Oelfabrik in grossem Massstabe abgesehen war, zu deren Vorstand man Steinert's Sohn bestimmte. Tremann lieferte den bei Weitem grössten teil der Kapitalien für dieses Unternehmen und behielt sich, des kaufmännischen Betriebes in allen Fächern Meister, die Oberleitung über dasselbe aus der Ferne vor, während seine Bankgeschäfte in der Hauptstadt ihren ungestörten Fortgang hatten und ihn nach allen Seiten hin in den weitverzweigtesten Verbindungen erhielten.
Endlich war man so weit gediehen, dass Herbert die sämmtlichen Papiere zusammenlegen konnte; die Geschäfte waren abgetan. Steinert füllte sich die kurze Pfeife, an die er sich, wie mancher Andre, im feld gewöhnt hatte, Paul brannte sich eine der Cigarren an, die er von Jugend auf in Amerika hatte rauchen lernen und deren Gebrauch sich jetzt mehr und mehr auch in Europa zu verbreiten anfing. Nur Herbert rauchte nicht. Er hatte eine Flasche Wein geöffnet, schenkte davon in die bereit stehenden Gläser und sagte: Auf gutes Gelingen und dass es uns und den Unserigen wohl werde auf dem neuen Besitztume!
Uns? wiederholte Tremann. Denken Sie denn Sich selbst nach einem der Güter überzusiedeln?
Herbert lächelte. Ich denke zwar nicht daran, sagte er; aber Sie wissen, es heisst im Sprichwort: was die Frau will, das will Gott! Und ich werde, wie es mir scheint, allmählich aus der Stadt und auf das Land geführt werden. Meine Eva ist die sehnsucht nach Feld und Flur nie recht los geworden. Obschon wir den grossen Garten am haus beibehalten und ich ihr hier auf dem hof die schönsten Hühnerställe und einen Taubenschlag gebaut, ihr auch alle Sorten von Getier hineingesetzt habe, fehlt ihr doch, wie sie behauptet, die freie natur. Seit nun von dem Ankaufe von Rotenfeld die Rede war, lässt's ihr vollends keine Ruhe mehr, und ich denke, wenn mein Sohn gut einschlägt, wenn er seine Studien beendet hat und sich Vertrauen erwirbt, so mag er hier künftig den Baumeister an meiner Stelle machen. Er soll meine arbeiten fortführen, meine Kundschaft erben, und er mag uns denn als Altenteil das Rotenfelder Amtshaus ausbauen, wohin meiner Eva Gedanken jetzt doch unablässig wandern werden.
Steinert nickte dem Plane Beifall zu. Dass dies wahr werde, Schwager! sagte er und stiess auf's Neue mit ihm an, während er sich mit der Hand den Rauch von Tremann's Cigarre gegen das Gesicht wehte, um ihren Geruch zu prüfen. Woher beziehst Du das Kraut? fragte er.
Direkt von der Havannah, antwortete Paul. Willst Du davon haben, so stehen Dir tausend Stück zu Diensten.
Steinert meinte, er wolle ihn nicht berauben. Der Andere versicherte, dass er in jedem Monate frische Zufuhr haben könne, da er Freunde in der Havannah habe, die ihn wohl versorgten und mit denen er in fortdauernder Verbindung stehe. Er schreibe ihnen ohnehin in wenigen Tagen, und wenn Steinert's Sohn, wie es ja im Werke sei, seinen Rückweg über die westindischen Inseln einschlage, so könne der am füglichsten eine gute Ladung für die ganze Verwandtschaft und Bekanntschaft zu besorgen übernehmen.
Der Junge wird sich wundern, sagte Steinert, und es glitt ein selbstzufriedenes Lächeln über sein braunes Gesicht, wenn er erfährt, dass wir die Güter kaufen! Und, dass ich es Euch ehrlich eingestehe, oft ist es mir selbst eine Art von Wunder, wie die Welt sich um uns her gewandelt hat. Ich habe noch den Grossvater des jetzigen Freiherrn gekannt. Der sass noch im Vollen und wie ein Fürst in seinem schloss. Wenn der jetzt aufstehen müsste! oder wenn mein Vater aufstehen könnte!
Ja, nahm Herbert, als jener mit einem nachdenklichen Kopfschütteln seine Rede plötzlich abbrach, ja, nahm Herbert das Wort, das Hofhalten verstanden sie vortrefflich. Noch als ich nach Richten kam, hatte Alles dort einen schönen und würdigen Anstrich. Man betrachtete es gern, und doch hatte man schon damals das Gefühl, dass die Axt geschliffen sei, den Baum zu fällen. Was man sah, waren schöne Dekorationen, vor denen und hinter denen zwei ganz verschiedene Stükke spielten, und eben darin lag etwas, was die Phantasie beschäftigte und verwirrte und dem man sich nur schwer entzog. Es war gut für mich, dass der Kirchenbau mich zu Euch nach Rotenfeld hinüberbrachte und in gesunde Luft. Mehr Liebe als an diesen Kirchenbau habe ich sicherlich an keine meiner Aufgaben je gewendet.
Die Erinnerung an seinen Jugendtraum stieg wie ein leuchtendes Gewölk vor seinem inneren Auge auf; indess es zog schnell vorüber, und eben Herbert war es, der gleich darauf die Frage aufwarf, was man denn jetzt mit der Kirche beginnen werde.
Steinert meinte, das sei selbstverständlich. Die protestantische Kirche in Neudorf sei immer ein jämmerlicher Bau gewesen, aus Feldsteinen roh und elend zusammengefügt, der hölzerne Turm seit lange dem Einsturze nahe. Innen hätten die Russen die Kirche arg verwüstet; sie sei danach, wie die Umstände der Gutsverwaltung es mit sich brachten, kaum auf das Notdürftigste hergestellt worden. Nichts an der ganzen Kirche und an dem Pfarrhause sei niet- und nagelfest. Man müsse also die protestantische Pfarre, was auch ohnehin bei der Lage der Dörfer immer das Zweckmässigere gewesen sein würde, von Neudorf nach Rotenfeld zu verlegen suchen. Die nötigen Schritte bei der Regierung müsse Herbert, und wenn es etwa bis vor das Kultus-Ministerium und den König käme, Tremann zu tun übernehmen. Die Gemeinde würde sie sicherlich unterstützen, denn ihr,