anderen Welt zu hören, unsere Gedanken sind ihnen fremd, und unsere Ansprüche scheinen ihnen höchstens anmutige Erdichtungen und liebenswürdige Schwärmereien zu sein, und warum? Weil sie selbst keine Menschen sind; denn dieser bildet erst alle seine Anlagen aus, ordnet keine der natur zum Trotz der andern nach einem andern Massstab unter, als dass er ihrem Wert und also dem Naturzweck folgt; ihm ist alles wert und teuer und als seine eigene Sache angelegen, was den Menschen
angeht; er schärft, übt und belebt sein sittliches Gefühl, um nicht allein das Recht zu begreifen, sondern auch seinem Gesetz gemäss zu handeln und es in der Welt zu realisieren. Mit welchem Gegenstand aber sind jene Aufgeklärten weniger bekannt als mit sich selbst? Ist ihnen die menschliche natur und die Wirkungen derselben nicht eine ganz fremde Welt?
Man könnte nun die Frage aufwerfen: darf denn nun eine solche (formelle) Aufklärung nicht verhindert werden? Wenn I ich nicht irre, so heisst das soviel: darf der Mensch Mensch sein? Diesem gebietet nun das Sittengesetz ohne alle Ausnahme, es zu sein, indem er alle seine Anlagen und Kräfte ausbilden und brauchbar machen soll, weil dies die Befolgung der sittlichen Gebote erleichtert und den Gehorsam gegen das Gewissen befördert. Aber kann man diese Aufklärung nicht hindern? Solange Menschen bei- und nebeneinander sind, reiben sich ihre Kräfte durch das Zusammenlaufen ihres Interesses aneinander, sie erreichen dadurch Fertigkeit und erlangen eine immer grössere und ausdauernde Geschicklichkeit. Die natur zwingt den Menschen, sich aufzuklären: und hat die Aufklärung einmal unter einer Nation Wurzel gefasst, so ist es leichter, das Menschengeschlecht zu vertilgen als die Aufklärung.
Wer verbreitet aber jetzt am meisten Aufklärung unter den Menschen? Die Zeitbegebenheiten, die das Recht zum ausschliesslichen Objekt haben, und die Schriftsteller. Diese übernehmen dieses Amt aus Pflicht, besorgen die Erziehung des Menschengeschlechts und erleichtern und beschleunigen seine Kultur. Unvernunft, Vorurteile, Herrschsucht, Unwissenheit und Sittenlosigkeit sind daher gegen jeden rechtschaffenen Schriftsteller aufgetreten, haben seine Absichten verleumdet, seinen Charakter angeschwärzt und seine Gewissenhaftigkeit zu bestechen gesucht. Dass die Schriftsteller eine Gewissenspflicht taten, deshalb schrie man sie als schädlich aus, und dies sind sie auch in der Tat. Aber wem drohen sie den Untergang? Nicht der Wahrheit und der Tugend: denn jene suchen sie, und diese üben sie selbst nach ihren Kräften, indem sie ihre herrschaft erweitern wollen, sondern den Irrtümern aller Art, allen Vorurteilen und Lastern haben sie den Krieg angekündigt, und darinnen tun sie nichts mehr und nichts weniger als eine Menschenpflicht. Aus Pflicht befördern also Schriftsteller Revolutionen: denn sie sollen den Verstand erhellen, das sittliche Gefühl beleben, das Menschengeschlecht über ihre Pflichten und Rechte aufklären und den Kopf und das Herz ihrer Leser wohltätig nähren und befruchten. Indem sie nun die Ansichten der Dinge verändern und erweitern und den Menschen die Forderungen, die sie machen sollen und dürfen, an das Herz legen, bereiten sie notwendigerweise Revolutionen vor und bewirken sie, wenn der Druck, der darin besteht, dass die Bürger etwas für ungerecht erklären, weil es mit ihren Ansprüchen als Menschen nicht übereinstimmt, fortdauert; denn der Mensch hat einen Trieb zur Wahrheit und zum Recht und bemüht sich daher, alle menschlichen Einrichtungen seinen Gesetzen von Wahrheit und Recht adäquat zu machen. Wenn nun das, was unter der Willkür des Menschen steht, einen von seinen Vorstellungen noch fremden Charakter trägt, so drängt und treibt er, allem was von seiner Freiheit abhängt, eine neue, seinen Einsichten und seiner Aufklärung analoge Form zu geben. Die Menschen also, die ihre Staatseinrichtung für ungerecht und unzweckmässig erklären, können nicht ruhen noch rasten, bis sie ihr eine neue Gestalt gegeben haben. Warum sollten wir daher aus Unwahrheit die Schriftsteller von dem ehrenvollen Vorwurf, dass sie Revolutionen herbeiführen und befördern, lossprechen? Wir wollen doch nicht etwa, dass sie pflicht- und gewissenlos handeln und die Wahrheit verdrehen und feig und niederträchtig den Dienst derselben verlassen sollen? Heisst das nicht, zu ihnen sagen: zieht die menschliche natur aus und werdet - der Himmel weiss, was! Jede solche Verteidigung ist eine Beleidigung der Vernunft und Verachtung der Menschheit und kann nur Feigen, Eigennützigen und Unmündigen gefallen. Die Aufklärung wird mit Recht als die Ursache von Revolutionen angeklagt, und die Schriftsteller, die die Kultur nähren und unterstützen und zu dieser Umwandlung beitragen, teilen die
Schuld. Aber darf die Schriftsteller nicht der Staat verfolgen, f vertreiben und zum Schweigen bringen, denn sie stören ja die I Ruhe und bringen Schaden und Unglück über die Gesellschaft? Du willst also lieber Unrecht tun als Schaden leiden, I und lieber gewissenlos als unglücklich sein? Was nennst du I aber Schaden und Unglück der Gesellschaft? Was gegen deine I Vorurteile und deinen Eigennutz anstösst? Dein Glück tut I aber Unrecht. Aber das Ganze? Kümmere dich nicht um das Wohl der Welt, du weisst nicht, was du willst. Dir ist eins geboten: recht zu tun. Lass die Schriftsteller ihren gang gehen, sie sind das Salz unter den Menschen, das sie gegen Dummheit und Schlafsucht bewahrt. Tun sie unrecht, so sind sie ihrem Gewissen verantwortlich. Als Schriftsteller tun sie ihre Pflicht, ihre Meinung und Überzeugung zu sagen. Wenn du sie daran verhindern willst, übertreibst du deine Pflicht, denn du beleidigst ein Menschenrecht in ihnen. Wagst du auch mit deinem Geschenk vor dem Heiligen in deinem Busen zu erscheinen? Lege von deinen Handlungen Rechnung vor ihm ab und