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Siegwart, ich bin nun so glücklich; soll ichs ferner bleiben? Ist Ihr Herz auch ganz mein? – Ganz! so wahr als Gott lebt! sagte er. Keiner Seele hats noch angehört, Gott ist mein Zeuge! und soll Gott und Ihnen nur gehören ewig. Nun folgten wieder Küsse, die den Bund auf ewig schlossen. Endlich trennten sie sich mit Gewalt von einander. Da geht der Stern der Liebe wieder auf, sagte er beim Scheiden. Gestern hat er uns zum erstenmal geglänzt, und nun auf ewig. Nie will ich ihn ansehn, ohne dieses Tags und Ihrer zu gedenken. Er soll das Sinnbild unsrer Liebe sein, ewig rein, und jugendlich und ewig! Schlaf sanft, lieber Engel, sanft, sanft, sanft! – Er ging nach seinem Haus hinüber, und schloss auf. Andacht, und Entzücken, und Dankbarkeit bebten durch sein Herz. Er sah aus dem Fenster, sie sah noch eine Viertelstunde heraus; endlich warfen sie sich einen Kuss zu, und sie löschte ihr Licht aus. Hastig ging er im Zimmer auf und ab. Mein, o mein ist er, der Engel Gottes! sagte er laut, setzte sich nieder, und schrieb: Mein, o mein ist er, der Engel Gottes! Banges Herz, wie kannst dus fassen? Brich nur! Schmelz in Tränen hin! denn dein ist Die Erwählte Gottes. O ich sink in Staub vor Dir, Du Geber! Alle Tränen hast Du weggetrocknet! Freuden hast Du mir erschaffen, Ewig, wie mein Herz liebt! Rein und heilig ist die Auserwählte! Mach, o Gott! mein Herz, wie sie, so heilig! Dass ich wert sei dieses Kleinods, Das vor allen schimmert! O, Du Heilige! Sieh an diess Streben, Das, Dir gleich zu werden, hoch mein Herz hebt! Sieh es an! Und, wann ich strauchle, Heb mich durch Dein Lächeln! Kronen hätt' ich nicht für Dich genommen! Tausend Kronen legt' ich Dir zu Füssen! Engel, sieh, ich wein' vor Freuden, Dass Du ewig mein bist! Noch eine halbe Stunde blieb er auf, und sagte diese Verse oft zum Fenster hinaus. Endlich legte er sich zu Bette, aber es kam wenig Schlaf in seine Augen. Um halb sieben Uhr weckte ihn das Morgenrot schon wieder. Er sah hinaus, dachte nichts als Marianen, war im Innersten bewegt, und dankte Gott mit solcher Inbrunst für ihre Liebe, dass sein Herz mehr im Himmel, als auf Erden war. Sie war auch schon aufgestanden, und lächelte mit Engelanmut zu ihm herüber. Seine Seele war so heiter, als sie in seinem Leben nie noch gewesen war. Kronhelm kam zu ihm aufs Zimmer, und sagte, er habe diese Nacht nicht schlafen können, und den Plan, zu seinem Onkel zu reisen, vollends ausgedacht. Er sei nun völlig entschlossen, morgen nach München zu reiten. Er habe alles überlegt, und soviel ein Mensch voraus sehen könne, könn' es ihm nicht fehlen. Sein Onkel habe ihn und sein Glück viel zu lieb, und sei zu frei von Vorurteilen, als dass er ihm seine Einwilligung, Teresen zu heiraten, versagen könne. Wenn er diese habe, dann sei es ihm genug. Sein Vater werde gewiss nachgeben, denn sein Onkel vermöge alles über ihn, und er müss' ihm nachgeben, weil er sonst fürchten müste, er vermache seine Güter einer andern Linie vom Kronhelmschen Haus. Ich trage, setzte er hinzu, diesen Plan schon lang im Herzen; aber noch nie fühlte ich so vielen Mut, und so zu sagen, innerlichen Beruf, ihn auszuführen, wie jetzt. O Bruder, wenn Gott meine Wünsche segnet; wer ist dann beglückter, als wir beide! Hierauf unterrichtete er seinen Freund, wie er seinem Onkel begegnen müsse, um sein Herz zu gewinnen. Nur geradezu, und frei! Das liebt er. Dein Charakter ist so, wie ers wünscht. Zeig dich, wie du bist! Dann kennt er Teresen, und ist ganz gewiss für meine Wahl. Er ist ungeheuchelt fromm, und man darf mit ihm mehr von der Religion reden, als mit irgend einem Hofmann. Auch von meiner Schwester hoff ich viel. Wenn sie so ist, wie sie war, dann tritt sie ganz gewiss auf meine Seite, und über meinen Onkel vermag sie alles. Nur vor meinem Schwager darf ich nichts sagen; der ist ganz Hofmann, und glaubt, zwischen den Bürgerlichen und dem Adel müss' eine ewige Kluft befestigt sein. – Sieh, Brüderchen, ich denk, es geht gut. Wir wollen Gott drum bitten, und das Beste hoffen! sagte Siegwart. Niemand kann dir mehr einen glücklichen Ausgang wünschen, als ich, denn ich liebe, nach Marianen, dich und meine Schwester über alles. Sie gingen nun aus, um Pferde zu bestellen. Dahlmund kam drauf zu ihnen, und klagte, dass ihm seine Brünette gestern ungetreu geworden sei. Sie habe sich mit einem schlechten Kerl abgegeben, der schon zwei- oder dreimal Schulden und liederlicher Streiche halben auf dem Karzer gesessen habe. Er tat ganz verzweifelt und untröstlich, schlug sich vor die Stirne, knirschte mit den Zähnen, weinte vor Wut, und sagte endlich: Entweder ich muss sterben, oder Er? Feder und Dinte her! Ich schick ihm eine Ausforderung. Kronhelm