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ist, weiss ich nicht. Dieses Geschäft war indessen einem jungen Edelmann übertragen, dem der Hermann soufflirte!
Zu H e r m a n n s Ehre ein Wort: er w e i n t e u n g e s e h e n , da ich mit Minen zu Bette ging – ungesehen!
Und warum war die Frau v. G. nicht bei der Hochzeit?
Ich bat die gute Seele der Frau v. W., ausser dem Gewöhnlichen, noch ein Wort des Vertrauens an sie zu senden, ihres Seligen und Bruder Gottards wegen. Warum kam sie dieses Worts des Vertrauens unerachtet nicht? Weil mein adliches Blut durch das poetische Blut meiner Mutter Schaden gelitten, und weil meines Vaters Adel dadurch, dass er die Kanzel bestiegen, einen unauslöschlichen Fettfleck erhalten. – Junker Gottard! Deine Mutter, warum? – – Wäre sie meine Mutter nicht, würde ich mir die Freiheit nehmen, zu sagen: Warum? – Guter Junge!
Herr v. W. und Frau v. W. geleiteten uns bis zu unserer Heimat. Besonders, dass keine Träne bei allen diesen Abschieden vorfiel. Junker Peter blieb zu Hause; er hatte sich zu einem Abschiede vorbereitet, der zu lang war, um nur herzlich zu scheinen.
Ohne Umstände, Peter!
Darf ich –
Sie sind der Bruder meines Weibes, wollen Sie auch mein Bruder sein?
Ernst?
Wahrer!
Können Sie vergeben?
Was denn?
Vergessen ist mehr als vergeben! Bruder!
Junker Gottard gab meinem Weibe und mir die Hände. Jedes von uns erhielt eine. Wir küssten ihn beide. Desto besser, sagt' er. Gott lass' es euch wohlgehen! Meine Trine wird mir die ersten vierzehn Tage kein Leckerbissen sein, da ich euch gesehen!
Er gab uns sein Ehrenwort, uns alle Jahr' einmal zu besuchen. Sind Jagden in – –? – Versteht sich! – Lebt wohl!
Auch du, guter Gottard! ich liebe dich herzlich!
Ich halte, was ich versprochen, sagte Gottard zum Bruder Peter, der sich verbindlichst verbeugte. – Noch wollte Peter mit Gottarden in der Stille sprechen. Es bleibt! schrie ihm Gottard zu.
E h e m a n n a l s o ? der Mann eines Weibes, das mich liebt, und das ich wieder liebe! – Komm, liebes Weib! Tine! Mine genannt, komm! schreib selbst – damit meine Leser wissen, was an dir ist.
Was soll ich schreiben?
Von der Zeit an, da ich ins Wasser fiel, bis diesen Augenblick.
Ich liebte meinen Mann von dem Augenblick, da die Rett's und die Wo's vorfielen, ohne dass ich wusste, was Liebe sei. Meine Liebe äusserte sich durch meinen Hang, von ihm ohne Aufhören zu reden. Alle meine Kinderfragen auf die Manier, wie: S e h e n Sie doch, Gnädige! wie hoch der Baum ist; der Babylonische Turm war wohl weit höher?
Meine liebe Mutter ward nicht müde, mir Mutterantworten zu geben. Ich weiss den Tag noch, da ich nicht mehr über ihn kinderfragte, und von dieser Zeit an verwandelte er sich in ein Ideal, das mit mir ging und kam, und ass und trank, das mich zuweilen froh machte, wenn ich glaubte, ich könnte sein werden, und zuweilen betrübte, wenn es mir einfiel: und wenn diess Ideal ein ander Ideal hätte? Diess Ideal verdrängte meinen Alexander, und doch war es mein Alexander, als wenn er gesessen hätte.
Minens Andenken war mir nicht im mindesten im Wege. Nie kam der Gedanken in meine Seele: Ihr Tod ist dein Leben. Ihr Alexander war nicht der meinige. Der ihrige war da; der meinige war ein Seelenalexander! – Es war alles, ich weiss nicht wie. Ich hätte einen andern, der diesem Bilde nicht ähnlich war, heiraten können; allein aus blindem Gehorsam gegen meine Eltern. Ein dergleichen Isaaksopfertag erschien, und ein Engel brachte mir den zu, den ich liebe und lieben werde bis in den Tod! Wenn ich jetzt an meine Hirngespinnstperiode zurückdenke, kommt es mir vor, ein Mädchen, das über fünfzehn ist, könne nur zweierlei, entweder ein solch Ideal haben, oder – sich lieben lassen und sich verlieben, wie das arme Lorchen, derentwegen ich diesen meinen Namen in Tine verwandelte, der jetzt in Mine verändert ist. – Es tut mir recht leid um den Namen Lorchen, den ich verlor; Tine hab ich gern verloren.
Es ist eine ganz andere Liebe vor, und eine ganz andere nach der Hochzeit. Bei dieser ist mehr Sein, bei jener mehr Schein, wie der Drosselpastor sich erklären würde, den mein Alexander bei seinem Heimzug nicht gesprochen hat. – Was mir das leid tut!
Von dem Augenblick, da ich den Namen M i n e erhielt, und ich meinen Alexander d u nannte, trat die Vesper ein, das
Nach der Hochzeit – –
Ich bin ein so glückliches Weib, als man es in einer Welt sein kann, die ein Sonnabend ist, und auf die der Sonntag folgt. Meine selige Mutter (das S c h w i e g e r kann ich nicht schreiben, es ist nicht kalt, nicht warm) war nicht allein ein Sonnabend. Alles in der Welt ist es! Alles! Unsere Liebe selbst, das vollständigste was ich kenne