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edelmütigen Entschluss zugleich drei der heiligsten Pflichten erfüllen könnten: die sehnlichen Wünsche eines verdienstvollen, angenehmen Mannes zu krönen, der Sie nicht um der Reize Ihrer Person willen (denn diese kennt er nicht), sondern wegen dem reizenden Bilde liebt, so ihm von Ihrer Seele gemacht wurde; der, nachdem er allen Ausdruck seiner Empfindungen für Sie erschöpft hatte, mit der edelsten Bewegung, die jemals das Herz eines Reichen erschütterte, hinzusetzte: Ihre Tochter sollte das Kind ihres Herzens werden und alles sein Vermögen ihr zugewandt sein. Würden Sie nicht dadurch zugleich der mütterlichen Pflicht, auch für die äusserliche Glückseligkeit ihres Kindes zu sorgen, genugtun? Und konnte die gehorsame Ergebung des Willens Ihrer jugendlichen Jahre dem Herzen Ihres ehrwürdigen Vaters jemals so viele Freude machen, als Sie ihm in den letzten Jahren Ihrer Freiheit machen würden, wenn Sie seinen Rat, seine zärtlichen Wünsche für eine Verbindung befolgten, wodurch Sie ihm genähert und in den Stand gesetzt würden, sein väterliches Herz in dem letzten Teile seines Lebens für alle Mühe der Erziehung seiner Kinder zu belohnen? Bedenken Sie sich, liebreiche und gegen alle Menschen leutselige und wohltätige Frau! Ich will Ihnen nichts von der hochachtungswürdigen Hand sagen, die in einer unsrer schönsten Residenzstädte auf den gütigen Wink der Ihrigen wartet, wo eine Anzahl verdienstvoller Personen Ihnen Bürge für die Tugend des Herzens, für die Kenntnisse des Geistes und für die zärtliche Neigung sind, die einer der schönsten und besten Männer für Sie ernährt und der darum der Glücklichste wurde, weil er in Ihnen die beste würdigste Mutter für seine zwei Kinder zu erhalten hoffte. Sie wissen, dass er ein edler Besitzer eines schönen Vermögens ist, und kennen alle gesellschaftlichen Annehmlichkeiten, die in dieser Stadt auf Sie warten. – – Aber tun Sie, liebenswürdige Frau von C., was Sie wollen, ich habe Ihnen die Beweggründe meines Herzens gesagt; ich weiss wohl, dass wir alle einen verschiedenen Gesichtspunkt über den nämlichen Gegenstand haben und unser Gefühl darnach richten, doch ist eine Seite, die wir alle betrachten müssen – die Glückseligkeit unsers Nächsten ebensosehr als die unsrige zu lieben und sie nicht aus kleinen Beweggründen verzögern." "Sie haben mein Herz in die äusserste Verlegenheit gebracht (sagte sie mir mit Tränen), aber meine traurige Erfahrung empört sich wider jede Idee von Verbindung; ich wünsche diesen Männern würdigere Gattinnen, als Sie sich mich abschildern; aber mein Nacken ist von dem ersten Joche so verwundet worden, dass mich das leichteste Seidenband drücken würde." "Ich habe die Bitte Ihrer Freundin erfüllt und nichts anders bei Ihrem Entschlusse zu sagen, als dass Sie immer glücklich sein mögen." Sie umarmte mich, und ich bat Madam Hills, bei meiner Zurückkunft die liebe Frau ruhig zu lassen; wunderte mich aber in meinem Zimmer über den Eifer, womit ich mich in diese Sache gemischt hatte. Klaren Sie mir das Dunkle in meiner Seele darüber auf; es dünkt mich, dass ich lauter unrechte Ursachen hasche. Lord Seimour an Doktor T. Bester Freund, geben Sie mir Ihren Rat, um mich in dem Kummer zu erhalten, in welchen ich aufs neue, und gewiss auf ewig gefallen bin! Sie wissen, dass ich meine Leidenschaft für das Fräulein von Sternheim ganz unterdrückt hatte, weil die Versicherung ihres niederträchtigen Bündnisses mit John ihren Geist und Charakter aller meiner Hochachtung beraubte. Ich Eng auch an, eine ruhige und reizende Liebe zu kosten, indem ich meine ganze Zärtlichkeit dem Fräulein von C- widmete und der ihrigen völlig versichert war: als mein Oheim unversehens den Befehl vom Hofe erhielt, eine Reise nach W. zu machen. Die Empfindlichkeit des liebenswürdigen Fräuleins von C- hatte vieles bei unserer Trennung zu leiden, und ich war ebenso traurig als sie. Missvergnügt und murrend über die Fesseln, welche mir der Ehrgeiz meiner Familie und die Zuneigung von Mylord Crafton anlegten, sass ich stumm und finster neben dem liebreichsten Manne, dessen feste Ruhe des Geistes meinen empörten Empfindungen ärgerlich war, so dass ich der Geduld nicht achtete, mit welcher er meine Unart ertrug. Aber, mein Freund, stellen Sie sich, wenn es möglich ist, die Bewegung vor, in die ich geriet, als wir den zweiten Tag abends bei sehr schlimmen Wetter, durch Versehen des Postillions, auf ein Dorf kamen, wo wir übernachten mussten, am Wirtshause anfuhren und eben aussteigen wollten, als die Wirtin auf einmal anfing: "Was, Sie sind Engländer? fahren Sie fort, ich lasse Sie nicht in mein Haus; Sie können meinetwegen im Walde bleiben, aber meine Schwelle soll kein Engländer mehr betreten." – Wahrend dem letztem Worte zog sie ihren Sohn, der wie ein wackerer Mensch aussah und ihr immer zuredete, beim Arme gegen die Türe des Hauses, so sie zuschliessen wollte. Der schreiende Unwille dieser Frau war seltsam genug, um mich aufmerksam zu machen; unsere Kerls schrien und zankten wieder, die Postillions auch. Mylord befahl unsern Leuten zu schweigen und sagte zu mir: "Hier muss etwas Ernstaftes vorgegangen sein, da es wichtig genug ist, die gewöhnliche Gewinnbegierde dieser Leute zu unterdrücken." Er rief der Frau freundlich zu: sie möchte ihm die Ursache sagen, warum sie uns nicht aufnehmen wollte? "Weil die Engländer gewissenlose Leute sind, die sich nichts aus dem Unglücke der besten Menschen machen und ich meine Tage keinen mehr beherbergen will; fahren Sie mit Ihren schönen Worten nur fort, Sie können alle so schöne Worte