teilte.
Soll ich nachsichtig gegen das Unvernünftige sein? entgegnete Paul.
Du siehst nun aber doch, dass der junge Freiherr unserm vernünftigen Rate zu folgen beginnt! gab Steinert ihm zu bedenken.
Weil das wasser ihm bis an die Kehle steigt! sagte Paul. Er darf nicht stehen bleiben, er muss sich bewegen, er muss schwimmen oder untergehen. Wohl ihm, wenn er sich oben zu erhalten weiss!
Es entstand eine Unterbrechung in dem gespräche. Nach einer kleinen Weile meinte Steinert: Ein guter Wirt ist der junge Arten freilich auch noch nicht!
Sieh, fuhr Paul auf, das ist's, was mich so empört! Es ist so einfältig, zwei Taler für dasjenige auszugeben, was man für einen erlangen kann; es ist sinnlos, sich der Mittel für ein künftiges freies Wollen zu berauben. Es ist so dumm, so unverantwortlich dumm, ein Verschwender zu sein. Jeder Schulbube hat einem solchen gegenüber, mag er sein, was er immer wolle, das unbestreitbare Recht, ihm sein "drei von zwei kann ich nicht abziehen" in das Gesicht zu schleudern. Leichtsinnige Verschwendung ist nicht einmal ein Laster. Sie ist nur eine Dummheit, die aber den Charakter mit notwendigkeit verdirbt und die den Menschen, wenn er nicht von ihr ablässt, früher oder später ehrlos machen muss. Sie ist mir verächtlich!
Es widersprach ihm Niemand von den Andern. Sie waren beide auch Männer, welche die Arbeit kannten und an ihr den Erwerb hatten schätzen lernen, Männer, welche es wussten, was die innere Freiheit, die bürgerliche Unabhängigkeit wert sei; die ihren Stolz darein setzten, sie, wenn es sein musste, auch mit schweren Entbehrungen zu erkaufen, und sie hatten sammt und sonders Freude an der Arbeit selbst, wie an ihrem Berufe. Steinert vor Allen war von dem seinigen so eingenommen, dass er unbedenklich annahm, ein Jeder müsse danach trachten, früher oder später aus den Städten auf das Land, in die freie natur hinaus zu kommen, um wenigstens am Abende seiner Tage, wie er es nannte, mit dem Herrgott gemeinsam für des Lebens Notdurft zu arbeiten, und um mit der Erde wie mit dem Himmel ordentliche Bekanntschaft gemacht zu haben, ehe man von ihr scheiden muss. Er kam also, wie sie nun länger bei einander sassen, mit grosser Zufriedenheit auf den Gedanken seines Schwagers, sich vielleicht später in Rotenfeld anzusiedeln, zurück und fragte Tremann, ob ihn nicht auch bisweilen das Verlangen nach freier natur überkomme, ob er nicht auch die Neigung hege, einmal Grundbesitz zu erwerben, wie ....
Wie meine Altvordern? fiel ihm Paul in die Rede, der vor diesen beiden Freunden einen solchen Scherz zu wagen kein Bedenken trug. Aber schon im nächsten Augenblicke sagte er: Es ist gewiss etwas Schönes und Erfreuliches darum, wenn wir ein Stück Erde unser eigen nennen können, und ich habe mich auch beeilt, sobald es für mich tunlich war, mir Haus und Hof für mich und die Meinigen zu erwerben, denn eigenes Haus ist doppelte Heimat. Aber es ist zuletzt doch nicht der Boden, sondern es ist vor Allem unser Zusammenhang, unser Zusammenwirken mit den anderen Menschen, durch die wir uns den rechten Mittelpunkt für das eigene Dasein erschaffen. Wenn ich mir also auch nicht, wie Du, mein alter Freund, etwas auf das direkte Zusammenarbeiten mit einem höheren Wesen, das ich mir nun einmal nicht zu denken vermag, zu Gute tun kann, so erwächst mir doch aus meinem Berufe eine andere und vielleicht nicht geringere Genugtuung.
Gewiss! bekräftigte Herbert. Schon als ich Sie vorhin so beiläufig Ihrer Verbindungen in der Havannah erwähnen hörte, als handle es sich dabei um den Verkehr mit irgend einer Nachbarschaft, trat es mir wieder einmal entgegen, wie farbenreich das Leben eines Kaufmannes sein müsse.
Das Beiwort, welches Sie brauchen, verrät den Sinn des Künstlers, meinte Paul. Indess es ist doch noch etwas Anderes, was mich von meinem Berufe so gross denken und ihn immer aufs Neue lieben macht. – Er hielt einen Augenblick inne und sagte dann: Der Handel ist für die Menschheit so notwendig wie die Luft, die wir atmen, und wie diese ist er eine grosse, bewegende Kraft. Wie ein geübter Steuermann auf offenem Meere steht der Kaufmann in der Handelswelt fest auf seinem platz. Die stille Mondnacht, die sanft hingleitende Woge dürfen seine Wachsamkeit nicht einschläfern, der Aufruhr der Elemente und das Toben des Sturmes seinen Sinn nicht verwirren; denn nicht allein sein eigenes Wohl und Wehe, das Wohl und Wehe Anderer ist seiner Hand anvertraut. Mitten im tobenden Kampfe, mitten im wilden Kriege muss er des Friedens und der Ruhe, in der Ruhe an die Möglichkeit des Kampfes denken. Er muss das Bedürfniss des Augenblicks erkennen, das Bedürfniss der Zukunft voraussehen. Um die eigene Sicherheit, den eigenen Wohlstand zu begründen, muss er jeden vorhandenen Mangel zu erraten wissen und ihm abzuhelfen trachten. Wo ein Ueberfluss sich zeigt, wo eine Not sich fühlbar macht, tritt er ein. Nord und Süd, Ost und West treffen in seinem geist zusammen, erhalten ihre Ausgleichung und ihre Vermittlung durch seinen unternehmenden Sinn, und wie er bei den grossen geschichtlichen Ereignissen ihre Ausführung ermöglichen hilft, so begegnet er dem alltäglichen Anspruche in der entlegensten Hütte. Was der grübelnde Forscher entdeckt, was der tiefsinnige Denker ergründet, der Kaufmann versucht, es für die Allgemeinheit durch seine Tätigkeit nutzbar zu machen