ein, wie schön die blauen Steine auf dem weissen Halse und an den vollen Armen der Geliebten aussehen würden. Es ist ein so natürlicher Wunsch, das, was man liebt, zu schmücken.
Er erkundigte sich nach dem Werte des Geschmeides, und er fand ihn hoch. Aber Cäciliens schöner Nacken, ihr reizendes, kleines Ohr liessen ihm keine Ruhe. Er meinte sie vor sich zu sehen, er konnte sich die Freude seiner Geliebten bei dem Empfange eines solchen Geschenkes lebhaft vorstellen, und es fiel ihm ein, dass sie ihm einmal, mehrere Wochen vor ihrer Verlobung, geklagt hatte, wie sie aber auch gar nichts von Schmuck besitze, da die Mutter alles, was sie der Art gehabt, schon sehr früh der älteren Schwester gegeben habe. Allerdings bekam Cäcilie einst den ganzen Arten'schen Familienschmuck; indess das waren schwere Brillanten, wie nur eine Frau sie tragen konnte, und jetzt, da er daran dachte, kam Renatus erst wieder darauf, dass der Freiherr den Familienschmuck seiner Zeit Vittorien gegeben hatte, die berechtigt war, ihn, wenn sie wollte, der Frau ihres Stiefsohnes durchaus vorzuentalten. Es fiel ihm dabei aber auf, dass Vittoria, welche in früheren Jahren an diesen Brillanten so viel Wohlgefallen gehabt und einzelne Stücke des Schmuckes immer getragen hatte, sich desselben gar nicht mehr bediente, und er nahm sich vor, desshalb einmal Nachfrage zu tun.
Inzwischen jedoch musste Cäcilie durchaus irgend etwas geschenkt bekommen, und der Goldschmied hatte nicht den ersten Liebenden vor sich, der zwischen seines Herzens Lust und seinen vernünftigen Bedenken einen Vermittler zu Gunsten der ersteren zu finden wünschte. Nach kurzem Zureden, kurzem Verhandeln erstand Renatus den Schmuck und befahl, ihn mit dem Ringe, wohl verpackt, nach seinem Gastofe zu senden. Es war ein Geschenk, wie seiner Zeit der verstorbene Freiherr es der Gräfin Angelika darzubringen vollauf berechtigt gewesen war. Für Renatus jedoch war die Ausgabe viel zu gross, und er hielt sich das auch selber vor; aber, sagte er sich, wenn man im ersten goldenen Sonnenscheine des Glückes nicht einmal seinem Herzen folgen soll, so lohnt es sich ja nicht, zu leben!
Froh über die Freude, welche er der Braut zu bereiten jetzt gewiss war, ging er nach der wohnung seines Oheims. Er meinte, so gut aufgelegt, wie er sich jetzt eben fühlte, mit den Vorstellungen und Einwendungen, welche derselbe, als Hildegard's geschworener Freund und Verehrer, ihm sicherlich nicht vorentalten werde, am leichtesten fertig werden zu können, und es war ihm sehr erwünscht, als er auf seine Anfrage die Antwort erhielt, dass der Graf zu haus, und ihn zu empfangen bereit sei.
Der Graf stand mitten im Zimmer, als Renatus bei ihm eintrat. Er sah nicht übel aus, aber er stützte sich auf einen Stock, und wie es dem Neffen schon auffiel, dass er ihm nicht wie sonst entgegenkam, dass er ihm nicht die Hand reichte, fiel es ihm noch mehr auf, dass der Graf eine sonderbare Art sich zu bewegen angenommen hatte. Er trug sich immer noch sehr gut, indess seine Haltung sah so absichtlich aus, und erst als er nach seinem Lehnsessel gegangen war, sich fest niedergesetzt und seine Beine in eine bequeme Lage gebracht hatte, sagte er: Nun, mein Lieber, Du kommst wohl, Dir meinen besonderen Glückwunsch zu Deiner neuen Verlobung abzuholen? Seit wann bist Du denn zurückgekehrt?
Es fuhr wie ein kalter Luftzug über den jungen Freiherrn hin. Der Anblick seines Oheims hatte ihn, er wusste selbst kaum, wesshalb, erschreckt; der unverkennbare Spott in seinem Tone beleidigte ihn. Er hatte sich indessen darauf gefasst gemacht, hier auf Tadel und Missbilligung zu stossen, zu welchen, er läugnete sich das keineswegs, seine Handlungsweise Jedem, der die Verhältnisse nicht wie er selber kannte, auch ein volles Recht gab. Er überwand also seine Missempfindung und sagte: Ich habe Ihnen, lieber Onkel, denke ich, nicht nötig, eine lange Rechtfertigung meines Tuns zu machen! Sie sind ein Menschenkenner und kennen mich und Hildegard – wir passten nicht zu einander! Mich dünkt also, wie der Augenblick einer solchen Einsicht auch schmerzlich sein mag, man hat sich immer glücklich zu preisen, wenn man sie gewinnt, ehe es zu spät ist, den Folgen seines Irrtums vorzubeugen! Wir passten wirklich in keiner Weise für einander, selbst die Gräfin Rhoden gibt uns dies jetzt zu!
Er hatte sich einen Sessel genommen, ohne dass der Graf, der solche Form der Höflichkeit sonst nie vergass, ihn dazu aufgefordert hatte. Nun, als Renatus seine Behauptung wiederholte, sagte sein Oheim: Eure Unzusammengehörigkeit streite ich Dir nicht ab, mein Lieber, wennschon ich Dir damit kein Compliment zu machen glaube!
Onkel! fuhr Renatus auf. Aber der Graf, der bis dahin mit voller, kräftiger stimme gesprochen hatte, senkte diese plötzlich, und seine kalte Hand auf die des jungen Freiherrn legend, sagte er: Gemach, mein Lieber, und mässige Dich! Du siehst, ich bin noch etwas angegriffen, Deine Brust ist stärker, als die meine.
Renatus schwieg, weil seine gute Erziehung ihn dem älteren mann gegenüber Rücksicht nehmen hiess; aber er presste die Hand unwillkürlich fest um den Griff des Säbels zusammen, den er zwischen seinen Knieen hielt, und er nahm sich vor, sein Herz vor dem kranken Bruder seiner Mutter im Notfalle eben so fest zusammenzufassen.
Du sagst