nicht vor, sondern ziehen sich eher zurück, finden sich in ihrer Verborgenheit glücklich und begnügen sich, in der Stille Gutes zu tun, so viel sie können; man findet sie nicht in den Vorsälen der Höfe, sie lassen sich suchen, sie lassen es an sich kommen; wenn sie aber ihren Mund öffnen, sind es nicht Worte des Aufruhrs, wohl aber warnender Weisheit und Menschenliebe.
Es ist Wohltat des Allmächtigen, dass sich noch solche von dem heiligen Feuer des Patriotismus entzündete edle Menschen finden, die aus dem reinsten und uneigennützigsten Zeugentrieb ihre stimme erheben, ob sie etwa noch von denen gehört und erhört werden möchte, denen freilich am Anhören zuerst gelegen sein sollte, die sich als mutvolle Freiwillige, mit Verachtung aller sie selbst treffenden Gefahr und Ungemachs, vor den Riss des sinkenden Vaterlands stellen, wohl selbst, dem Helden Curius gleich, sich zum Opfer des Undanks, der Misskennung, des Spotts für dasselbe preisgeben.
Wie sehr unterscheidet sich der ganze Ton voll Würde solcher Menschenfreunde von dem Gequake politischer Frösche, von dem Geschnatter umherziehender und in das Gewand von Patrioten sich verhüllender Marktschreier, deren Geschmieri man mit Ekel liest und mit Unmut wegwirft? Wenn es brennt, hat das Feuerhorn nur einen Ton, die Sturmglocke nur einen Schlag. Diese beständige anhaltende Wiederholung ist es, die allgemeine Aufmerksamkeit und mehr Erschütterung macht, als alles Geklingel fader und geistloser Deklamationen.
»Schriftsteller-Publikum«, sagt Ewald ganz richtig, »ist bei weitem nicht das ganze Publikum.« So ist es, es gehören ihrer zwei dazu, einer der es sagt, und einer der es versteht und glaubt. Dieses Wort gilt insbesondere auch noch in Hinsicht des Unterschieds, in welchem Geist, nach welchem Plan und in welcher Absicht die von Zeit zu Zeit zur Belehrung und Warnung der Regenten und zur Beruhigung und Verständigung des volkes erscheinenden Schriften geschrieben wurden.
Einige derselben sind so abstrakt philosophisch, dass nicht nur der gemeine Mann sie nie verstehen, sondern auch die höhere Klasse Mühe haben wird, ihren tiefen Sinn zu erreichen, geschweige sie nach ihrem vollen inneren Wert zu schätzen. Diese Art Schriften möchte man Kleinodien nennen und mit dem Sparpfennig vergleichen, den man auf zeiten der Not aufhebt.ii
Andere Schriften halten die Mittelstrasse zwischen gelehrten Untersuchungen und praktischer Behandlung ihrer Materie, sie neigen sich aber doch noch mehr zu der ersteren Gattung und sind daher zwar immer von entschiedenem Wert und Nutzen; die zu starke Mischung von Teorien und Problemen mit praktischen Wahrheiten vermindert aber den Eindruck, den sie sonst bewirken würden, wenn weniger zum Verstand und desto wärmer zum Herzen geredet würde, wenn deren Verfasser mehr lebendige Welt- und Menschenkenntnis hätten und die mannigfaltige Not und den Druck der unteren volkes-Klassen mehr aus eigener Erfahrung kennten.iii
Noch andere sind durchaus praktisch, greifen das Übel in seiner Wurzel an, nennen die Krankheit bei ihrem Namen, heucheln weder den Fürsten, noch schmeicheln sie dem Volk, zeigen überall Unparteilichkeit, Rechtschaffenheit, Menschenliebe und ein empfindungsvolles erbarmendes Herz, durchdenken und umfassen ihren Gegenstand; trocken, aber wahr in ihrem Vortrag sind sie am wenigsten um dessen Schmuck bekümmert, schwarz nennen sie aber schwarz, und ihre Worte sind die Sprache empfundener Überzeugung. Weil sie überall Wahrheit predigen, das ist, überall anstossen, so erwarten und bekommen sie auch keine andere Belohnung, als die ihnen das Bewusstsein, Ärzte, Helfer und Heilande des Vaterlands gewesen zu sein, gewährt, und begnügen sich, dem bekannt zu sein, welcher dereinst jeden richten wird nach seinen Werken.iv
In die letzte, aber gewiss nicht die geringste Klasse, gehören diejenigen leicht fasslichen und durch Popularität und Herzlichkeit sich auszeichnenden kleinen Schriften, welche eigentlich zur Belehrung, Beruhigung und Zurechtweisung des sogenannten gemeinen Mannes geschrieben, unter das Volk zu dem möglichst geringen Preis verteilt und am besten an dasselbe verschenkt werden. Je kürzer, je einfacher und einfältiger sie sind, je besser sind sie. Billig sollten sie alle sein, wie Luter zu seiner Zeit von den Predigten verlangte: dass sie Hans hinter der Tür verstehe.v
Diese sogenannten Flugschriften lassen sich, just deswegen, weil sie Flugschriften sind, nicht verbieten; schiessen lassen möchten sie sich wohl (um in diesem Gleichnis fortzufahren), das ist aber auch alles, und dann möchte der Schuss ebenso leicht eine fromme Taube als einen Raubvogel treffen, wenn bei der Zensur so leichtsinnig und unverständig, als an manchen Orten wirklich geschieht, verfahren wird.
Karl Friedrich Freiherr von Moser
Wahre und falsche politische Aufklarung
Schreiben des Kaisers von Japan an den Wandsbeker Boten; Asmus V. teil. S. 95.
»Ich möchte gern eine Aufklärung haben, dadurch Vater und Sohn, Mann und Frau, Herr und Knecht etc. für sich selbst und füreinander treuer und braver und alle meine Untertanen bessere Untertanen und ich ein besserer Regent würden. Und ich bin sehr begierig zu erfahren, wie weit die europäischen Aufklärer es in diesem Stück gebracht haben und wie sie das anfangen.«
Es gibt eine in gleichem Verhältnis mit Völker-Druck fortschreitende geistische Macht, welche in dem Wachstum und Ausbreitung ihrer unsichtbaren Kräfte nicht nur dem Despotismus mit allen seinen Verführungs- und Betörungs-Künsten immer das starke Gegengewicht halten wird, sondern je länger, je mehr das Übergewicht zu gewinnen und ihn in seinen innersten Fundamenten zu erschüttern und zu stürzen droht.
Dies möchte sie dann immer tun, wenn mit diesem Sturz nicht nur der Herr im Haus, sondern