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Ausdrucks der Augen von Madame G** in dem Manne, den sie betrachtete, und fand in Wahrheit in seiner ganzen Gestalt das, was für mich die edle schöne Grösse des liebenswürdigen Mannes ist. Die Bildung seines Gesichts war nicht so regelmässig schön, als seine Figur, aber Züge der Winkelmannischen Seelenruh, Züge des denkenden Geists, und des festen Charakters, der nichts tut, als was er will und gut findet, waren in seinem Gesichte, welches durch das Gemische von Leichtigkeit der Ideen gegen die Coquette, nur um so interessanter wurde. – Madame D** sah gar nicht auf seine Seite, sondern führte ihre Unterredung bis zum Rührenden fort. – Madame G** drückte ihre Hände an ihre Brust und sagte mit Seufzen: "O, Sie liebe vortrefliche Frau! wa –" hier legte Madame D** geschwind ihren Finger auf den Mund der Freundinn, denn Herr C** hatte bei diesem Ausruf sich umgesehen, und sein flüchtiger Blick machte Madame D** äusserst erröten. Aber dies machte sie sehr schön, denn es war die Rosenfarbe, welche Bescheidenheit und Liebe über die Wangen der Tugend verbreitet. Herr C** stützte nach diesem seinen Kopf auf den Stuhl, sah nicht mehr um sich, redte auch, wie mich däuchte, nicht mehr mit der nemlichen Fertigkeit, wie vorher. Aber Madame D** war stille, in sich gekehrt; und Madame G** sprach mit mir. Alles dieses zusammen sagte mir, dass Herr C** eine starke Rolle in dem Spiel hätte; doch sahe ich erst ganz klar, nachdem wir zu Hause waren, und Madame D** hatte sagen gehört: "O, meine Freundinn, ich bin noch lange nicht stark genug, ihn in Gesellschaft zu sehn, lassen Sie mich immer in meinem Cabinet den süssen Kummer über seinen Verlust geniessen! Ich bin glücklicher, wenn ich den leeren Platz ansehe, auf welchem er ehmals mir gegenüber sass, als wenn ich ihn selbst immer gleich liebenswürdig, meinem Herzen immer gleich wert, nahe bei mir, den reichen Schatz seines Geistes in kleinen Spielpfennigen austeilen sehe! Es ist unglücklich für mich, dass ich einsam die Stärke der sympatetischen Bande fühlen muss, die mich' an seinen Geist und Charakter heften; aber sollte er mich hassen, so ist mir sein Hass werter, als die Liebe eines andern Mannes." –
Dieses und die Zärtlichkeit, mit welcher sie die Madame G** umarmte, zeigte mir eine traurige Leidenschaft; und ich sagte nach dem Essen zu Madame G**, was ich alles gehört, und jenes, was ich bemerkt hätte. – "Sie waren also fein aufmerksam?" – "So, wie Sie es wollten, liebe Madame G**?" – "Nun, kommen Sie, ich will mein Wort halten." – Und hier ging sie zu ihrem Schreibtische und holte diesen Aufsatz: Von dem Glück der edlen Liebe, welchen Madame D** in der Zeit verfertigte, da die reizende Hofnung einer Vereinigung mit Herrn C** in ihrer Seele blühte. Ich habe ihn aus dem Englischen der Frau D** in mein Deutsches übersetzt, und ich meine, Sie werden mit mir bejammern, dass es nur die Träumerei einer schönen liebevollen Seele bleiben soll; denn Herr C** liegt in den Netzen einer feinen Coquette der grossen Welt, und Madame D** verwirft alles, was Netz- und Schlingenartig ist. Sie will weder der Kunst, noch der List ihre Glückseligkeit zu danken haben, sagt sie ihrer Freundinn G**: aber in jedem Augenblick meines Lebens, und auch bei der geringsten meiner Handlungen will ich mir sagen können: "Wenn C** mich sähe, wenn er mich hörte, so würde er mir seine Hochachtung nicht versagen!" – Täglich vermehrt sie die Kenntnisse ihres Geists, und verwendet ihr Vermögen zu Wohltaten. Aber täglich entfernet sie sich mehr von Umgang und Gesellschaften; denn es hätte immer von ihr abgehängt, Herrn C** zu sehen, und sogar der Madame S** ihre Unternehmung auf sein Herz schwer zu machen. Aber das erste Merkmal von Vergnügen, das sie bei ihm über das Anlocken der Frau S** bemerkte, gab ihrer Hofnung eine tödliche Wunde, die sie in ihrem Hause verbergen will. – Einigemal hat er sie besuchen wollen: da sie aber ihren Leuten befohlen hatte, ohne Ausnahme jeder Mannsperson zu sagen, sie wäre nicht zu Hause, so kam er nicht wieder, und gewöhnte sich um so mehr an den Umgang der Madame S**, die ihn immer, auf der einen oder andern Seite, mit neuen Fäden einzuspinnen wusste. – Nur Gestern kam der Madame D** der Gedanke, ihn Einmal wieder zu sehen. Sie redete es mit Madame G** ab; wurde aber aufs Neue unglücklich, indem sich sein Bild aufs Neue in ihr zärtliches Herz prägte.
Bild des Glücks der edlen Liebe.
Mylord Arundel, ein edler junger Mann, der unter dem Druck einer harten widersinnigen Erziehung die feine Empfindsamkeit seines Herzens für jede Schönheit der Tugend, und den aufkeimenden Scharfsinn seines Geists für das Edle und Grosse der Wissenschaften, ganz im Verborgenen nähren und erhalten musste, weil er niemand um sich sah, der als liebreicher, geschickter Anleiter, oder als Gefährte, den schönen Pfad der Kenntnisse mit ihm in die Höhe steigen wollte. Aber, mit desto festerm Schritt ging er alleine. Ohne fremde Stütze war er verbunden, seine eigene Kräfte um so mehr hervor zu suchen, zu üben, und zu gebrauchen. Ein Nutzen, der ihn an alles Leiden seiner Jugendjahre mit Segen erinnert, weil