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Lehrmeisterin bei den Töchtern der Frau G. verwalten wollte. Madam Hills tun der Jungfer Lene Gutes, ich weiss, dass sie dankbar sein möchte, und wie kann sie es auf eine rühmlichere Art werden, als wenn sie ihrer eignen Beschützerin die Hände reicht, um ihre unglückliche Freundin aus dem Verderben zu ziehen? Und mit wie vieler Achtung wird sie von den besten Einwohnern angesehen werden, wenn sie durch die Güte ihres Herzens die Grundlage der Wohlfahrt von drei unschuldigen Kindern befestigen und bauen hilft? Wenn meine teure Frau Hills mit diesen Gedanken zufrieden sind, so will ich sie dem Herrn und der Frau G. wie auch der Jungfer Lene vortragen; und dann bitte ich, mir zu erlauben, auf zwo Wochen in dem Hause des Herrn G. zu wohnen, um ihnen zu zeigen, dass diese Vorschriften zu der Verwendung ihres Lebens nicht hart und nicht unangenehm sind. Denn ich will durch gute Worte und Achtung den Mann an sein Haus und an seine Familie gewöhnen und dann einige Tage die Stelle der Mutter und wieder einige die Stelle der Jungfer Lene bekleiden und daneben die Herzen der Kinder zu guten Neigungen zu lenken und ihre Fähigkeiten ausfindig zu machen suchen, um sie mit der Zeit nach ihrem besten Geschick anzubauen. Aber in Kleidung, Essen, Hausgeräte sollen sie noch den Mangel fühlen und durch dieses Gefühl zu Erkenntnis und Aufmerksamkeit kommen; bis sie durch Genügsamkeit, Fleiss und gute Gesinnungen wieder in die Klasse eintreten können, aus der sie durch Verschwendung und Sorglosigkeit gefallen sind. Vorwürfe werde ich ihnen nicht machen; aber ich werde ihnen durch Erzählung einiger Umstände meines Lebens die Zufälligkeit des Glücks beweisen und den Kindern sagen, dass mir nichts als meine Erziehung übriggeblieben sei, welche mir die Freundschaft von Madam Hills und die Gelegenheit gegeben hätte, ihnen Dienste zu leisten. Dann werde ich auch von dem Stolze reden können, der uns bloss führen soll, einen edlen Gebrauch von Glück und Unglück zu machen. Denn ich möchte nicht bloss ihren Körper ernährt und gekleidet sehen, sondern auch die schlechten Gesinnungen ihrer Seele gebessert und ihren Verstand mit schicklichen Begriffen erfüllet wissen. Madam Leidens an Emilien Nun bin ich wieder zu Haus und wollte Ihnen von der Aussaat reden, wovon mein letzter Brief sagte, dass ich sie einer dritten Hand anvertrauen würde; aber Madam Hills erzählt mir, dass sie Ihnen alles geschrieben habe. O meine Freundin! wie schön wäre der moralische Teil unsers Erdkreises, wenn alle Reichen so dächten wie Madam Hills, die sich freut, wenn man ihr Gelegenheit gibt, ihre Glücksgüter wohl anzuwenden! Sie, meine Emilia, sollen die Beweggründe sehen, die mich dazu brachten, der Jungfer Lene das Verwaltungsamt zu geben. Sie wissen, wie ich die arme Familie kennenlernte: eben diese Person redte bei Frau Hills von ihren Umständen. Ich bemerkte in ihrem halb mitleidigen, halb anklagenden Ton eine Art von Neid über die Wohltaten, welche jene genossen, und die Begierde, sie allein an sich zu ziehen. Sie sprach zugleich viel davon, wie sie es an der Stelle von Frau G. machen würde. Ich ärgerte mich, so kalte und übeltätige Überbleibsel einer so stark gewesenen Jugendfreundschaft anzutreffen, und hatte Mut genug, den Plan zu fassen, dieses halb vermoderte Herz zu dem Nutzen seiner ersten Freundin brauchbar zu machen. Ich liess sie nichts von meinen Betrachtungen über sie merken und sagte ihr nur, dass sie mich in das Haus führen sollte. Der Anblick des Elends und die Zärtlichkeit, welche ihr die Frau bewies, rührte sie, und in dieser Bewegung nahm ich sie in mein Zimmer, las ihr meinen Plan vor und malte mit den lebhaftesten Farben die Schönheit der Rolle, die ich ihr auftrüge, worin sie sich das Wohlgefallen Gottes und die Achtung und die Segnungen aller Rechtschaffenen zu versprechen hätte. Ich überzeugte sie, dass sie mehr Gutes tue als Frau Hills, welche bei ihren Geldgaben nur das Vergnügen genösse, von ihrem Überflusse von Zeit zu Zeit etwas abzugeben; da hingegen ihre tägliche Bemühungen und ihre Geduld die Tugenden des edelsten Herzens sein würden. Ich gewann sie um desto leichter, weil ich ihr das Lob der Madam Hills dadurch zuzog, dass ich sagte: der Einfall wäre ihr selbst gekommen. Mein Plan wurde bewilligt, und ich führte ihn die ersten zwo Wochen selbst aus. Die Annahme einer Verwalterin schien beschwerlich, aber ich erhielt doch die Einwilligung, besonders da ich sagte, dass ich selbst vierzehn Tage bei ihnen wohnen würde. Den ersten Tag legte ich ihnen die Geschenke von Madam Hills vor, teilte jedem das seinige, mit Ermahnung zur Sorgfalt, zu und sagte ihnen: dass sie durch Schonen und sparsamen Gebrauch der Wohltaten teils ihre Dankbarkeit, teils ein edles Herz zeigen würden, welches die Güte, die man ihm beweist, nicht missbrauchen möchte. Hierauf sagte ich, wie ich ihre Umstände ansähe und was ich für einen Plan ihres Lebens und ihrer Beschäftigungen daraus gezogen hätte, bat aber jedes, mir seine Wünsche und Einwendungen zu sagen. Ehe ich diese beantwortete, machte ich ihnen einen kurzen und nützlichen Auszug meiner eigenen Geschichte. Ich blieb besonders bei dem Artikel des Ansehens und Reichtums stehen, worin ich geboren und erzogen worden; sagte ihnen meine ehemaligen Wünsche und Neigungen, auch wie ich mir sie jetzt versagen müsse, und schloss diese Erzählung mit freundlichen Anwendungen und Zusprüchen für sie. Durch dieses öffnete sich ihr Herz zum Vertrauen und zur Bereitwilligkeit, meinem Rate zu folgen. Die besten