All_Enlightenment_56.txt

wenig Vieh halten, weil er wenig Futter hat, und das wenige ist schlecht, gibt wenig Dünger, wenig Nahrung seinem land. Er kennt kein Vergnügen, als in der Schenke einmal recht zu saufen, und macht sich dies Vergnügen, so oft er Geld hat. Kinder und Gesinde lernen diese Lebensphilosophie von ihm und machen es wie er. Gesetzt, die Bedürfnisse des Landes erforderten es, dass jeder dieser Landleute jährlich zehn Taler mehr abgeben müsste; welcher von beiden wird die Abgabe am besten bezahlen können und ein ordentlicher Untertan bleiben? Und wenn es auch dem ersten schwer wird, welcher wird am leichtesten Hilfsmittel finden? welcher am geschicktesten seine Einnahme zu vermehren, seine Ausgabe zu vermindern wissen? - Das kann ja wohl keine Frage sein! Und was im einzelnen wahr ist, bleibt ja wohl auch im allgemeinen wahr. Wenn ein aufgeklärter Landmann mehr Abgaben entrichten kann, als ein unaufgeklärter, so muss ja wohl ein aufgeklärtes Volk dem Staat mehr wert sein, als ein unaufgeklärtes; und wenn man auch Menschenwert bloss politisch, nach der Summe des jährlichen Ertrags, berechnen will.

2 So nenn' ich diese Art von Advokaten, nicht um sie zu schimpfen, sondern um sie von rechtschaffenen Advokaten zu unterscheiden, die ich von ganzem Herzen schätze, die sehr viel Gutes stiften können, und die jene Elenden ebenso sehr verachten als ich.

3 Lauter wahre Anekdoten. - Leider!

4 Bekanntlich waren das Cooks Erziehungshäuser.

5 Der Güte eines Ungenannten verdanke ich folgenden Auszug aus einem glaubwürdigen Brief, der die Richtigkeit meiner idee durch ein neues Beispiel bestätigt:

und der Domherr legte sogleich eine starke Maulbeerpflanzung an. Auch liess er auf seine Kosten seinen Gärtner die ganze Verfahrungsart mit den Seidenwürmern lehren. Er hatte dazu gelegenheit in der Nähe von ein paar Meilen gefunden, an einer Familie, die sich schon lange mit dem Seidenbau abgegeben hatte. Der Gärtner trieb hierauf den Seidenbau für sich selbst: und sein Weib und Kinder, die nach den Schulstunden zu allen Hausarbeiten, wie sie immer die Jahreszeiten erforderten, von ihren arbeitsamen Eltern angeführt waren, wurden auch bei dieser Arbeit mitgebraucht. An einem Nachmittag hone der Domherr ein paar Knaben vor sich, die sehr laut waren. Er kam ihnen näher und verstand bald, dass sie mit Seidenwürmern einen kleinen Tauschhandel machten; und hörte zu seiner Freude, dass die beiden recht gut die wahren Merkmale guter Seidenwürmer kannten. Das wird sicher gehen, sprach der Domherr bei sich selbst: es ist schon Lust dazu vorhanden.

Im folgenden Frühjahr baten ihn zwei Bauern, die kürzlich angenommen waren, um Nutzholz. Er kannte sie bereits als willige Leute und sprach bei der gelegenheit von ihrer neuen Wirtschaft. »Ich sehe«, sagte er weiter, »ihr mögt euch gern etwas nebenbei verdienen. Freilich der Abgaben sind viel, und der Ausgaben nicht wenig. Wie wäre es, Leute, wenn ihr euch auf den Seidenbau legtet? Er bringt euch gewiss was ein: und wenn die Ernte angeht, so ist die Arbeit mit den Seidenwürmern vorbei und gibt gleich bares GeldSogleich waren sie willig, und er hiess sie nun zu dem Gärtner gehen, der sollte ihnen Kokons geben und alles sagen, was sie damit weiter anfangen müssten. Bretter zu Gestellen würden sich auch finden, und was ihnen sonst noch dazu fehlte, das sollten sie nur dem Gärtner melden, und der sollte ihnen helfen und geben, was dazu nötig sein würde. Auch könnten sie aus der Maulbeerplantage das Laub umsonst haben. Schon mehrmals hatten sie die Ratschläge ihres Gutsherrn wahr und nützlich befunden. Sie säumten also nicht, auf der Stelle zu tun, was sie eben gehört hatten. Und Freund Gärtner half ihnen auf alle Weise. Es ging auch zu ihrer Freude alles recht gut. Die andern Bauern wollten es ihnen zwar mehrmals verleiden durch oft wiederholte Spöttereien und mehrere Verachtungsbeweise gegen diese ihnen ungewohnte Arbeit. Jene aber kehrten sich nicht daran, sondern folgten standhaft besserem Rat. Sie erfuhren auch bald, wie einträglich ihr neues Geschäft ihnen wirklich geworden. Denn gegen den Herbst, an einem Sonntag nach geendigtem Gottesdienst, da gewöhnlich die Bauern Zusammensprache halten, rief der Domherr, der auch bei dem Gottesdienst zugegen gewesen war, die beiden Seidenbauer hervor und gab jedem zehn bare neue blanke Taler. »Die hat«, sagte er freundlich zu ihnen, »euch eure Arbeit mit den Würmern eingebracht. Seid ferner fleissig mit den Eurigen, und ihr werdet's noch mehr erfahren, dass Arbeit tausendmal besser ist, als faul im Kruge liegen, und Zeit und Geld verspielen, und dann mit Weib und Kindern darben.« - Wie veränderten sich die Gesichter aller übrigen Bauern! Nein, so was hätten sie sich nicht gedacht, dass so viel aus dem bisschen Arbeit und in so kurzer Zeit herauskommen könnte. Sie gingen, voll Wunderns über all die schönen blanken Taler, jeder nach seiner Hütte, und der Wunsch, doch auch solche blanke Taler zu verdienen, ward immer lebendiger.

Das neue Frühjahr war schon angegangen, als einer nach dem andern von den Bauern zu dem Domherrn kam und auch um Kokons bat. Für diesmal aber wurde es ihnen, obgleich nicht hart oder verweisend, sondern auf recht gütige Art, abgeschlagen - um sie nämlich recht begierig darauf zu machen. Den beiden ersten aber wurde wieder, wie im vorigen Jahre, alles Erforderliche zum neuen Seidenbau gereicht; und sie waren noch emsiger