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die Verheerung eines unseligen Krieges dich, Hütte, verbrannt, deine Bewohner verjagt, und die blühenden Bäume abgehauen hat! – Er schliesst seine Schreibtafel, blickt noch mit einem segnenden Aug' auf das kleine Bauergut, und sagt: Wie viel bist du glücklicher, armer Mann, als manche Reiche, die ich kenne! Ein jeder Blick, den du auf den Krais deines Lebens tust, zeigt dir aufwachsendes Gutes, so deine Hand säete und pflanzte; du kannst allezeit bei dem Untergang der Sonne, mit Zuversicht, um Segen für die Arbeit deines Tagwerks bitten, welches nicht alle Grosse, nicht alle Mächtige tun können, wenn der Schlaf ihre Augen schliesst. –
Ich habe zwei moralische Scenen aus der Bauerwelt aufgezeichnet, deren Andenken der Zufall erhalten kann, wenn auch die verdorbene Sitten der Nachkommen die schöne Triebfedern dieser Auftritte auf lange Zeit zerstören sollten. –
Rosalia.
Dreizehnter Brief
Ich bin noch immer auf dem Lande, bei Herrn G**. Weil mein Oheim eine Reise von drei Wochen mit Hrn H** macht, so habe ich ihn gebeten, mich hier zu lassen, und dadurch Frau G** sehr erfreut, indem sie sich noch nicht in die Abwesenheit ihrer Schwester finden kann. Der Herr Pfarrer M** K**, einer der würdigsten Männer seines Standes, leistet uns oft Gesellschaft, und sein Umgang bereichert meine Seele. Durch ihn werde ich auch eine ganz besondere Person unsers Geschlechts kennen lernen. Frau G** hatte gestern Nachmittag zu schreiben, und ich bat Herrn M** K**, mit mir auf den alten Turm des Schlosses zu steigen und mir die Ortschaften umher zu weisen. – Die Lage eines Weilers von ohngefähr sechs Bauerhäusern, und am Ende eines Fichten-Wäldchen, dünkte mich besonders schön, und er sagte mir, dass die Höfe zu seiner Pfarre gehörten, und dass ich Recht hätte, diesen Wohnplatz schön zu nennen, indem der kleine Bezirk Erdreich dieses Ortes jede Anmut und Wohltat der Natur in sich fasste. Bei vier Jahren aber genössen die sechs Familien, so da wohnten, einen Schatz moralischen Gutes, der alles überträfe. – Ich sahe ihn da mit der Miene an, die man hat, wenn man über Etwas staunt und begierig ist, das Wunderbare ganz zu wissen. Er hiess mich das Fernglas nehmen, und am Ende des Fichtenwäldchens nach dem Bauerhause umsehen, das ich bis an den Gipfel mit Epich bewachsen sah, der an den Fenstern nett ausgeschnitten war, und mit dem hellroten Ziegeldach einen artigen Abstich machte. – Dies, sagte Herr M** K**, ist das Wohnhaus einer der edelsten und seltensten Personen ihres Geschlechts, welcher die Vorsicht jedes Glück dieser Erde gab: aber, zu der Zärtlichkeit ihres Herzens einen so hohen Grad feiner Empfindung legte, dass das Gegengewicht ihrer Leiden all ihre Freuden und Vergnügen übertrift. Eine reizende Gestalt, jede Schönheit des Geistes, die ein gewisser Grad Kenntnisse einem Frauenzimmer geben kann; eine grosse Seele, voll jeder Tugend; Clavir-Spiel, Singen, Pastell-Mahlerei, und bei diesem noch freie Gebieterinn über ein grosses Vermögen. Aber, zum Unglück heftete sie ihre Liebe auf einen Mann, der ihre Empfindsamkeit nicht genug schonte, und ihr auch das Opfer einiger niedrigen Neigungen nicht machen wollte, während sie jähe und heftige Ausbrüche des Zorns an ihm ertrug; auch in vielen Stücken ihre Empfindlichkeit unterdrückte, und mit dem Uebermaass ihrer Liebe vieles, was sie schmerzte, übersah; aber, da er anfing, mit einer Art Fühllosigkeit ihres jeweiligen Kummers zu spotten, und auch gegen andre von ihrer zu weit getriebenen Feinheit in geringschätzigen Ausdrücken zu reden: so verlohr sie den Glauben an das Glück der Liebe. Sie konnte den Gegenstand ihrer Zärtlichkeit nicht mehr als einen edelmütigen Mann ansehen, nicht mehr hochachten. Ihre misshandelte Zärtlichkeit, der Verlust der Hofnung, dass sie durch ihre Gesinnungen das Glück ihres Geliebten sein würde, stürzte sie in eine Art von Schwermut, die gleich in den ersten Monaten den Grund ihres Lebens angriff. Die Gewalt, welche elende Katzenstreiche von kleinen Coquetten über das Herz des Mannes hatten, den sie so innig liebte, rauhe, unedle Begegnung, die sie von ihm erduldete, haben in der Stadt ihre Grube angefangen. Eine, ihr Herz zerreissende Zärtlichkeit führt sie dahin. Unschuld, Einfalt und Stille des Landlebens, haben sie bis jetzo erhalten: aber sie lebt nicht mehr, sie schmachtet nur!
Ich war äusserst aufmerksam und gerührt, denn ich hörte in alle dem den Gleichlaut des Tons meiner Art zu lieben. Dennoch sagte ich: Ach, warum konnte ihr edler Geist diese traurige Liebe nicht überwinden? – O, tadeln Sie sie nicht, sagte der würdige Mann, und fassen Sie das Ganze ihres Charakters zusammen. Ohne den hohen Grad feiner Empfindung würde ihre Seele nicht so edel, nicht so moralisch sein, als sie ist. Ohne die Gabe des anhaltenden Fleisses und Festigkeit im Vorsatz, hätte sie die Stufe der Kenntnisse und Künste nicht erreichen können, die sie hat. Aber, eben die Triebfedern, welche diese Wirkungen in ihrem Verstande und Herzen hervorbrachten, mussten natürlicher Weise den Leidenschaften ihrer Seele die nehmliche Eigenschaften mitteilen. – Lächelnd setzte er hinzu: War nicht der eifrige Widerstand, den Rosalia v. L** gegen das Pfandspiel machte, auch ein Stück fester moralischer und Liebe Feinheit? – Ich fiel ein: O, Herr M** K**, was holen Sie da für einen Beweis? – Denn, dass wir bei ernstaften Anlässen nicht das Einzelne