ihr Geld, und redete ihr zu, recht wohl für uns arme Weiber zu sorgen. Sie war heut schon bei mir, und freute sich, dass ich so gesund bin."
Ich sass da gerührt, verwundert. Was für einen Wert giebt diese Frau dem Gelde, dachte ich, und wurde immer begieriger, sie selbst zu sehen. Als ich von der Taufe zurück kam, war sie im Hause, um zu verhindern, dass die Wöchnerinn durch die hässliche Gewohnheit des Kindtaufschmauses nicht Gefahr. liefe, krank zu werden, und versprach den sechs Weibern, die mit zur Kirche gegangen waren, ihnen am Ende des Wochenbetts einen recht vergnügten Tag zu machen. Diese gingen also fort, und ich kam mit der Hebamme und dem Manne allein in die Stube, wo ich die Fremde sitzen sah. Ich hatte an der Tür mein Patgen auf den Arm genommen, und übergab es seiner Mutter, mit der Bitte, es wohl zu erziehen, und der Versicherung, dass ich meine Pflichten gegen dasselbe getreu erfüllen würde. "Denn," sagte ich bewegt gegen die Fremde, "für dieses Kind müssen Sie mich auch was tun lassen!" – "Sehr gern," antwortete sie; "denn ich kenne das Vergnügen des Wohltuns zu sehr, um Jemand dessen zu berauben." – Hiebei sah sie etwas nachforschend mich an. Ich schlug stillschweigend meine Augen nieder. Einige Momente darauf fing sie auf Französisch, aber mit einer gedämpften Stimme an zu sagen: "Sie sind auch fremd hier?" – "Ja! aber nun beinah nicht mehr, weil ich so viele Bekanntschaften gemacht habe." – "Sind auch Freundschaften darunter?" – "Nur zwei, welche diesen ehrwürdigen Namen verdienen." – "Das ist mir leid," sprach sie, indem sie mich einen Augenblick fest ansah, dann den Kopf etwas niedersenkte, und zugleich eine Miene, und mit der rechten Hand eine Bewegung machte, die den Ausdruck anzeigte: Es mag sein; dann vor sich hin, im Englischen: "Dieses kleine Wölkchen mag sich mit den übrigen vereinigen, die meine Tage verfinstert haben." Ich fasste Herz, sie etwas fragend anzusehen. Sobald sie es bemerkte, sagte sie: "Stossen sie sich nicht an meinem Wesen. Ich habe bei Ihrem Anblick einen Zug zu gesellschaftlicher Verbindung gefühlt. Die Idee, dass Sie fremd sind, stärkte meine Hoffnung, aber Ihre Verhältnisse nehmen mir diesen Schimmer von Freude wieder. Ich will Sie nicht von bekannten Gütern abziehen, um Ihnen Geschmack an etwas Sonderbarem zu geben, und die Bedürfnisse meines Herzens sind zu gross, um durch einen kleinen Teil vergnügt zu werden; und dann will ich auch Ihren ältern Freunden nichts nehmen." – Ich fiel hier ein: "Glauben Sie aber nicht, dass dies, was Sie mir sagen, meiner Seele Ihre nähere Bekanntschaft nötig macht?" – "O! so vergeben Sie mir meine Unvorsichtigkeit," sagte sie mit einer ganz edlen Bewegung gegen mich. "Gott! diesen Leuten hier suche ich körperliche Uebel zu erleichtern, und Ihnen, fühlbares Geschöpf, gäbe ich Leiden der Seele!" – "Es freut mich unendlich, dass Ihr grossmütiges Herz dies empfindet, und ich hoffe, dass Sie mir erlauben werden, Sie näher kennen zu lernen!" – "Dringen Sie nicht zu sehr in mich, ich bitte Sie; wenn ich Ihren Umgang in meinen Plan einschalten kann, so will ichs tun." Ich machte ihr eine dankbare Verbeugung; sie sah nach ihrer Uhr, und ging kurz darauf weg.
Sie ist gross, wohlgewachsen, richtig, aber nicht fein gebildet, und hat im Ganzen keine Züge von Schönheit: aber sie ist mit einem Ausdruck von Anstand, Güte und Bescheidenheit übergossen, welches, wie ich sagen möchte, eine Art Firniss ausmacht, durch den ihre ganze Gestalt einen edlen Schimmer erhält. In ihrem schönen Aug' ist viel Geist, Empfindung und der kleine Zug von Schwermut, so in ihrer Miene herrscht, machen den Wunsch nach ihrer Freundschaft entstehen, weil alles zusammen Vertrauen und Achtung einflösst. Ihre Kleidung war brauner Grosdetour, mit nemlichen Zeuge garnirt. Die breiten Bänder der Armschleifen waren auch von dieser Farbe. Haube, Manschetten und Halstuch von weissen Flor; Ohrringe von einem einzigen Diamant; ihre Schube auch braun, wie der Rock, aber auf englische Art, mit niedrigen Absätzen und sehr passend, so wie sie in allem äusserst nett und reinlich ist, und eines der ersten Stücke, so sie in ihrem Hause zurecht machen liess, ein Badzimmerchen ist, dessen sie sich fast alle Tage bedient. Sie hat einen Bedienten und dessen artige Frau mitgebracht, hier aber noch zwei Mägde angenommen, die sich sehr glücklich bei ihr finden. Uebrigens isst sie sehr wenige und einfache Speisen.
Sprachen versteht sie, allem Anschein nach, sehr gut; denn bei dem Buchführer hat sie alle historische und physische Bücher, auch Reisebeschreibungen begehrt, die Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch herausgekommen sind; und auf dem Postamt alle Zeitungen und Journale, die in diesen Sprachen ausgehen, bestellt. Die beiden Mahler in der Stadt hat sie schon etlichemal bei sich gehabt, und ihnen ihre grosse Sammlung von Kupfern gewiesen, welche das einzige sein soll, was sie mitbrachte; denn alles weisse