den jüngsten Grafen Berka, im Quartier. Einen schönen Menschen! Etwas obenaus, wie all die jungen Herren, aber sonst ein artiger junger Mann!
Seba hätte vergehen mögen. – Ihr Vater, ihr guter vertrauensvoller Vater, rühmte den Grafen!
Herbert jedoch legte, wie es schien, auf dieses Lob des jungen Edelmannes kein Gewicht. Ja, ich kenne ihn, sagte er flüchtig: er ist ein schöner Officier. Schön, sehr schön ist seine Schwester auch, aber sie besitzen beide den Adelstolz und Hochmut, der ja, wie ich höre, hier zu land von den Berka's sprüchwörtlich sein soll.
Nun, doch mit Ausnahme, doch sehr mit Ausnahme, wendete die Mutter wohl- und selbstgefällig ein. Von dem Herrn Grafen Felix, dem Majoratsherrn, der manchmal bei uns im Laden gewesen ist, und von den alten Herrschaften mag das wahr sein, aber von dem jüngsten Herrn Grafen, der oben bei dem Kriegsrat im Quartier war, konnte man das nicht sagen. Er ist viel bei uns aus- und eingegangen; ein liebenswürdiger junger Mann und, wie mein Mann schon sagte, wirklich gar nicht stolz, im Gegenteil, man hätte sagen können ....
Lass es gut sein, fiel der Vater ihr in die Rede, und ein bitteres Lächeln spielte um seinen fein geschnittenen Mund. Man kennt diese Herablassung der Herren Edelleute, und vielleicht haben der Herr Architekt auch schon gelegentlich etwas davon erfahren oder bekommen noch einmal davon zu reden. Ich habe Dir und Seba Euer Vergnügen an der Gesellschaft des Herrn Grafen und der anderen jungen Herren nicht stören mögen – warum sollte ich das auch? Aber es ist gut, dass Ihr nicht nötig gehabt habt, ihn auf die probe zu stellen und zu sehen, ob er je vergessen hat, wer er ist und wer wir sind.
Und dem Vater gegenüber sass seine Tochter, sass die arme Seba, die jedes dieser Worte wie ein Dolchstoss traf.
Sie haben Recht, Herr Flies, mein Mann ist der Graf Berka auch nicht! rief der Architekt. Ich habe ihn vor Wochen, als ich hier in einem Speisehause zufällig mit Bekannten in seiner Nähe sass, in einer Weise von den Frauen und von seinen Eroberungen reden, und in der Weinlaune Wetten über den von ihm zu erreichenden Besitz eines jungen Mädchens eingehen hören, wie nur ein ganz frecher Wüstling sie zu machen vermag! Ob er daneben – Herbert hielt inne, eine plötzliche Ideenverbindung machte ihn verstummen. Auch die Eltern wurden achtsam, denn Seba wechselte die Farbe und fuhr matt mit ihren Händen nach der Brust.
Sie ertrug es nicht länger. Der Tag, das Licht, das Leben ängstigte sie heute wieder so, wie an jenem Morgen. Das Dasein tat ihr wehe. Es fasste nach ihrem Herzen, nach ihrem Hirn, von allen Seiten drang es auf sie ein – spottende Blicke, höhnisches lachen und die ganze eigene Unseligkeit!
Sie wollte fliehen, das Zimmer verlassen, aber die Glieder versagten sich dem Dienste, der Kopf schwindelte ihr. Sie stand auf, und sich mühsam aufrecht erhaltend, eilte sie davon.
Viertes Capitel
Es waren durch alle die Jahre hindurch immer sehr gemischte Empfindungen, mit denen Herbert nach Schloss Richten kam. Seine Bauarbeit versprach ein schönes Gelingen, aber sie schritt nicht so schnell vorwärts, als er es wünschte, weil die Schwierigkeiten alle zugetroffen waren, auf welche er gleich Anfangs aufmerksam gemacht hatte, und weil man ihm von Seiten der Gutsherrschaft nicht immer mit den zugesagten Arbeitskräften und Mitteln zur Seite stand, da sich die Kosten des Baues, wie Herbert es gleichfalls vorausgesagt hatte, eben durch die Ungunst des Terrains weit bedeutender gesteigert hatten, als der Freiherr es erwartet haben mochte. Indess derselbe beschwerte sich darüber in keiner Weise; die wachsende Geldausgabe regte in ihm vielmehr nur das Verlangen an, nun auch etwas vollständig Gelungenes und Bedeutendes zu schaffen, und da er bei Beginn des Unternehmens von dem Baumeister einmal auf die gute wirkung hingewiesen worden war, welche ein Bauwerk, vom schloss und von der Terrasse aus gesehen, auf der Höhe machen würde, so kam er immer wieder darauf zurück, dort oben irgend ein Monument als Aussichtspunkt zu errichten, bis er endlich auf den Gedanken geriet, da man nun die Kirche in Rotenfeld erbaute, die zuerst beabsichtigte Capelle auf der Höhe im Parke aufzuführen. Es war dabei von ihm nur auf einen kleinen, aber mit seinem Kreuze weitin sichtbaren Bau abgesehen; dennoch stiess der Freiherr auch in diesem Falle auf ein abmahnendes Widerstreben bei Angelika.
Ob die Baronin nicht zu übersehen vermochte, welchen den Gesammteindruck krönenden Abschluss man mit dem Capellenbau erzielen könnte, ob es richtige ökonomische Bedenken waren, oder ob irgend ein anderer Grund sie bestimmte, sich gegen den Plan auszusprechen, das konnte Herbert nicht ergründen. Er konnte überhaupt über diese Frau und namentlich über ihr Verhalten gegen ihn selbst durch all die Jahre nicht in das Reine kommen. Wenn er sich zu ihr hingezogen, von ihrer Teilnahme, ihrer Güte und Schönheit gefesselt, ja beherrscht fühlte, so stiess sie ihn im nächsten Augenblicke wieder einmal gewaltsam ab, und grade diese Ungleichheit ihres Betragens trug dazu bei, seine Phantasie mit ihrem Bilde zu beschäftigen. Er konnte ihr nur zürnen, wenn sie ihm gegenüberstand, wenn ihr kaltes Wort, ihr stolzer blick ihn einmal trafen; war er fern von ihr, so erschien sie ihm stets in dem sanften Schimmer ihrer Schönheit, er