, Karolina, wo dieses geschah, wäre aufgeklärter und lernte die Rechte der Menschheit ehren?
Wenn der Irokese den Huronen an einem Pfahl bei langsamem Feuer bratet, die Weiber ihm der Länge nach und langsam Striemen von Fleisch aus dem Leib schneiden, die Nägel an Händen und Füssen mit langsamen Martern abreissen, und wenn sie ihn tagelang gequält haben, sich Vorwürfe machen, dass er zu früh ihre Martern überlebte; - was würde man dem wilden barbarischen Volk Besseres wünschen können als - Aufklärung?
Das Kind an der Brust seiner Mutter fühlt den Trieb dazu. - Es sieht hinweg auf fremde Gegenstände, und der rastlose Geist setzt unermüdet seine Bestrebungen nach Unterricht und Wahrheit fort, bis der Tod seinen edlen Bemühungen ein Ziel setzt. Wenn es je in der Welt in sich Pflicht sein kann, die Triebe der Seele nach richtigen Kenntnissen zu ersticken oder zu hindern, warum, ihr Feinde der Wahrheit, warum erzieht ihr eure Kinder nicht gleich dem Vieh? Ja, sagt ihr, nur bis zu einem gewissen Grad muss man diesen Trieb sich entwickeln lassen, Vorurteile statt Wahrheiten einmischen, und da, wo ihm Weisheit schädlich sein könnte, ihn hindern. Wer aber hat von euch je bewiesen, dass Vorurteil, dies schändliche Synonym der Lüge, nützlicher sei, denn Aufklärung, das Resultat der Wahrheit? Wer hat den überklugen Toren die Grenze gezeigt, wie weit sie gehen müssen, um den Verstand mit Irrtümern anzufüllen und für Wahrheit zu verderben? und wer kann die Lästerung erweisen, dass Wahrheit schädlich sei? Warum hat Gott das Mass des Verstandes so reichlich mitgeteilt, wenn er unglücklich macht? warum überhaupt ihn gegeben, wenn man nicht ganz ihn gebrauchen darf?
Vom wilden Menschen an, der ungebildet die Kräfte seines Geistes in sich verschliesst und vom Vorurteil ewiger Observanzen tyrannisiert sie nicht entwickelt, bis zum Europäer, der in dummem Starrsinn auf seinen Vorurteilen besteht-haben nicht alle klügeren, aufgeklärteren Völker und Menschen eine Höhe über sie gewonnen, die Kurzsicht und Vorurteil ihnen neiden? Bleibt mit eurem Verstand an der Grenzlinie des Usuellen stehen, und ihr werdet dem aufgeklärteren Volk so lächerlich werden, wie der elende Chinese, der die Werke der Aufklärung anstaunt, ohne sie in seinen Künsten und Wissenschaften aufzunehmen; der seit Jahrtausenden astronomische Berechnungen hat, deren Fehler ihm die Einsichten anderer Völker nötig machen, aber sie deshalb nicht verbessert, weil er sie von seinen Voreltern so erbte.
Haben nicht alle Künste und Wissenschaften ihre traurigen Epochen gehabt, wo selbst die Philosophie Unsinn war? Wie, wenn dazumal, da das ganze gelehrte Paris sich über den Aristoteles entzweite, die Sorbonne in Aufruhr und Gärung brauste, zur Zeit, da Galilei es wagte zu sagen, die Erde sei rund: wie, wenn dazumal das Vorurteil an der Hand der Stupidität über die aufklärende Vernunft gesiegt hätte; was würde aus Philosophie und Naturkunde geworden sein? Wenn Frankreich keine Richelieus, keine Colberts, wenn Europa keinen Friedrich den Einzigen gehabt hätte, was würden die Staatskunde und der Wohlstand europäischer Reiche jetzt sein? Da unser unsterblicher König, dieser König aller Könige, Schätze sammelte, schrie der Kur/sichtige über Geiz; da er aber seine glänzenden Kriege führte, ohne sein Land mit neuen Auflagen zu beschweren, indes Österreich und Frankreich ihre Nationen aufs höchste spannten und sie mit ungeheuren Schulden belasteten, deren Zinsen allein Millionen, die der Schweiss des Untertans beiträgt, kosten; da verstummte das Vorurteil und ganz Europa befolgte die Regeln seiner Staatswirtschaft und Sparsamkeit.
Sollte die Religion allein von dem grossen Vorrecht der Aufklärung ausgeschlossen sein? Das behauptete freilich die Mönchsdummheit zu Luters Zeit so gut wie zu jener des abscheulichen Atanasius und zu jener der Ketzerverfolger aus dem Orden des heiligen Dominikus. Und diesen Grundsatz der elendesten Pfaffendummheit sollte mein Zeitalter unter Protestanten in Schutz nehmen? War sie nicht ein notwendiges Bedürfnis; warum, ihr Protestanten, liefert ihr euch nicht in die Netze des heimlichen Jesuitismus und kehrt zur Mutterkirche zurück, aus welcher Aufklärung euch herausführte? Oder nennt mir, ihr Priester der Religion, die ihr für die Vorurteile und gegen Aufklärung streitet, nennt mir den Mann aus eurer Mitte, der sie so sehr vom Unsinn, den Narrheit und Starrsinn des römischen Hofes und seiner elenden Meinungen hineinwebte, gänzlich gereinigt hätte? Ist es Luter oder Calvin? oder wie heisst der grosse Sterbliche, der die Fülle aller Wahrheit umfasste, den Kern von seiner Schale ganz absonderte und der Religion den Stempel unfehlbarer Wahrheit aufdrückte? Bedarf sie es nicht, warum balgen sich eure Teologen; warum streiten eure Exegeten; warum schreien eure De Marees, gleich als setzte der menschliche Verstand der Religion das Messer an die Kehle? Warum ist überall die Einigkeit leichter, und nirgends schwerer zu bewirken als bei euch? Warum, wenn ihr den Verstand schätzet, warum brandmarkt ihr seine Freunde mit dem Namen von Zionswächtern, vor dem eure Ortodoxie sonst die Augen verdrehte und den Kopf bis zur Erde beugte? Wenn ein unsauberer Geist aus einem untoleranten Götzen ausfährt, warum muss er sogleich in einen Superintendenten fahren, um die Welt zu beunruhigen und das Reich des reinen Verstandes mit seinem Unsinn zu verfolgen?
Ja, erwidert ihr - jemand muss doch über die Reinheit der Lehre wachen, und für wen schickt sich dies besser als für einen Diener ihrer Meinungen? Also ist eure Lehre rein, und muss, um es zu bleiben, gegen die Grundsätze der reinen Vernunft sich auflehnen? wahr, und muss Vorurteile in Schutz nehmen? vollendet