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Architekten vervollkommnet und unter dem Beirate der Herzogin so lange umgemodelt worden war, bis sie zu ihrer Freude einen völlig richtigen Abriss des ihr werten Gegenstandes vor sich zu haben erklärte. Aber eben das Betrachten der Zeichnung machte an jenem Abende das Bedauern der Herzogin über den Verlust und die wahrscheinliche Zerstörung des schönen Gerätes erst recht lebhaft. Auch die Baronin äusserte ihr Wohlgefallen an den edlen Formen und den sinnreichen Verzierungen, und so entstand in dem Freiherrn, der es liebte, den Personen seiner Umgebung Freude und eine Ueberraschung zu bereiten, der Gedanke, heimlich zwei solcher Waschgerätschaften anfertigen zu lassen: das eine für die Herzogin, das andere, bei welchem an die Stelle des Duras'schen Wappens das Arten'sche angebracht werden sollte, für die Baronin. Aber das Arten'sche Wappen liess sich seiner Gestalt nach nicht so leicht als das Duras'sche in die auf dasselbe berechneten Formen der Gerätschaften einfügen, und eben desshalb hatte der Baron, der nicht leicht einen Einfall aufzugeben pflegte, von dem er sich eine Genugtuung versprach, sich schriftlich an Herbert gewendet, und ihn um eine genaue Besprechung der Arbeit mit dem Juwelier gebeten.

Der Auftrag war in künstlerischer Hinsicht anziehend und in seinem Geldwerte sehr bedeutend. Die beiden Sachverständigen liessen sich also Zeit bei ihrer Unterredung und Madame Flies kam, ihren Mann an die Mittagsstunde zu erinnern, ehe man noch zu einem völligen Abschlusse über die Arbeit gelangt war. Abbrechen mochte man die Unterhaltung nicht, und da man sie eben so gut bei Tische beenden konnte, taten die gastfreien Eltern, deren Haus in letzter Zeit sich noch häufiger als früher unerwarteten Gästen aus den verschiedensten Lebenskreisen geöffnet hatte, dem Architekten den Vorschlag, ihre Mahlzeit zu teilen.

Der Baumeister hatte Madame Flies und Seba noch nicht gesehen. Die Schönheit der Tochter zog ihn an, die etwas dringliche Gastlichkeit der Mutter fiel ihm komisch auf, ohne ihm jedoch unangenehm zu werden, und da sich ohnehin beim Essen und bei einem guten Glase Wein manches Ungefüge schneller fügt, so war man bald mit den Verabredungen über die Gefässe und Gerätschaften im Klaren. Herbert versuchte es also, Seba, welche an diesem Tage sich grade wieder doppelt unglücklich fühlte, weil die wöchentliche Post ihr noch immer keine Kunde von dem Geliebten gebracht hatte, in eine lebhaftere Unterhaltung zu ziehen, aber Herr Flies kam ihm mit einer Frage nach dem näheren Ergehen der freiherrlichen Familie und nach dem Leben der Herrschaften auf Schloss Richten unwillkürlich hindernd in den Weg.

Herbert wusste davon gar mancherlei zu melden. Er schilderte die glänzende Geselligkeit, welche dort herrschte, und den heiteren Ton, der durch die Herzogin in Richten eingeführt sei. Weil sie selbst sich in der Gegend und unter dem dortigen Adel wohlbefand, hatten sich auf ihren Rat in den benachbarten Städtchen verschiedene ihrer ebenfalls flüchtigen Landsleute niedergelassen, und diese ganze ausländische Gesellschaft hatte, wie Herbert erzählte, allmählich Richten und den Salon der Herzogin zu ihrem Mittelpunkte gemacht.

Sie sprechen von dem Salon der Frau Herzogin, bemerkte Seba's Mutter, als ob sie die Herrin von Schloss Richten wäre!

Nun, meinte Herbert lächelnd, in gewissem Sinne ist sie das in der Tat. Sie bestimmt und befiehlt dort ziemlich unumschränkt, und wenn der heimische Adel jetzt viel mehr als vor zwei, drei Jahren nach Richten eingeladen und in Richten gesehen wird, so geschieht dies, glaube ich, gleichfalls nur auf den Antrieb der Frau Herzogin, damit die französische Einwanderung dort nicht gar zu auffallend erscheine, und das Hofhalten der Herzogin ein wenig verdeckt werde.

Herr Flies schüttelte missbilligend das Haupt. Wäre es nicht eine so gute Sache, dass die Franzosen den verrotteten Zuständen in Frankreich zu leib gehen, und solch ein Glück für die ganze Welt, wenn sie in ihrem land eine vernünftige Staatsform begründeten, deren Rückwirkung auch auf uns nicht ausbleiben würde, sagte er, so möchte man wirklich wünschen, die deutsche Coalition könnte diese ganze Emigranten-Gesellschaft wieder über den Rhein zurückführen, nur damit wir sie los würden, und zwar je eher, je lieber!

Herbert bemerkte, dass die Emigranten-Gesellschaft, welche sich im schloss zusammenfinde, den Freiherrn gewiss grosse Summen kosten müsse, denn man führe jetzt dort ein wahrhaft fürstliches Leben.

Ja, versetzte der Juwelier in seiner kurzen und stets bestimmten Weise, der Herr Baron von Arten braucht jetzt viel, sehr viel.

Und was sagt die Frau Baronin dazu? fragte Madame Flies, die sich nach Frauenweise augenblicklich in die Lage der Hausfrau versetzte, deren Rechte ihr bedroht erschienen.

Die Frau Baronin ist schwer zu beurteilen, antwortete Herbert zurückhaltend, und sowohl der Juwelier als seine Frau bemerkten, dass er eine nähere Erklärung vermeiden wolle. Indess Herr Flies musste Gründe haben, das Gegenteil zu wünschen, und den Architekten bei dem gegenstand festaltend, rief er: Warum schwer zu beurteilen? Die Berka's sind solide Leute, Leute, die, so viel ich von ihnen weiss, auf ihre Art still, man könnte sagen, bürgerlich in Berka leben. Einer Frau, die so erzogen ist, kann, glaube ich, der Train nicht recht gefallen, der jetzt in Richten geführt wird. Das französische Wesen ist nebenher auch nicht der Berka's Sache. Wir haben das ja, bemerkte er, sich gegen Frau und Tochter wendend, an dem jungen Grafen hier gesehen. Und für Herbert fügte er erklärend hinzu: Wir hatten hier im haus den zweiten Bruder der Frau Baronin,