highChunks/1771_La_Roche_064_16079.txt -- topic 82 topicPct 0.332402229309

Nahrung in den Unterhaltungen unsers Pfarrers und eines sehr philosophisch denkenden Edelmanns in der Nachbarschaft erworben. Die älteste Tochter des Pfarrers ist sanft, gefühlvoll und dabei mit wahrem Verstande begabt; ich liebe sie; aber mitten in einer zärtlichen Umarmung empfinde ich, wie viel mein Herz noch zu wünschen hat, um den Ersatz für meine Emilia zu erhalten. Schelten Sie mich deswegen nicht undankbar; ich weiss, dass ich Ihre Freundschaft noch besitze und die von der liebenswürdigen Emma zugleich habe; Ihnen schreibe ich von dem Teile meiner Seele, den ich hier nicht zeigen kann, und mit Emma rede ich von dem, der in dem Zirkel meines englischen Aufentalts sichtbar wird; aber ich kann mich nicht verhindern, die Lange des Weges abzumessen, den meine armen Briefe durchlaufen müssen, bis sie zu Ihnen kommen, und zu fühlen, dass diese Entfernung der liebsten Gewohnheit meines Herzens schmerzlich fallt. Vielleicht, meine Emilia, bin ich bestimmt, die ganze Reihe moralischer Empfindnisse durchzugehen, und werde dadurch geschickt, mit schneller Genauigkeit ihre mannigfaltige Grade und Nüancen im Bittern und Süssen zu bemerken. Ich will mich auch diesem Teile meines Geschickes gerne unterwerfen, wenn ich nur zugleich den nämlichen Grad von Fühlbarkeit für alles Weh und Wohl meines Nächsten behalte und, so viel ich kann, seine Leiden zu vermindern suche. Lady Summers hat zu gleicher Zeit für ihre Ehre und für meinen vermuteten Stolz zu sorgen geglaubt, da sie mich als eine Person von sehr edlem Herkommen dargestellt hat, welche elternlos sich mit wenigem Vermögen verheuratet und ihren Mann gleich wieder verloren hätte. Meine Hände, meine feine Wasche und Spitzen, die in Feuer so schön gemalten Bildnisse meiner Eltern und der Ton meines gesellschaftlichen Bezeugens haben mehr zu Bekräftigung dieser Idee beigetragen, als meine eigentliche Denkungsart hätte tun können. Aber ein schönes und für die Tugend der Lady Summers fest errichtetes Denkmal ist der Glaube an die Reinigkeit meiner Sitten, in welche, weil sie mich liebt, keine Seele den geringsten Zweifel setzt; denn, sagt der Pfarrer, die Luftsäule, in welcher die Lady atme, wäre so moralisch geworden, dass der Lasterhafte sich ihr niemals nähern würde. Denken Sie nicht mit mir, dass dieses die erhabenste Stelle des wahren Ruhms ist? O was für ein Kenner der Menschen, des Guten und Edlen ist Ihr Mann, der mir in den ehrwürdigen Falten der Stirne meiner Lady alles dies zeigte, als er mir in ihrem Hause die Bestärkung meiner Tugend und Übung meiner Geisteskräfte versprach! Lord Rich, der philosophische Edelmann, von dem ich im Anfange dieses Briefes schrieb, hat sein Haus nur eine Meile von hier; es ist ganz einfach, aber in dem edelsten Geschmacke gebauet. Die besten Auszierungen des Innern bestehen aus verschiedenen schönen Sammlungen von Naturalien, aus einem vollständigen Vorrat matematischer Instrumenten und einer grossen Büchersammlung, worunter zwanzig Folianten sind, in denen er beinahe alle merkwürdige Pflanzen des Erdbodens mit eigner Hand getrocknet hat. Sein wohlangelegter Garten, in welchem er selbst arbeitet, und sein Park, der an den unsern stösst, haben uns das erstemal angelockt hinzugehen. Aber die simple deutliche Art, womit er uns alle seine Schätze vorlegte und benennete, die grossen asiatischen Reisen, welche er gemacht, und seine weitläuftige Kenntnis schöner Wissenschaften machen seinen Umgang so reizend, dass die Lady selbst entschlossen ist, ihn öfters zu besuchen, weil es ihr, wie sie sagt, sehr erfreulich ist, nah an dem Abend ihres Lebens so ergötzende Blicke in die Schöpfung zu tun. Lord Rich, der bisher ganz einsam gelebet und niemand als den Pfarrer zu sehen pflegte, ist sehr vergnügt über unsre Bekanntschaft und kömmt oft zu uns. Sein Tun und Lassen scheint mit lauter Ruhe bezeichnet zu sein, gleich als ob seine Handlungen die Natur der Pflanzenwelt angenommen hätten, die unmerksam, aber unablässig arbeitet; doch dünkt mich auch, dass sein Geist den moralischen Teil der Schöpfung nun ebenso untersuchend betrachtet, wie ehemals den physikalischen. Meine Emma und meine Lady Summers gewinnen viel dabei; aber mich hat er schüchtern gemacht. Da ich letztin seine Meinung über meine Gedanken wissen wollte, sagte er: "Gerne möchte ich von den Wurzeln der schönen Früchte Ihrer Empfindungen reden, aber wir erhalten sie nur von der Hand Ihrer Gefälligkeit, welche sie uns mitten aus dem dichten Nebel darbietet, der Ihr ursprüngliches Land beständig umgibt." Ich fand mich in Verlegenheit und wollte mir durch den Witz helfen lassen, der ihn fragte: ob er denn meinen Geist für benebelt hielte? – Er sah mich durchdringend und zärtlich an; "gewiss nicht auf die Art, wie Sie meinen", sagte er; "beweist nicht diese Träne in Ihren Augen, dass ich recht hatte, da ich Ihren Geist für umwölkt hielte? Denn warum kann die kleinste Bewegung Ihrer Seele diesen Nebel, wovon ich rede, in Wassertropfen verwandeln? Aber liebe Madam Leidens, ich will niemals mehr davon sprechen; aber fragen Sie auch mein Herz nicht mehr um sein Urteil von dem Ihrigen." Sehen Sie, Emilia, wieviel mir mit Ihnen fehlt; alle Empfindungen, die sich in mir zusammendringen, würde ich Ihnen sagen; da wäre mein Herz erleichtert und schien nicht durch diesen bemerkten Nebel hindurch. Ich war froh, mich genug zu fassen, um ihm in seinem physikalischen Ton zu antworten, dass er glauben möchte, diese Wolken würden durch meine Umstände und nicht durch die Natur meines Herzens hervorgebracht. "Ich bin es überzeugt",