meinte der Baron. Wir haben es uns einst versprochen, Freunde zu bleiben und einander nicht zu fehlen, wo wir einander nützen können. Denken Sie noch daran, Margarete?
Ich denke daran, erwiderte sie anscheinend gerührt, denn ich erinnerte mich dieses Versprechens in der Stunde der sorge, und ich kam zu Ihnen.
Wohlan denn, Herzogin, an der Seite meiner jungen Frau fehlte mir immer meine alte Freundin Margarete. Ich verlange von ihr, dass sie nicht von mir geht, ehe ich sie entbehren kann! Wird sie mir das versagen?
Nein, o nein, gewiss nicht, mein alter teurer Freund, mein lieber Vetter, rief die Herzogin, als überwältigten sie das Zartgefühl und die Grossmut des baron, aber gewähren auch Sie mir eine Bitte!
Befehlen Sie, teure Freundin! Ihnen einen Wunsch zu erfüllen, wird mich glücklich machen!
Nun denn, Baron, gönnen Sie es mir, die Vermittlerin zwischen Ihnen und den Wünschen unserer lieben Angelika zu machen. Die fromme Seele hat ihr Herz einmal an den Bau der Kirche in Rotenfeld gehängt, geben Sie ihr darin nach. Sie wünschen die Gute ein wenig leichtlebiger, ein wenig fügsamer zu finden; gehen Sie ihr mit gutem Beispiele voran und fordern Sie Nachgiebigkeit um Nachgiebigkeit.
Wie gern, meinte der Baron, nur dass wir eines schönen Effectes entbehren, wenn wir den Vorteil nicht benutzen, welchen der Bau auf der Höhe uns bieten würde.
O, Cousin, das ist Monsieur Herbert's Sache! Sie rühmen sein Genie, seine Erfindungsgabe; er wird einen anderen Vorschlag machen, er wird da oben eine Capelle, ein Kreuz errichten, und wenn die gute Angelika sich in ihrem heiligen Eifer genug getan hat, nun, so wird sie allmählich auch ihren Sinn mehr den Freuden des Lebens und ihres Alters zuwenden und das beschämende Gefühl von unseren Häuptern nehmen, dass wir jünger, o, weit jünger sind, als unsere liebe junge Schwärmerin.
Sie lachte und wandte ihr Haupt ab; ihr Nacken und ihr Ohr waren noch zierlich und sehr hübsch. Wie haben Sie es gemacht, Cousine, so jung zu bleiben? fragte der Baron.
Ich habe meine Freiheit nicht darangegeben, nachdem ich sie durch den Tod des Herzogs einmal wiedergewonnen hatte, entgegnete sie.
Der Baron antwortete ihr nicht darauf, aber sie glaubte ihn seufzen zu hören.
Am Abende erklärte der Freiherr seiner jungen Gattin, dass er sich hinsichtlich des Baues ihren Ansichten und Wünschen füge. Sie war davon gerührt und überrascht. Aber sie ahnte nicht, dass sie die Gewährung ihres Verlangens einer fremden Frau verdankte, die wohl wusste, was sie damit getan, als sie dem Freiherrn seinen und seiner Gattin Lebenswege als zwei von einander abweichende Pfade bezeichnet hatte.
Zweites Buch
Erstes Capitel
In dem grünen Parke von Schloss Richten hatten die zahmen Rehe und Hirsche sich bereits gewöhnt, das Brod aus den Händen des kleinen Renatus zu nehmen, wenn die Wärterin ihn an das Gitter des Geheges führte, und in Rotenfeld stieg die Kirche schon stattlich aus der Tiefe hervor, als die Kriegstrommel durch das Land rasselte, weil der Feldzug, mit welchem man dem bedrängten Könige von Frankreich zu hülfe kommen wollte, nun eine beschlossene Sache war.
Ueberall im land gab es Truppenmärsche, in allen Häusern hatte man Einquartierung; auch das grosse, schön gelegene Haus des Juweliers Flies war natürlich nicht davon verschont. Angenehme Gäste waren diese, von Werbern aus allen vier Weltgegenden zusammengebrachten Truppen, diese Söldlinge, welche nur mit Gewalt bei der Fahne erhalten werden konnten, eben nicht, und der Kriegsrat Weissenbach hatte es von dem Juwelier Flies als einen Freundschaftsdienst gefordert, dass dieser die auf das Haus gewiesenen Gemeinen in sein Quartier nahm und dem Kriegsrate die beiden Offiziere überliess, mit denen doch ein Verkehr und ein anderes Auskommen möglich war.
Der Kriegsrat, dem der Caplan vor einigen Jahren auf den Vorschlag des Juweliers den Sohn Paulinen's übergeben hatte, stand aber auch mit seinem Hausherrn immer auf dem besten fuss. Herr Weissenbach war ein Mann, der seine Ruhe liebte, der seine festen Gewohnheiten hatte und der für das Muster eines ruhigen und fleissigen Beamten galt. An jedem Morgen ging er um die bestimmte Stunde in sein Bureau, an jedem Mittage kehrte er um die gleiche Stunde heim, und eben so regelmässig pflegte er dann in den Laden des Juweliers zu treten, der schon lange neben seinem Gold- und Juwelenhandel ansehnliche Bankgeschäfte machte und von dem Gouverneur der Provinz, wie von dem hohen Adel mit mannigfachen Geld-Operationen beauftragt wurde. Dadurch war er meist wohl unterrichtet über alles, was in den Familien des Adels und des Bürgerstandes vorging. Der Kriegsrat seinerseits, obschon er sehr gewissenhaft über seinen Amtseid dachte, wusste doch immer Dies und Jenes von den Massregeln der Regierung zu erzählen, was er freilich nur als Mutmassungen bezeichnete, was aber dem scharfsichtigen und gut zusammenreimenden Kaufmanne gelegentlich doch zu Nutz und Frommen gereichte, und da man auf diese Weise für einander zugleich unterhaltend und förderlich war, so liebten beide Männer es, alltäglich ein Viertelstündchen zusammen zu verplaudern. Sie sprachen daneben vor Fremden auch günstig von einander, und befestigten und steigerten auf diese Weise gegenseitig ihren guten Ruf und ihren Credit, ohne dass sie deshalb einen eigentlichen gesellschaftlichen Verkehr unterhalten hätten. Denn die Flies'sche Familie zu sich einzuladen, fand die Kriegsrätin nicht passend; aber sie verschmähte es desshalb nicht, sie hier und da einmal allein zu besuchen, von