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eben gefügt hatte, und er konnte, nachdem der Einzug seines Regimentes vorüber war, gleich an seine wichtigsten Geschäfte, an die Vorkehrungen für seine Verheiratung gehen.

Man hatte die Hochzeit, um nicht in zu später Jahreszeit reisen zu müssen, auf die ersten Tage des Oktober verlegt; Renatus hatte also für seine Besorgungen keinen weiten Spielraum vor sich. Er war froh, als er in einer ihm passenden Gegend eine wohnung gefunden hatte, welche ihm die nötigen Bequemlichkeiten für alle Beteiligten neben jenen grösseren Räumen darbot, deren man für eine schickliche Geselligkeit bedurfte. Nur für Valerio wollte sich, wenn man ihm, wie seine Mutter es gewünscht hatte, einen Erzieher annahm, kein rechtes Unterkommen in dem haus finden, und wie jeder, der an neue Verhältnisse herangeht, nach dem alten Sprüchworte oft gezwungen ist, aus der Not eine Tugend zu machen, liess Renatus sich von dem ihm nahe befreundeten Adjutanten seines Regiments-Chefs, mit dem er gelegentlich von seinen Planen, von seiner Einrichtung und von seinen kleinen Verlegenheiten sprach, dahin überreden, dass es für den durch mütterliche Schwäche in jedem Betrachte verwöhnten Knaben fraglos das Angemessenste sein würde, ihn von haus zu entfernen, und dass Renatus also mit seiner ursprünglichen idee, ihn einer öffentlichen Erziehungs-Anstalt zu übergeben, das Richtige für ihn getroffen habe. Die Kadettenhäuser waren nach den Kriegen in ihren Einrichtungen wesentlich verbessert worden; Valerio zu einem Studium zu überreden, welches ihn für den bürgerlichen Staatsdienst geschickt machen konnte, hielt Renatus bei der Art des Knaben nicht für angebracht, und da es in einer neuen, jungen Ehe in keinem Falle bequem war, einen solchen frühreifen Burschen zum täglichen Gesellschafter zu haben, machte Renatus seine Stiefmutter und den Knaben mit seiner Absicht bekannt, ihn in eine der militärischen Erziehungs-Anstalten zu bringen, um ihn sein Heil einmal im Heere, dieser Zufluchtsstätte adeliger Mittellosigkeit und jüngerer Brüder, versuchen zu lassen.

Mitten in diesen Vorkehrungen kamen denn allmählich auch die grossen Wagen voll Hausrat und voll Möbeln an, welche Renatus, um der neuen Wirtschaft und dem neuen haus das alte, würdige Gepräge zu geben, von dem schloss nach der Stadt kommen liess. Renatus wollte die grossen Spiegel, sofern sie sich in die kleineren Zimmer des städtischen Hauses einfügen liessen, er wollte die schönen Möbel und Gerätschaften, die guten, alten niederländischen Landschaften, die italienischen Statuetten und vor Allem die Bilder seiner Eltern und Grosseltern nicht entbehren; er wollte die alten werten Erinnerungen mit sich in die neue Lebenslage hinübernehmen. Er hing an diesen Gegenständen, er hatte zudem auch in dem Palaste der Herzogin erfahren, wie wohltuend das Altergebrachte in der Ausstattung eines Hauses wirke, und mochte der neu erworbene Reichtum der emporgekommenen bürgerlichen Gesellschaft ihr auch jede Art von Luxus zugänglich machen, gegen die Würdigkeit einer solchen überkommenen Einrichtung erschien alles kalt, was der Tapezierer und die Magazine an Neuigkeiten liefern konnten.

Mit wachsendem Behagen sah er aus den leeren Räumen, die er gemietet hatte, allmählich die schöne wohnung entstehen, in welcher es ihm mit der Geliebten wohl werden sollte, und es fügte sich eigen, dass er eben an dem Tage, an welchem er die letzten Schränke in die Zimmer seiner zukünftigen Frau stellen liess, einen Brief Cäciliens erhielt, in welchem sie ihm erzählte, dass sie gestern, wo man zu einer grösseren Gesellschaft in die Nachbarschaft gefahren sei, zum ersten Male den Schmuck habe anlegen wollen, den er ihr gesendet. Er sei jedoch für alle ihre Kleidungsstücke viel zu prächtig gewesen, und sie habe sich also das Vergnügen vorläufig versagen müssen.

Daran hatte der Bräutigam allerdings nicht gedacht; indess nun er darauf, wenn auch sicher absichtslos, hingewiesen wurde, musste dem Mangel notwendig abgeholfen werden. Renatus hatte sich es ohnedies von der Gräfin erbeten, für Cäcilie die ganze Ausstattung besorgen zu dürfen, damit der älteren Schwester nichts von dem, was ihr bestimmt gewesen sei, entzogen werde. Die verhältnissmässige Dürftigkeit Cäciliens rührte den Liebenden desshalb nur noch mehr, und da die leeren Schiebladen und Schränke nach einem Inhalte förmlich zu verlangen schienen, machte er sich ein fest daraus, sie in einer Weise anzufüllen, welche der Geliebten nichts zu wünschen übrig lassen und der jungen Frau von Arten die Möglichkeit gewähren sollte, ihrem stand gemäss in den Kreisen aufzutreten, in denen zu leben sie fortan bestimmt war.

Während er Kleiderstoffe und Spitzen, Shawls und Mäntel, Federn und Blumen, Fächer und Handschuhe auswählte und mit fast weiblicher Sorgfalt in die Schränke räumte, sah er mit vorgeniessender Freude die Geliebte schon damit bekleidet; und weil er eben daran dachte, beschloss er, noch an diesem Tage sich um den Familienschmuck, den der Freiherr nach Vittoria's Angabe bei dem Ausbruche der Freiheitskriege in der königlichen Hauptbank niedergelegt haben sollte, erkundigen zu gehen. Den Niederlegungsschein hatten die Frauen in Richten nicht auffinden können; es musste aber in der Bank wohl zu ermitteln sein, wann der Schmuck übergeben worden war, und Renatus machte sich also dortin auf den Weg.

Die Bankbeamten nahmen die Anfrage des Offiziers, des Mannes mit altem Namen, sehr zuvorkommend auf; man fand auch den Niederlegungstag, wie es sich gebührte, genau verzeichnet, aber der Rücklieferungsschein lag daneben, und er ergab, dass auf des Freiherrn eigene handschriftliche Anordnung der Schmuck nach Jahresfrist dem Hofjuwelier des Königs Behufs einer Umfassung ausgehändigt worden war. Das war kurz vor dem tod des Freiherrn gewesen, und sorglos, wie Vittoria in allen solchen Dingen sich erwies