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Lobe von dem Herzen meiner lieben W**" – Hier ging sie von mir, nachdem ich sie innig umarmt hatte. Die vortrefliche Frau! wie unrecht geschieht ihr, wenn man, ihrer Lebhaftigkeit wegen, an ihrer anteilnehmenden Empfindsamkeit zweifelt! – Hierauf hörte ich im Nebenzimmer auf- und abgeben. Ich wurde besorgt, weil es männliche Tritte waren, dass einer von den zwei Fremden unser Gespräch gehört haben könnte! Und es war so. Denn kurze Zeit he nach kam Herr ** mit seiner edlen Gestalt, und einer vermehrten Bescheidenheit in seiner Miene, unter die Türe meines Zimmers getreten. Die Bekräftigung meiner Sorge über sein Zuhören, machte mich erröten, und er sah mich mit einer Verlegenheit an, die ich nicht gleich begreifen konnte. – Ich war aufgestanden, und nach einigen Blicken auf die Erde, näherte er sich mir und sagte mit rührendem, aber männlichem Tone, indem er mich zu meinem Stuhl zurück führte: "Darf ich Sie bitten mich auf einige Minuten anzuhören?" – Ich etwas unruhig: "Ja ganz gerne!" –
Er fing an: "Ich will Ihnen, würdige Vertraute der vortreflichen Frau G**, nicht verhehlen, dass der Zufall mich das wichtige Gespräch hören liess, worinn Sie beide die Bedrängniss einer edlen Freundinn zu beben suchten. Möchten Sie mich nicht diesen Zufall benutzen lassen, und mir das Glück gönnen, den kleinen Vorschoss zu tun, der ihre Herzen aus der Verlegenheit zöge, worinn Sie sich befinden?"
Ich war verwirrt, verwundert, und konnte nichts, als: "O Herr **" sagen. Aber seine Stimme, seine Gesichtszüge, die Stellung, in der er mir dieses Anerbieten tat, war der schönste vermischte Ausdruck von Edelmut, Sorgsamkeit, Würde für sich, und Verehrung für meine Freundinnen: so, dass der Eindruck davon alle meine Empfindung zu Tränen schmelzte. Ich sah ihn an; aber Zähren träufelten über meine Wangen. Er fasste meine Hand: "O, diess sind gewiss die edelsten weidlichen Tränen, die ich jemals sah! Aber, teure Rosalia, ich habe Sie doch nicht beleidigt? Glauben Sie, dass mein Beweggrund, mir Ihnen zu reden und das Anerbieten zu tun, Ihrer Achtung nicht unwürdig ist: ich bitte Sie! lassen Sie mich ganz in der Stille Anteil an Ihrer gerechten Freundschaft für Madame W** nehmen, und erhalten Sie mir bei Madame G** die Erlaubniss, ihr diese Summe für die gute bedrängte Frau W** zu geben. Keine Seele soll es wissen! Der Kummer der Madame W** und der anteilnehmende Schmerz von ihnen beiden soll mir heilig sein! Nehmen Sie mich nur in diesen Bund auf." – Ich stund auf; ich drückte mit meinen beiden Händen die seinige, mit der er mich gefasst hatte: "Gott segne Sie, würdiger, würdiger Mann! für diese edle Verwendung Ihrer Gewalt und ihres Vermögens! aber auch für die unaussprechliche Freude, welche Ihre Edelmütigkeit mir giebt. O, wie selten, aber wie göttlich schön, sind diese Züge einer erhabenen und gütigen Seele!" –
Hier kam Frau G**. Sie blieb stutzend stehen. Ich rief ihr aber zu: "Kommen Sie, und hören die schöne Ursache meiner Tränen und der Bewegung, in der sie mich sehen!" – Ich erzählte ihr alles: sie wurde bald blass, bald rot. Endlich aber ergriff sie auch die eine Hand des Herrn **: "Die Vorsicht hat Sie in unsern Bund gezogen. Sie erhalten den Dank der besten Herzen dabei; und gewiss, schätzbarer Mann, verlieren Sie nichts. Ihr Glaube an weibliche Tugend und Rechtschaffenheit soll Sie nicht gereuen!" – Hier vergoss sie einen Strom von Tränen. Herr** wurde davon beunruhigt. Sie bemerkte es; und da sie sich etwas erholt hatte, sagte sie ihm: Sie wäre auf Einmal durch den Gedanken hingerissen worden, dass sie erst in dem Alter von etlichen und vierzig Jahren, nach so vielen Wünschen, so vielem vergeblichen Durchlesen der Bilder von Edelmütigkeit, einmal die Hand eines Menschen fasse, dessen Seele jede kalte steinerne Hindernisse übersteige, um uneigennützig Gutes zu tun. – Sie schrieb gleich an Madame W** die ganze Geschichte, mit Uebersendung der Summe, und diese antwortete ihr mit dem höchsten Gefühl der Verehrung, des Danks und der Freude, über den geleisteten Dienst. Doch, so gross dieser wäre, so hätte er ihr dieses hohe Maass Freude nicht geben können; aber Glück und Ruhe aus der Hand des edelsten, besten Menschen zu erhalten, wäre für sie das, was ehemals die unmittelbare Absendung eines himmlischen Geistes gewesen, und sie danke der Vorsicht für die ausgewählte Hand, wie für die Hülfe selbst! – Sagen Sie, Mariane, war ich nicht glücklich, mich mitten unter diesen drei edlen Seelen zu finden? Geist, Güte, Edelmütigkeit, in völliger Wahrheit und Wirksamkeit zu sehen! Wie selig ist das Gefühl, welches sich in unser Herz den Augenblick ergiesst, in dem wir Jemand unsere Hochachtung geben! Güte, Wohltätigkeit allein ist und kann das Gepräge des Ebenbildes unsers Urhebers in uns sein. Es ist auch der einzige Zug seines göttlichen Wesens, den er deutlich und begreiflich vor unsere Augen und in unsere Herzen legte.
Acht und vierzigster Brief
Wie froh, meine Mariane, bin ich, über mein fühlendes Herz, das mich einen so wahren Anteil an den Leiden und Freuden meiner Nebenmenschen nehmen lässt! Und wie glücklich bin ich, während meinem Aufentalte