die Kraft verloren hatte zu der Umkehr, die ihm Genesung seines Herzens bringen soll. Er bedarf meiner, ich muss Eins mit ihm werden auch im Glauben, denn Mann und Weib sollen Eins sein; und schwach und sündhaft, wie wir Irrenden es sind, haben wir nach meiner festesten überzeugung eines sichtbaren Vermittlers, einer sichtbaren Kirche, haben wir der Zeichen und Symbole nötig, uns täglich daran zu mahnen, was zu tun uns obliegt. Dass Sie, Hochwürden, das tiefste Innere unserer Herzen kennen, Sie, dessen Verschwiegenheit unverbrüchlich ist; Sie, den kein anderes Interesse an uns bindet, als die Liebe, deren Verkünder Sie sind, dass Sie uns raten, uns zurechtweisen, das ist ein Bedürfniss für uns. Es ist ein Bedürfniss für uns, körperlich und geistig uns zu demütigen, uns Bussen aufzuerlegen, denn das zerknirschte Herz verlangt seine Strafe, um sich mit dem Bewusstsein, gelitten zu haben, weil es leiden machte, wieder erheben zu können. Und dass ich weiss, durch sichtbare Zeichen weiss und es erfahren habe, wie die edelsten der Frauen unseres Hauses, wie meines Gatten früh verklärte Schwester und die fromme Tante Ester mir im geist nahe, wie sie meine Fürbitterinnen und Helferinnen sind bei dem Werke der Bekehrung, das mir an mir selbst und an meinem Gatten zu vollziehen obliegt, das ist mein Trost und meine Hoffnung. Ich ....
In dem Augenblicke hörte man das Pferd des Freiherrn in dem hof. Angelika trat an das Fenster, grüsste ihren Gatten freundlich mit der Hand, und sich dann zu dem Geistlichen wendend, sagte sie schneller, als sie vorhin gesprochen: Ich gehöre zu meinem mann, ich gehöre in dieses Haus. Die Freiherren von Arten sind katolisch und sollen es bleiben durch alle Zeit, denn der Katolicismus bietet uns die göttliche, durch den Priester vermittelte hülfe in unserer Sündhaftigkeit, in unserem Streben nach Erhebung viel erfasslicher und tröstlicher, als ich es bisher gekannt habe. Der Mensch hat des sichtbaren Helfers nötig, um zu seinem unsichtbaren Helfer und Erlöser durchzudringen. In wenig Tagen hoffe ich mein Glaubensbekenntniss in Ihre hände ablegen zu können und so Gott will, werden mein Mann und ich vereint in nicht ferner Zeit unsere Gebete um Vergebung an derselben Stelle zum Himmel emporschicken, an welcher so Schweres verschuldet und gelitten worden ist.
Das walte Gott! sagte der Caplan. Angelika knieete vor ihm nieder, er segnete sie. Die Saat, die er behutsam und liebevoll aus fester überzeugung ausgestreut, war durch die Gunst der Verhältnisse weit schneller und weit vollständiger zur Reife gekommen, als er es hatte hoffen und erwarten können. Er fühlte sich dadurch erhoben, stark und mächtig. Er genoss den Lohn für die Beschränkung, in welcher er sein Leben zugebracht hatte, er empfand den Segen der einst Geliebten, die er in seinem Herzen als Heilige und als seinen Schutzgeist ehrte, als sein unverlierbares Glück.
Der Baron fand Angelika noch auf ihren Knieen. Bei seinem Eintritte erhob sie sich und warf sich an seine Brust.
Du Teurer! rief sie, ich danke Dir, dass Du meinen Eltern so gute, schöne, herzerquickende Stunden in unserem haus bereitet hast. Und nun wir Eins sind, nun wir einander ganz und ungeteilt besitzen, nun lass uns vorwärts gehen auf dem Wege, den unser Freund, sie reichte dem Caplan ihre Hand, uns führen wird. Er hat es ausgesprochen: Es gibt nichts, was nicht durch tätige Reue zu sühnen wäre, nichts, wofür die Kirche aus dem reichen Schatze ihrer Gnade nicht die Vergebung spenden könne. Wir wollen sie erringen, erringen mit einander, und ....
Wie verdiene ich Dich? rief der Baron, und schloss sie mit Zärtlichkeit und Freude an sein Herz. Wie verdiene ich Dich?
Sehen Sie den Besitz dieses schönen Herzens, sagte der Caplan mit feierlichem Ernste, als ein Geschenk des himmels, als ein Pfand der Gnade an, und überlassen Sie sich ihm, damit Sie und Ihr Haus sich im wahren und im neuen Sinne auferbauen.
Das will, das werde ich! beteuerte der Baron, und sein Auge leuchtete heller, sein Kopf hob sich freier und leichter, als es seit langer Zeit geschehen war.
Und nicht nur im inneren wollen wir uns auferbauen, rief Angelika, auch ein äusseres Zeichen unserer inneren Bekehrung, ein Zeichen der Reue, der Busse, der Versöhnung muss errichtet und hingestellt werden für alle Zeit. Daran hängt mein Herz, darauf richten sich meine schönsten Hoffnungen. Versprich mir, dass Du mir gewähren willst, was ich von Dir erbitte.
Sie strahlte in wahrer Begeisterung bei den Worten. Der Freiherr blickte sie mit Bewunderung an. Sage, was Du begehrst, Geliebte! es soll Alles, Alles geschehen! sprach er zärtlich und bestimmt,
Angelika's Mienen wurden ernstaft, und ruhiger als vorher sagte sie: Du hast das Haus in Rotenfeld zerstören und niederreissen lassen, als Du noch glaubtest, Dir selbst entfliehen zu können. Nun Du einkehrst in Dich selber, nun wir gemeinsam die Einkehr in das Vaterhaus im Himmel suchen, richte dort in Rotenfeld eine Capelle auf, in der wir uns erinnern mögen, dass der Mensch ein Sünder, und dass Gott dem Sünder gnädig ist. Dort will ich mit Dir knieen, mit Dir beten, und dort wollen wir einst bei einander ruhen, wenn der Herr uns abruft!
Es lag etwas Unwiderstehliches in ihren Worten