, dass du den Frühling noch schauen wirst, wenn uns längst sein grüner Teppich deckt!
Dann nahm sie den Arm des baron, der sie mit Ueberraschung betrachtete, und fing an, langsam mit ihm auf der Terrasse umher zu wandeln, während sie das schwarze Spitzencapuchon ihres Entredeux über die Frisur zog, dass die Kanten auf ihr leichtgepudertes Gelock herniederfielen. Sie rühmte die anmutige Lage des Schlosses, die gute Luft dieser Gegend und pries ihr Wohlbefinden in derselben. Sie sprach von ihrer Heimat, von ihren gemeinsamen Erinnerungen und Bekannten, und schien es lange gar nicht zu bemerken, dass sie allein die Unterhaltung führte. Auch der Baron beachtete es nicht; er hatte seine eigenen Gedanken.
Wie er so neben ihr einherging in aller seiner Stattlichkeit, die kleine, feine Gestalt am arme führend, war es ihm, als komme mit der Berührung dieses Armes, der sich so weich und leicht dem seinen anschmiegte, ihm eine langvergangene Zeit zurück, eine Zeit, in der er voll Feuer, voll Hoffnung, voll jugendlicher Wünsche und zugleich mit einer Freiheit in das Leben getreten war, die ihm – wie er sich dagegen auch sträubte – jetzt noch reizend und begehrenswert erschien. Er sehnte sich nach den Empfindungen der Leichtlebigkeit, die er in der letzten Zeit in sich zu bekämpfen gestrebt, und er konnte nicht anders, er musste in seinem inneren der Herzogin darin Recht geben: die Ehe, wie notwendig ihre strenge Beschränkung auch sein mochte, war eine Fessel, die wohl drücken konnte.
Was denken Sie? fragte die Herzogin ihn endlich.
Der Baron nahm sich zusammen. Ich freue mich daran, wie wenig Gewalt die Zeit über Sie und Ihren Geist gehabt hat! gab er ihr zur Antwort. Sie sind noch heute ganz dieselbe, die Sie in Vaudricour gewesen sind!
Und Sie, Cousin?
Können Sie mich das fragen? erwiderte er, und die Herzogin hütete sich, ihm schnell eine Entgegnung darauf zu machen. Sie schritt jetzt nur, als sei sie des Auf- und Niedergehens müde, die breite Treppe der Terrasse hinunter und wendete sich dann einer der Alleen zu, welche vom schloss aus den ganzen Park in langen Linien durchschnitten.
Die Bäume waren noch blätterlos, aber die Knospen hatten sich bereits stark gefärbt und begannen zu platzen und sich zu entfalten, dass es wie ein farbiger Duft hier bräunlich rot, dort gelblich, und daneben auf den anderen Gipfeln wie ein leichter, grüner Schleier anzusehen war. Die Sonne schien warm, nur hie und da wehte ein leichter, kühler Hauch durch die Luft, und wohin das Auge sich wendete, verkündete der helle frische Rasen das neue Werden der natur.
Die Herzogin ging wie in stillem Geniessen versenkt langsam fort und fort. Erst als sie sich eine Strecke vom schloss entfernt hatten, hob sie den Kopf zu ihrem Begleiter empor, sah ihm mit ihren sanften Augen, aus welchen der Frohsinn ganz entschwunden schien, prüfend in das Antlitz und sagte: Sie haben Recht, mein Freund; und einem mann, der so viel Philosophie besitzt, wie Sie, kann man das wohl aussprechen, ohne ihn damit zu verletzen: Sie sind allerdings älter geworden, als Ihre Jahre, welche auch die meinen sind, es nötig machen. Ich komme mir jünger vor, als Sie, aber mich dünkt, Sie tragen daran selbst die Schuld!
Von einem Anderen die Bestätigung eines Gedankens zu erhalten, der uns nicht angenehm ist und den man sich wegleugnen möchte, ist immer eine sehr peinliche Sache. Aber der Freiherr wollte sich nicht weniger philosophisch zeigen, als die Herzogin ihn nannte, und er fragte sie deshalb mit anscheinendem Gleichmute, in wie fern er nach ihrer Ansicht die Schuld an seiner Wandlung tragen könne.
Ich weiss nicht, meinte die Herzogin, ob ich mich irre. Es ist indess mit uns Menschen wie mit den Pflanzen. Jedwede fordert ihr eigenes Erdreich, ihre eigene ihr angemessene Wärme und Behandlung, und auch wir sind nicht überall hin zu versetzen, nicht für jede Umgebung gemacht. Ich meine, Sie hätten sich nicht aus der grossen Welt zurückziehen sollen.
Der Baron zuckte die Achseln. Ich war ihrer müde geworden, meinte er, und die Baronin ....
Die Baronin ist ein Engel, fiel die Herzogin ihm in die Rede, ein Engel an Güte und an Tugend! Sie besitzt in der Tat alle die Vorzüge, welche ein Mann wie Sie von einer Frau nur fordern kann, aber – denn eine alte Freundin darf ja wohl aufrichtig zu Ihnen sprechen? ....
Aber, rief der Freiherr in einem Tone, der nicht eben ermutigend klang, den jedoch die Herzogin nicht zu beachten für gut fand.
Aber, sagte sie, mich dünkt, für Sie, eben für Sie, Cousin, war sie vielleicht nicht die glücklichste Wahl. Sie sind lebhaft, lebenslustig, beweglich, ein wenig eitel und ziemlich egoistisch. Solche Männer sind in der Regel nicht darauf gestellt, immerfort das Gleiche zu empfinden. Solche Männer wollen auch bewundert werden, wollen etwas zu erringen haben, und an dem Vollendeten bleibt ihm nichts zu erringen, nichts zu tun übrig, als fortdauernd zu bewundern und zu verehren. Die Baronin ist vielleicht zu gut für Sie!
Sie sprach das in einer Weise, die es ihm anheimstellte, ob er ihre Worte ernstaft oder scherzhaft nehmen wollte. Auch zögerte der Baron, ihr zu antworten, und erst nach einer kleinen