aufmerksam zu machen, dass die Schreiberin jener Briefe von dem Missbrauche, der mit denselben getrieben worden ist, nicht Kenntniss hat und nicht Kenntniss erhalten wird. Diese Beleidigung und Kränkung sind von ihr durch mich glücklicher Weise abgehalten worden. Die Angelegenheit ist also zwischen Ew. Hochgeboren und mir zu ordnen, und ich habe dabei nur noch zu bemerken, dass ich der Kriegsrätin gegenüber meine Massregeln in der Art genommen habe, dass neue Ansprüche und Erpressungen auf Anlass ähnlicher Papiere von ihrer Seite künftig nicht mehr zu befürchten sind. Ihrer baldigen Antwort entgegensehend
P a u l T r e m a n n ."
Er hatte diesen Brief eben erst einem Boten zur Besorgung gegeben und wollte sich in das Comptoir verfügen, in welchem inzwischen seine Gehülfen angekommen und an ihre Arbeit gegangen waren, als man ihm den Freiherrn von Arten-Richten meldete.
Es war seit lange von der Rückkehr desselben die Rede gewesen, aber sie kam Paul doch jetzt völlig unerwartet, und weil er voraussah, dass die Besprechung, welche er mit Renatus haben musste, eine längere Zeit erheischen würde, begab er sich erst zu seinen Leuten, um mit ihnen das Nötige zu bereden und ihnen seine Befehle zu erteilen, während er den Freiherrn ersuchen liess, ihn in dem Privatzimmer, in welchem Paul sich bis dahin aufgehalten hatte, zu erwarten.
Renatus war der gang zu diesem Besuche schwer geworden, und die Bemerkungen des Grafen Gerhard hatten nicht dazu beigetragen, ihm denselben zu erleichtern.
Er war beunruhigt durch den Gedanken, wie Paul im grund über ihn und über jene seine Massnahme urteilen möge, nach welcher er ihm vor Jahren seine Angelegenheiten anvertraute. Er für sein teil war jetzt sehr geneigt, diesen Schritt für eine romantische und grossmütige Unbesonnenheit zu halten, um derentwillen er von sich nicht schlechter dachte, die er aber doch bereute. Der Graf hatte ihm mit seiner Schilderung der rastlosen Habgier, die jedem Kaufmanne inne wohnen sollte, ein widerwärtiges Bild in die Seele gedrückt; indess weder das Haus, in das er getreten war, noch der Raum, in welchen man ihn jetzt gewiesen hatte, stimmten mit des Grafen Voraussetzung zusammen.
Der wohlanständige Hauswart, der ernstafte Diener in schwarzer, bürgerlicher Kleidung, die mit Teppichen nach englischer Weise belegten Fluren und Korridors, auf denen der Tritt nicht hörbar war, konnten eben so wohl in dem haus einer Herzogin ihren Platz finden, und dieses Zimmer, in welchem Renatus den Kaufmann zu erwarten hatte, trug vollends ein beruhigendes Gepräge. Die dunklen Tapeten, die zurückgezogenen dunklen Fenstervorhänge, der grosse Schreibtisch und die wenigen schweren Armstühle, die in dem Zimmer standen, sahen sehr würdig aus. Die grossen Special-Landkarten an den Wänden, die nicht unbedeutende Bibliotek, welche die eine Seite des Gemaches einnahm, und eine Reihe von Modellen zu Maschinen, die auf einem der Tische aufgestellt waren, hätten auch in das Zimmer eines Gelehrten gehören können. Renatus, der viel Freude an allem Zusammenstimmenden besass und durch den Anblick desselben, wie durch eine angenehme Luft, sehr leicht besänftigt wurde, hätte sich wahrscheinlich auch jetzt diesem wohltuenden Eindrucke bereitwillig hingegeben, hätte ihm nicht die ihm bevorstehende Unterredung mit ihren unerlässlichen Erörterungen gar zu schwer auf dem Herzen gelegen und hätte er es verschmerzen können, dass er hier als ein Fremder auf den Herrn eben dieses Hauses warten musste, das einst seiner Familie angehört hatte.
Er hatte auf die Einladung des Dieners in einem der altertümlichen Lehnstühle Platz genommen, die vor dem Kamine standen, und wie er von dem knisternden Feuer zu den Ausschmückungen des Simses hinaufblickte, leuchtete ihm das Arten'sche Wappen mit seinem fortis in adversis, hell von den Flammen angestrahlt, vertraut und doch schmerzlich entgegen. Er zweifelte nicht, dass auch diese hochlehnigen Eichensessel, dass der schwere, schön geschnitzte Tisch, der jetzt den Modellen und Maschinen zum Träger diente, dass diese grosse, altmodische Uhr einst Arten'scher Besitz gewesen waren, welcher bei der Versteigerung des Hausrates an die neuen Eigentümer direkt oder indirekt übergegangen war; und ungeduldig den grossen, langsam fortrückenden Zeiger der Uhr verfolgend, wollte er sich eben erheben, als die tür, welche nach dem Comptoir ging, sich lautlos öffnete und, eben so lautlos hereintretend, der Herr dieses Hauses vor ihm stand.
Willkommen in Deutschland! sagte er; und ich bitte um Verzeihung, dass ich Sie warten liess! Ich war dazu genötigt, um jetzt völlig zu Ihrer Verfügung zu sein. Seit wann sind Sie zurück?
Renatus antwortete, dass er schon gestern gekommen sei; aber er konnte sich in den geschäftsmässigen, wennschon sehr verbindlichen Ton des Andern nicht gleich finden, er konnte überhaupt sich noch nicht Rechenschaft von demjenigen geben, was in ihm vorging. Das Arten'sche Gesicht, Paul's mit jedem Lebensjahre wachsende Aehnlichkeit mit dem verstorbenen Freiherrn verfehlten ihre wirkung auch jetzt wieder nicht auf dessen Sohn. Aber dieser Mann in der dunkeln, bürgerlichen Tracht, auf dessen hoher Stirn die sorge ihre Spur in leichten Furchen zurückgelassen hatte und in dessen braunem Gelocke hier und da bereits ein weisser Silberfaden schimmerte, war das noch derselbe Offizier, der feurige Krieger, der einst wie ein sankt Georg mit seinem flammenden Schwerte zwischen Renatus und den Tod getreten war? Auch jenem Jünglinge, mit dem der junge Freiherr einst in Seba's Zimmer so feindselig an einander geraten war, glich Paul jetzt nicht mehr. Die frische Farbe seines Antlitzes war bleicher geworden, alle seine Züge