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, um Atem zu schöpfen, und erhob meine Augen gen Himmel. O Gott, mein Gott, der du alles zulässt, erhalte mich in diesem Bedrängnis! Was soll ich tun? O meine Emilia, beten Sie für mich! Ein Wunder, ja ein Wunder ist's, dass ich mich sammlen konnte. – Ich beschloss, mich zu verstellen, der Lady alle Anstalten des Empfangs machen zu helfen und dann eine Krankheit und Ermattung vorzuschützen, solang die Gäste da sein würden, und in meinem Zimmer bei zugezogenen Vorhängen zu liegen, als ob der Tag meinem Kopf und meinen Augen schmerzte. – Ich fand in dieser äussersten Not kein anders Mittel; ich unterdrückte also meinen Jammer und ging zur Lady, die ich noch aus dem Fenster dem zurückkehrenden Abgeschickten freundlich zurufen hörte. Die Lady erzählte mir die Grösse des Reichtums und Ansehen des Hauses von Lord N**, der durch den Tod seines Bruders einziger Erbe war. Nun, sagte sie, würde ihr Bruder vergnügt sein, der sonst keinen Fehler als den Ehrgeiz hätte; seine Freude machte die ihrige. Dankbarkeit und Freundschaft, ihr unterstützet mich – Denn wo hatte sonst meine Vernunft, meine völlig zerstörte Seele, die Kraft gehabt, mich aufrecht zu erhalten, mich lächeln zu lassen? Der Anteil, den ich an der Freude meiner Wohltäterin nahm, stärkte mich. Alles Übel war geschehen; wenn ich geredet hatte, würde nur das Gute, nicht das Böse unterbrochen worden sein. Die erste Stunde war voll der grössten Qual, die mein Herz jemals betroffen hatte; aber grausam würde ich gewesen sein, wenn ich das Herz der lieben Lady durch meine Entdeckungen geängstiget hätte. Sie liebt mich, sie ist gerecht und tugendhaft; der heftigste Abscheu würde sie gegen den bösen Menschen erfüllen, der nun ihr Neffe, der geliebte Gemahl ihrer Nichte ist. Vielleicht ist er auf dem Wege der Besserung – und gewiss wäre er selbst in der äussersten Sorge, wenn er wüsste, dass ich hier bin. – Er kannte mich niemals; niemals dachte er, dass das Schicksal mir einst die Gewalt geben würde, ihm so sehr zu schaden. Aber ich will sie nicht gebrauchen, diese Gewalt; ungestört soll er das Glück geniessen, welches ihm das Verhängnis gibt, und meinem Herzen soll es nicht umsonst die Probe angeboten haben, in welcher die Tugend ihre wahren Ergebenen erkennt, den Feinden wohlzutun. Lass mich, o Vorsicht, lass mich dieses Gepräge der wahren Grösse der Seele erhalten! Viele, aber milde Tränen überströmten nach diesem Gebet meine Lagerstätte. Die Wohltätigkeit, die ich meinen grössten Feind gelobte, wurde durch die seligste Empfindung belohnt; mein Herz fühlte den Wert der Tugend, es fühlte, dass es durch sie edel und erhaben war. Nun falteten sich meine Hände mit der reinen Bewegung des Danks, da sie wenige Stunden vorher der Schmerz der Verzweiflung ineinander gewunden hatte. – Sanft schlief ich ein, ruhig wachte ich auf, ruhig hab ich schon einen Plan des Landfestes aufgesetzt, das die Lady geben will. – Aber bemerken Sie, meine Emilia, wie leicht sich Böses mit Gutem mischt. – Einige Minuten lang war der Gedanke in mir, das Fest in kleinem so zu veranstalten wie das vom Grafen F. auf seinem Landgut war, um den Lord in ein kleines Staunen zu setzen. Aber auch dieses verwarf ich als eine maskierte Rache, die sich in meine Einbildung schleichen wollte, da sie aus meinem Herzen verbannet war. – Ich glaube, Emilia, Rich sieht beinahe, was ich denke. Er kam erst den vierten Tag nach meiner Unterredung mit ihm zu uns. Die Lady erzählte ihm bei dem Mittagessen die Ursache, warum wir alle so beschäftiget sein, und führte ihn nachmittags in die schon bereiteten Zimmer. Ich musste sie begleiten, und auch die Veranstaltungen für das Pachterfest vorlesen. Lord Rich schien sehr aufmerksam, lobte alles, aber sehr kurz, und begleitete alle meine Bewegungen mit Blikken, welche Neugierde und Unruhe in sich zeigten. – Lady Summers verliess uns einige Minuten, und er kam an den Tisch, wo ich italienische Blumen aussuchte und zusammenband. Mit einer sorgsamen, zärtlichen Miene nahm er eine meiner Hände: "Sie sind nicht wohl, meine Freundin, Ihre Hände arbeiten zitternd; eine gewisse Hastigkeit ist in Ihren Bewegungen, welche durch die angenommene Munterkeit wider Ihren Willen hervorbricht; Ihr Lächeln kommt nicht aus dem Herzen; was bedeutet dieses?" "Lord Rich, Sie machen mir bange mit Ihrer Scharfsicht", antwortete ich. – "Ich sehe also doch gut?" – "Fragen Sie mich nicht weiter, Mylord; meine Seele hat den äussersten Kampf erlitten, aber ich will jetzt dem Vergnügen der Lady Summers alles, was mich angeht, aufopfern." – "Ich besorge nur, Sie opfern sich selbst dabei auf", sagte der Lord. – "Fürchten Sie nichts", antwortete ich, "das Schicksal hat mich zum Leiden bestimmt; es wird mich dazu erhalten." Ich sagte dies, wie mich dünkte, ruhig und lächelnd; aber Lord Rich sah mich mit Bestürzung an "Wissen Sie, Madam Leidens, dass dies, was Sie sagen, den grössten Grad von Verzweiflung anzeigt und mich in die tödlichste Unruhe wirft? – Reden Sie – reden Sie – mit der Lady Summers; Sie werden ein mütterliches Herz in ihr finden." "Ich weiss es, bester Lord!