und die, die die Erziehung der Kinder besorgen; und dieses ist beinahe der allgemeine Fall in unseren zeiten. So schleicht das Gift, wirkt und pflanzt sich fort im Schosse der Familien. Das üble Beispiel, eine verdorbene Moral, elende Broschüren, verderbliche Bücher, wollüstige Romane gehen von Hand zu Hand und stecken gleich einer Seuche die besten Herzen an, nachdem sie den Geist der Ordnung erstickt, den Keim zur Tugend zertreten haben: so weicht aus den Herzen die Tugend, das sanfte Gefühl der Menschenliebe, feindselige Neigungen der Selbstliebe zerreissen die Bande der Familien, die Kette, die den Vater an den Sohn, den Sohn an den Vater schliesst; man überschreitet gesetz und Pflichten und tritt endlich die Tugend selbst zu Boden. In diesem Zustand der äussersten Herabwürdigung und des sittlichen Verderbens - kann man wohl hoffen, gute und wahre Bürger zu finden? Diener, die die rechtmässige Macht ober sich erkennen, Menschen, die sich verehren, die sich lieben, die die Pflicht der Menschlichkeit und der Religion erkennen? - O nein! Du findest sie nicht, es ist unmöglich. Sobald die Grundsäule des göttlichen und menschlichen Ansehens durch unverschämte Kühnheit gefrevelt wird, so sind die Leidenschaften den Flüssen gleich, die aus ihren Schranken treten, die Dämme wegreissen und alles weit umher überschwemmen.
Der Literatur erstes Geschäft soll sein, den Menschen zur Religion zu führen, denn nur in ihr liegt die Basis menschlicher Glückseligkeit. Sie bildet das Herz, leitet den Willen und entwickelt das schlummernde Gute zur edlen Handlung. Sie verbessert das Herz, und nichts kann im Universum verbessert werden, ohne dass nicht das Ganze an dieser Verbesserung teilnimmt.
Die Laterne, die auf dem Leuchtturm ausgesteckt wird, beleuchtet nicht nur den Turm, worauf sie ist, sondern verbreitet ihr Licht weit hinein in den Ozean, und schützt vorm Untergang die Schiffe in eine ferne Weite.
Bei der Menge der Irrtümer, die den Geist verdunkeln, ist es notwendig, die ersten und primitiven Wahrheiten zu kennen; diese führen zu andern, wie die Grundwissenschaften die Elemente aller Kenntnisse sind. Diese primitiven Wahrheiten liegen nur in der reinen Moralität, denn diese führt uns zu den Kenntnissen unserer Pflichten. Die Tugend wohnt nicht bei dummer Unwissenheit unserer Pflichten. Wenn der Mensch bei zeiten den Wert der Tugend kennenlernt, so wird er das Übel nur alsdann kennenlernen, wenn er im stand ist, sich gegen dasselbe zu schützen.
Die Tugend ist die Kenntnis und die praktische Liebe unserer Pflichten gegen das höchste Wesen. Sie ist jene Schutzgotteit des staates, die unser Wohl und das Wohl unserer Nebenmenschen befördert. Nur die Tugend, mit der unser Herz vertraut wird, ist jenes geheiligte Pfand, das die Vorsicht der Weisheit anvertraut, um durch sie gute Menschen zu bilden. Durch sie allein entstehen die Sitten, die Schützerinnen der gesetz, der persönlichen Sicherheit, des Eigentums und des allgemeinen Glücks.
Die Sitten sind zur Glückseligkeit des Menschen unentbehrlich, sie sind notwendig zu seiner Erhaltung. Es gibt eine einfache, primitive Sittenlehre, die der Grundstein von allem Guten ist. Diese Sittenlehre, diese erste Seelenbildung des Menschen gibt die Religion; sie ist dem Menschen unentbehrlich, denn nur durch sie kann er würdig seine Bestimmung hienieden erfüllen.
Diese primitive Moralität ist die Moralität des Christen; entfernt von Fanatismus besteht sie in Erfüllung der Grundsätze, die die Gotteit selbst in die Gesetztafeln grub. Diese reine Sittenlehre ist der Grund aller Philosophie; sie befruchtet den Keim der Tugend, der sanft im menschlichen Herzen aufwächst; sie bringt Wohlwollen, Menschenfreundlichkeit, Patriotismus hervor; sie ist von gleichem Wert für die, die befehlen, und für die, die gehorchen. Sie bildet das Herz der Fürsten zur Empfindung, zur Gerechtigkeit, zur Menschlichkeit, und die Herzen der Bürger zur Treue, zum Gehorsam, zum Glück. Sie führt auf die ursprünglichen Wahrheiten der natürlichen Ordnung zurück, auf die gesetz der Billigkeit, von welchen das Glück der Menschen unzertrennlich ist.
Es kann nie genug dem Herzen aller Menschen der Wert der Religion eingeprägt werden. In den ersten Jahren der Jugend ist es notwendig, sie liebenswürdig zu machen.
Die Liebe zur Religion flösst heilige Ehrfurcht für die grossen Geheimnisse ein, die sie verschliesst. Nie wird der Mensch das beleidigen, was er liebt, nie freveln über das, was er ehrfurchtsvoll verehrt. So würden die Menschen von der Liebe und Ehrfurcht der Religion zur Ausübung ihrer Pflichten schreiten.
Jeder reine Begriff der Sittenlehre führt zur richtigen Beurteilung der Ordnung der Gesellschaft; der Begriff von Verbindung und Pflicht führt zur Verbindung und Pflicht, und so gibt das Gesetz den Gesetzgeber, den Belohner, den Rächer.
Diese Art der Begriffe über Belohnung und Strafen ist es, die die stärkste wirkung auf die Herzen der Menschen und auf die Verfassung der Länder hat. In ihr liegt die grosse Sanktion, ohne die Länder zerfallen, Reiche umstürzen und Menschen unglücklich werden.
Nur die genaue Kenntnis der Pflichten der Religion, der Sittenlehre und der Gesellschaft gibt uns die Kenntnisse unserer Obliegenheiten; durch sie öffnet sich unser Herz gegen Gott, gegen die Menschen; durch sie werden uns unsere Pflichten heilig und lieb. Dieses reine Gefühl, wenn es einmal ganz in die Seele übergeht und zum Geschmack wird, so erzeugt es einen Hang, der Hang jenen grossen Entusiasmus der Tugend, wodurch die Fürsten, die Reiche jene heilige Sicherheit, jene Ehre und Macht erhalten, die nur die Früchte reiner Religion sind.
Alles muss notwendig