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zum Unglück, aber zu jeder möglichen Prüfung. Allein, o meine Liebe, ganz allein, von niemand als zuredenden Freunden umgeben stund ich an meinem Scheideweg. Lord Derby ist tot – diese beiliegenden Blätter meines Tagebuchs von Tweedale sagen Ihnen Seimours und Richs Ankunft und den Ersatz, welchen Derby mir machen wollte. Gott lasse seine ewigen Tage glücklicher sein, als er die meinigen machte, die ihm hier in seine Gewalt gegeben waren! Lord Seimour verfolgt mein Herz; er liebte mich, o meine Emilia, er liebte mich zärtlich, rein, von dem ersten Tage, da er mich sah. Der Stolz seines Oheims, seine Abhänglichkeit von ihm und eine übertriebne feine Empfindung von Tugend und Ehre wollte, dass er schwieg, bis ich die Versuchungen des Fürsten überwunden hätte. Sie wissen, was dieses Schweigen mir zuzog; aber Sie wissen nicht, was Lord Seimour darunter gelitten hatte. Hier, lesen Sie seine Briefe, mit denen vom Lord Derby, und senden Sie sie mir mit allen den meinen an Sie zurück. Sie werden bei Derbys Briefen über den Missbrauch von Witz, Tugend und Liebe schaudern. Hätte ich nicht selbst böse sein müssen, wenn ich seine Ränke hätte argwöhnen sollen? Was ist Seimours Herz dagegen? Ihren Rat hätte ich gewünscht, durch einen gemeinsamen Geist erhalten zu können. Die Gräfin Douglas ist eingenommen; Lord Rich, der edle, unschätzbare Lord Rich, bittet mich, seine Schwester zu werden. Der liebenswürdige Seimour ist täglich zu meinen Füssen! alle Einwendungen meiner Delikatesse werden bestritten! und, o Freundin meines Herzens, du, die du alle seine Bewegungen von Jugend auf kanntest, dir kann ich, dir will ich es nicht verbergen, dass eine innerliche Stimme mich meine Vermählung mit Lord Seimour als ein von dem Schicksal gegebenes Mittel ergreifen heisst, um meiner unsteten Wanderschaft ein Ende zu machen. Und war er nicht der Mann, den mein Herz sich wünschte? Er weiss es, soll ich nun zurücke? Lord Rich, fürchte ich, würde an seinen Platz eintreten wollen. Seimour zeigte mir viele Tage die heftigste zärtlichste Liebe. Lord Rich hatte lange Unterredungen mit ihm, war aber kalt, ruhig, sah oft tiefdenkend lange mich an und brachte mich dadurch zu dem Entschluss, unverheuratet zu bleiben. Aber zwei Tage nach Seimours Briefe brachte er mir ein Tagebuch und die noch dabei gelegenen letzten Briefe aus Summerhall in mein Zimmer; und mit einer rührenden vielbedeutenden Miene trat er zu mir, küsste die Blätter meines Tagebuchs, drückte sie an seine Brust und bat mich um Vergebung, eine Abschrift davon genommen zu haben, welche er aber mit der Urschrift in meine Gewalt gebe. "Aber erlauben Sie mir", fuhr er fort, "Sie um dieses Urbild Ihrer Empfindungen zu bitten; lassen Sie, meine englische Freundin, mich diese Züge Ihrer Seele besitzen und erhören Sie meinen Bruder Seimour. Das Paket seiner Briefe wird Ihnen die unerfahrne Redlichkeit seines Herzens bewiesen haben. Sie werden ihn durch Annehmung seiner Hand zu dem glücklichsten und rechtschaffensten Mann machen." Nach einigem Stillschweigen legte er seine Hand auf die Brust, sah mich zärtlich und ehrerbietig an und fuhr mit gerührtem Ton fort: "Sie kennen die unbegrenzte Verehrung, die ewig in diesem Herzen für Sie leben wird; Sie kennen die Wünsche, die ich machte, die nicht aufgehört haben, aber unterdrückt sind. Ich würde gewiss meine seligsten Tage, dafern es nur Hoffnungstage wären, nicht aufopfern, wenn ich nicht mitten unter der Anbetung, unter dem Verlangen meiner Seele, sagen müsste und sagen könnte: Seimour sei Ihrer würdig, er verdiene Ihre Achtung und Ihr Mitleiden." – Er sah mich hier sehr aufmerksam an und hielt inne. Mit einem halb erstickten Seufzer sagte ich: "O Lord Rich!" – und er fuhr mit einem männlich freundlichen Tone fort: "Sie haben die Gewalt, einen edlen jungen Mann in der Marter einer verworfenen Liebe vergehen zu machen; wenden Sie, beste weibliche Seele, diese Gewalt zu dem Glück einer ganzen Familie an! Sie können meiner Mutter, einer würdigen Frau, den Kummer abnehmen, ihre Söhne unverheuratet zu sehen. Ihre schwesterliche Liebe wird mich glücklich machen, und Sie werden alle Ihre Tugenden in einem grossen wirksamen Kreis gesetzt sehen!" – "Teurer Lord Rich", antwortete ich gerührt, "wie nahe dringen Sie in mich! Sehen Sie meine Bedenklichkeiten nicht?" – Ich verbarg mein Gesicht mit meinen Händen; er schloss mich in seine Arme und küsste meine Stirne. "Beste, geliebteste Seele, ja ich kenne Ihre feinen Bedenklichkeiten; Sie verdienen die vermehrte Anbetung meines Bruders; aber Sie sollen den Bau seiner Hoffnung nicht zerstören. Lassen Sie mich, ich bitte Sie, ihm die Erlaubnis bringen, zu hoffen." Mit tränenden Augen sah der würdige Mann mich an; eine Zähre der meinigen fiel ihm auf seine Hand; er betrachtete sie mit inniger Rührung; als aber das anfangende Zittern seiner Hände sie bewegte, so küsste er sie hinweg, und seine Blicke blieben einige Minuten auf die Erde geheftet. Ich nahm das Original meiner Briefe und des Tagebuchs und reichte es ihm mit der Anrede: "Nehmen Sie dieses, würdigster Mann, was Sie das Urbild meiner Seele nennen, zum Unterpfand der zärtlichen und reinen Freundschaft!" – "Meine Schwester", fiel er mir ins Wort. – "Keine List, Lord Rich! Ich will ohne Kunst