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der Inquisition zu Don Carlos bei dergleichen Beschäftigung: Wie sonderbar doch Leute von verschiedenen Handwerken aufeinander treffen!

3 Diese kurze Deduktion der Rechte, der unveräusserlichen und veräusserlichen Rechte, des Vertrags der Gesellschaft, der Rechte der Fürsten, bitte ich nicht zu überschlagen, sondern sie aufmerksam zu lesen und in einem feinen und guten Herzen zu verwahren, weil sonst das Folgende unverständlich und ohne Beweiskraft ist. - Auch zu anderweitigem Gebrauche ist's nicht übel, einmal bestimmte Begriffe darüber zu bekommen, z. B. um in Gesellschaft Klügerer nicht zu deräsonnieren.

4 So brauchte man eine Lehre, die recht eigentlich dazu gemacht zu sein scheint, uns zu erlösen vom Fluche des Gesetzes, und uns zu bringen unter das Gesetz der Freiheit, erst zur Stütze der scholastischen Teologie - ganz neuerlich zur Stütze des Despotismus. - Es ist denkenden Männern unanständig, am fuss der Trone zu kriechen, um die Erlaubnis zu erbetteln, Fussschemel der Könige zu sein.

5 Kindern den vorher wohlzerkauten Brei in den Mund zu drücken, nennt man in den Provinzen, wo es noch geschieht, stopfen. - Auch stopft man Grinse mit Nudeln.

6 Euer Freund, der Rezensent von Nr. 261 im Oktoberstück der Allgemeinen Literatur-Zeitung will zwar nicht, dass man Revolutionen mit Naturerscheinungen vergleicht. Mit seiner Erlaubnis: als Erscheinungen, d. i. nicht ihren moralischen Gründen, sondern ihren Folgen in der Sinnenwelt nach, stehen sie allerdings bloss unter Naturgesetzen. Ihr werdet ihm das Buch, und die Stelle desselben, wo er sich davon überzeugen kann, nicht nachweisen können; und ich darf es hier nicht tun. - Überhaupt könntet ihr diesem eurem Freunde unter der Hand zu verstehen geben, er dürfe kühn sich gründlicher in das Studium der Philosophie einlassen. Er würde dann, bei seinen ausgebreiteten Kenntnissen und seiner männlichen Sprache, eure Sache, und die Sache der Menschheit zugleich, weit geschickter führen, als er es bisher getan hat. - Ihr hattet nie eine bessere Freundin, als die Philosophie, wenn Freund und Schmeichler euch nicht eins ist. Lasst daher ab von jener falschen Freundin, die seit ihrer Geburt dem ersten besten zu Diensten stand, die sich von jedermann brauchen liess, und durch welche man - es ist noch nicht so lange her- in den Händen eines Klugen euch ebenso unterjochte, wie ihr jetzt durch sie eure Völker unterjocht.

Brief an Christian Jacob Kraus

[Königsberg, 18. Dezember 1784]

Clarissime Domine Politice! Weil meine alten steifen Knochen zur peripatetischen Philosophie kaum mehr taugen, und meine Augenblicke zu labyrintischen Spatziergängen nicht immer vor sondern auch zuweilen zwischen der Tafel ab ouis ad poma eintreffen; so muss ich schon zu einem maccaronischen Gänsekiel meine Zuflucht nehmen, Ihnen meinen Dank für den beikommenden Berlinschen Christmonat im cant-style, den der komische Geschichtsschreiber der komischen Litteratur per e wie ein Asmus cum puncto durch Kantschen Styl gegeben, zu übermachen.

Zum Sapere aude! gehört auch aus eben derselben Qvelle das Noli admirari! Clarissime Domine Politice! Wie sehr ich unsern Plato liebe und wie gern ich ihn lese wissen Sie. [;] auch will ich mich seiner Vormundschaft zur Leitung meines eigenen Verstandes, doch cum grano salis gefallen lassen, ohne eine Selbstverschuldung durch Mangel des Herzens zu besorgen.

Einen Professor der Logik u Kritiker der reinen Vernunft an die Regeln der Erklärung zu erinnern, wäre beinahe Hochverrat; da Sie mir überdem Ihren Hutchinson fortgenommen ohne seine Moral widererstattet zu haben' besitze ich kein anderweitiges Organon in meinem armseel. Bücheryorrat. Eben so wenig bin ich imstande den Zufall jüdischer und christlicher Einstimmigkeit in vormundschaftlicher denkfreiheit mir aufzuklären, weil der königl. Bibliotekar mir den zweiten Jahrgang auf eine höchst unbarmherzige Art und Weise mir vorentalten; so sehr ich auch aus allen meinen Kräften zur Geburtshülfe des kosmopolitischplatonischen Chiliasmus durch Wünsche, Erinnerungen, Vorbitte und Danksagung beigetragen.

Daher lass ich es mir gern gefallen die Aufklärung mehr ästetisch als dialectisch, durch das Gleichnis der Unmündigkeit u Vormundschaft, zwar nicht erklärt doch wenigstens erläutert und erweitert zu sehen. Nur liegt mir das (ein sehr bedeutendes Kunstwort, das sich kaum unflegelhaft in unsere deutsche Muttersprache übersetzen lässt,) in dem vermaledeiten adiecto oder Beiwort selbstverschuldet.

Unvermögen ist eigentlich keine Schuld, wie unser Plato selbst erkennt; und wird nur zur Schuld durch den Willen und desselben Mängel an Entschliessung und Mut -oder als Folge vorgemachter Schulden.

Wer ist aber der unbestimmte andere, derzweimal anonymisch vorkommt. Sehen Sie hier, Domine Politice wie ungern die Metaphysiker ihre Personen bei ihrem rechten Namen nennen, und wie die Katzen um den heissen Brei herumgehen;. doch ich sehe die Aufklärung unsers Jahrhunderts mit keinen Katzen-sondern reinen u gesunden Menschenaugen, die freilich durch Jahre und Lucubrationen und Näschereien etwas stumpf geworden, mir aber zehnmal lieber sind als die bei Mondschein aufgeklärten Augen einer

Ich frage daher auch noch zum zweitenmal mit katechetischer Freiheit: wer ist der andere, von dem der kosmopolitische Chiliast weissagt? Wer ist der andere Bärenheuter oder Leiter, den der Verf. im Sinn aber nicht auszusprechen das Herz hat. Antwort: der leidige Vormund, der als das correlatum der Unmündigen implizite verstanden werden muss. Dies ist der Mann des Todes. Die selbstverschuldete Vormundschaft und nicht Unmündigkeit-

Wozu verfährt der Chiliast mit diesem Knaben Absalom so säuberlich? Weil er sich selbst zu der klasse der Vormünder zählt, und sich gegen unmündige Leser dadurch ein Ansehen geben will -Die Unmündigkeit ist also nicht weiter selbst verschuldet, als.