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ihrer Gesichtsfarbe durch eine sehr einnehmende Bildung ihrer Gestalt ersetzt wurde, und dass der Ausdruck einer moralischen Seele in ihrer Miene lag. – Nun fragte er nach ihrem Namen, und man nannte die verwittwete Lady Emma, die sich seit acht Tagen hier aufhielt. – Ein geheimer Zug näherte ihn zu ihr, und er fing auch an, von der reizenden Abendröte zu sprechen, deren Widerschein das Gesicht und die halbversteckte Brust der Dame dem Kennerauge sehr verschönerten. Ganz ungekünstelte Grazie, die durch die sittliche Bewegungen ihrer Seele über ihre ganze Person ausgebreitet war, machte mehr und tiefern Eindruck auf ihn, als er dachte. – Er blieb den Abend da, kam die folgende Tage öfter zu Pferde, welches er mit dem edelsten Anstand regierte.
Sein Umgang, die Erzählung von seinen Reisen, von der Verwendung seiner Tage, mit so viel Bescheidenheit er sie machte, gaben der guten Lady Emma mit dem Gedanken, du edler würdiger Mann! auch zugleich das volle Maass "ewiger tugendhafter Liebe" für den Mann ihrer Seele. – Jeder Reiz ihrer Person, jeder Zug von Geist, jede edle Eigenschaft ihres Herzens schien, durch den Hauch der Liebe belebt, in einem neuen Glanze zu stehen.
Mylord Arundel widersetzte sich dem anziehenden Vergnügen, so er in ihrem Umgang fand, gar nicht; doch sah sein Beobachtungsgeist bei jedem Schritt sorgfältig um sich. – Denn erst nach hundertfachen Wendungen, die er durch Fragen, durch fein veranlasste Gelegenheiten der Lady Emma gab, ihren Charakter auf allen Seiten zu zeigen, erst da überliess er sein Herz der Freude über die wohltätige Gewalt, die er der moralischen Schönheit über seine Seele gelassen hatte. – Er fühlte, dass allein die Liebe, und der Besitz eines gleichgestimmten Herzens, das Glück sei, dessen Mangel sein Leben so traurig und leer gelassen hatte. Doch furchtsam, wie der Mann von wahrem Verdienste es allezeit ist, wagte er lange nicht, von seiner Liebe zu reden. – Aber, wie glücklich machte er Lady Emma durch dieses Geständniss! wie sehr freute sie sich, dem von ihrem Herzen so lang gewünschten Manne zu gefallen, und Eigenschaften zu besitzen, wodurch sie ihn glücklich machen konnte! – Wie zärtlich waren ihre Berechnungen über das grosse Maass der höchsten Freude, welches sie bei Erblikkung ihres Arundel geniesse! Wie viel grösser, wenn sie nach einer kurzen Abwesenheit seine Hand an ihr von Liebe klopfendes Herz drückte; seine Stimme, seinen Fusstritt hörte. Bei Emma und Arundel wurde der Seelentausch, den man bei wahren Liebenden behauptet, zur unerschöpflichen Quelle der reinsten Glückseligkeit dieser Erde. Die Zärtlichkeit der schönen Seele der Lady Emma, die edle Güte, die Wahrheit des moralischen Gefühls, welche jeden Schritt ihres Lebens bezeichneten, stärkte in Arundels Seele den Glauben und die Liebe der Tugend; so, wie die Grösse und der Scharfsinn seines Geists, den Geist der Lady Emma immer mehr bereicherte, besonders da sie vereinigt eine Reise nach Italien und Sicilien machten, damit Lady Emma das glückliche Stück Erdreich mit eigenen Augen sähe, auf welchem der grosse Genius der Alten, mit so vieler Mühe, die ehrwürdigen Ueberreste seiner schönsten Werke aufbewahrt.
Hier liess Lady Emma die ganze edle Figur ihres Arundel mahlen, wie er mitten unter zertrümmerten Stücken der grössten Baukunst, die fein gearbeiteten Cypressen-Gewinde eines Aschenkrugs, mit dem tiefen Gefühle der Vergänglichkeit betrachtete. Der Lady Bild neben ihm, wie sie mit dem höchsten Ausdruck zärtlicher Liebe eine seiner Hände hält, während ihr Auge ihm sagt: "O, mein Arundel! möge einst Dein seelenvoller Blick so auf dem Behältniss der Asche Deiner Emma verweilen! Der Geist meiner Liebe für Dich wird meine Ueberreste umschweben, und eben so dankbar, wie der Genius des Künstlers, der auf dieser Urne ruht, die Achtsamkeit Deines grossen menschenfreundlichen Herzens bemerken!"
Sieben und zwanzigster Brief
Ich bin etwas traurig, meine Freundinn. Die zwei Damen G** und D** haben mich beinah überzeugt, dass das Bild der glücklichen edlen Liebe ein Traum sei, und dass sich kein Mann fände, der die Stärke der Zärtlichkeit einer Emma, oder einer Madame D** lieben würde.
Also, meine Damen! ist der Charakter eines Arundel Traum? während dass der von einer Lady Emma Wahrheit ist? Die Eigenliebe und Eitelkeit der Männer ist also ein viel niederträchtigeres elenderes Ding, als die unsrige? Und du, ehrwürdige Vorstellung des geistvollen, edlen, moralisch-empfindsamen Manns, du bist nichts, als Schattenbild, das meine gute Phantasie erschuf? – Könnte ich es so ganz glauben, meine Mariane, so möchte ich, auf Henriettens Grab gelehnt, heute noch meine von diesem Ideal erfüllte Seele ausweinen; denn ich kann nicht halb lieben, nicht zur Hälfte hochachten. – Das Beste, was wir Menschen dem Himmel geben können, ist Verehrung und Liebe. Aus diesen zwei höchsten Gesinnungen besieht auch unsre Freundschaft, unsere vorzügliche Neigung für den Mann, an den der innere Ruf der ewigen Gesetze der Natur, und die Leitung eines Bilds vom Liebenswürdigen uns heften: und es sollte immer Tausende geben, deren körperliche Gesundheitskräfte hinreichen, mehr als einmal alle Zonen unserer physikalischen Welt zu durchreisen, und das schöne Gebiet des moralischen Kreises soll unter ihnen keinen Wanderer finden, der es mit eben dem Eifer, mit eben dem Anhalten durchginge, als die Andern Meere und Gebürge durchkreuzen? – Nein, meine liebe Madame D**, alte und neue Geschichten, das Bild selbst, so Sie mir von