- so erklärt er selbst die Frage und besonders den darin entaltenen Begriff Aufklärung so: Kann ein jedes Glied der menschlichen Gesellschaft in ihrem gegenwärtigen Zustand zu der vollkommenen Ausbildung seines Verstandes gelangen, dass es in allem, was es annimmt und verwirft, gar keiner Autorität folgt und sich bloss durch Gründe der Vernunft und Erfahrung bestimmen lässt?« - Wenn man aus dieser Paraphrase die Definition der Aufklärung herauszieht, so heisst sie: Aufklärung ist die vollkommene Ausbildung des Verstandes, welche den Menschen in den Stand setzt, in allen seinen Urteilen über wahr und nicht wahr der Autorität und der Zeugnisse ganz zu entbehren und sich auf eigene Erfahrung und Empfindung lediglich zu verlassen, oder, welches eben das ist, welche den Menschen allwissend macht. - Und wenn Schlosser die Aufklärung gleichsam in ihre Bestandteile auflösen will, so sagt er: »Das erste, was also zur Aufklärung gehört, ist ein unbegrenzter Vorrat von sicheren, richtigen, genauen Erfahrungen.« - In diesem Sinne finde ich es allerdings sehr wahr, was der nämliche Schlosser sagt: dass wir nämlich noch sehr weit von der Aufklärung entfernt sind.
VII. Stand des sukzessiven Wachstums an klaren Begriffen
oder der nach und nach erfolgende Übergang aus dem stand dunkler und verworrener in den Stand klarer Begriffe. Dass ich dieses für die beste, und, der natur des Worts nach, der Analogie der Sprache angemessenste Bedeutung des Worts halte, habe ich oben gezeigt. Ich bin aber nicht so anmassend, dass ich wähnen sollte, der erste oder einzige zu sein, der diese Entdeckung gemacht hat. Auch andere haben bei dem Wort Aufklärung das nämliche oder etwas dem Ähnliches gedacht. - »Wenn die Szene, wo das aufzuklärende Volk lebt und handelt, wohl vorbereitet ist, so wird die Aufklärung (das sukzessive Wachstum der vernünftigen Erkenntnis) von selbst folgen.«4"1 - »Aufklärung ist ein Bedürfnis des menschlichen Verstandes.«45 - »Du (der Verfasser redet die christliche Religion an), die du bei jedem neuen Licht der Aufklärung mit deinem Stifter in höherem Glänze leuchtest.«46 »Die Aufklärung ist in Beziehung auf die Erkenntnis und Ausübung der Religion eben das, was man schon lange Erleuchtung genannt hat.«4" - »Die Vernunft spricht: Die Aufklärung kann nicht weiter gehen4S«, u. a. m. - Wenigstens halte ich dafür, dass in allen hier angeführten Stellen, ohne dem Sinn der Verfasser die mindeste Gewalt anzutun, sich dem Wort Aufklärung der Begriff eines sukzessiven Entstehens klarer Begriffe von den Gegenständen oder einer allmählichen Aufhellung des Gesichts- oder Erkenntniskreises unterlegen lasse.
VIII. Zweckmässigkeit öffentlicher Anstalten
So verstehe ich die Stellen in der mehr gerühmten Schlosserchen Abhandlung, wo der Verfasser, nachdem er sich gegen einen Vorschlag zur Revision der Prozesse selbst den Einwurf gemacht hat: »Auch das würde nur Behelf sein«, antwortet: »Ich weiss es, aber bis zur gerühmten Aufklärung ist alles Behelf.« - Was kann das anderes heissen, als: bis zu der Zeit, da der Staat lauter vollkommen wirksame und ihren Zweck völlig erreichende Anstalten haben wird. Ferner: »Es mag vielleicht ein Beweis grosser Aufklärung bei den Ägyptern und Chinesen sein, dass sie, usw.«5: - »Und endlich: damit wir aber doch nicht den Mut verlieren, inzwischen nach Aufklärung zu trachten, usw.«11 - Noch deutlicher wird diese Bedeutung des Worts in den Marokkanischen Briefen, wo der Verfasser, um diejenigen Titel anzugeben, die seiner Vorstellung nach in dem Begriff der allgemeinen Aufklärung entalten sind, mehrere öffentliche Anstalten zur Beförderung des physischen und moralischen Wohlbefindens nennt.
IX. denke-, Rede- und Pressefreiheit
oder die Freiheit, ganz ungehindert seine Meinung zu sagen. So braucht und erklärt dieses Wort Hennings. »Es ist ausgemacht«, sagt er, »dass es Feinde der Aufklärung oder, welches einerlei ist, der Freiheit zu denken, gibt.« - Ich brauche hierbei nicht zu erinnern, was unter Leuten von Kopf allgemein bekannt ist, dass im Kapitel von der bürgerlichen Freiheit, von der Freiheit zu denken im engsten Sinn gar nicht die Frage sein kann, sondern dass darunter allezeit die Freiheit, das Gedachte laut zu sagen, verstanden werden muss. - Das nämliche meint ohne Zweifel auch der Verfasser der Fragmente54 in folgender Stelle: »O! es war zu der Zeit (da man den Alius verdammte) ein grosses Verbrechen, gegen das Symbolum zu schreiben! Man setzte ab und liess verhungern einen jeden, der die Rechte der Aufklärung verteidigte.« Höchstwahrscheinlich auch Würzer, wenn er sagt: »Allerdings muss es in der Generation, in der die Aufklärung erst begann, auch viele geben, die die Lehre der Vernunft nicht richtig fassen.
Er hatte unmittelbar zuvor von der Freiheit zu denken geredet und sagt diese Worte zur Widerlegung derer, welche glauben, dass die Freiheit zu denken übertrieben werden könne und alsdann schädliche Folgen habe. »Aber«, sagte er bald nachher, »wollen wir darum, weil einige die Freiheit des Denkens nicht zu brauchen wissen, uns alle dem Joch von neuem unterwerfen und die Aufklärung verfluchen?« -Teller scheint zwar die Aufklärung nur mit der Pressefreiheit zu vergleichen, in Ansehung der Schwierigkeit, welche die Bestimmung der Grenzen für beide hat: »Jedermann fühlt«, sagt er, »dass die Grenzen der Aufklärung ein ebenso schwer aufzulösendes Problem sind, als das damit zusammenlaufende