der König, den diese Weise der Unterhaltung, wie sie in den Tagen seiner Jugend Mode gewesen war, immer noch erheiterte, weil er sich in ihr jung erschien und sich seiner mannigfachen geselligen Vorzüge angenehm bewusst ward, eine solche Schönheit ohne Gnade würde auch vor unseren Augen keine Gnade finden! Aber ich fürchte, es ist mehr als ein allgemeiner Satz, den Sie hier ausgesprochen haben, und ich errate, wer die schöne Unerbittliche ist, an die Sie dabei dachten.
Niemand als der König konnte die Antwort der Herzogin vernehmen, Niemand hörte, was er ihr entgegnete; aber Aller Augen waren auf sie gerichtet, denn die Unterredung währte noch eine Weile fort, und keinem von allen seinen Gästen hatte der König ein so langes Zwiegespräch gegönnt.
Wovon konnten sie sprechen? Wesshalb lächelte der König so anmutig? Woher glänzten die Augen der Herzogin in einem Feuer, das ihrer Jahre spottete, als sie sich endlich von ihrem Sitze erhob und dem Könige mit tiefer Verbeugung, welche kunstreich zu machen Niemand besser als sie verstand, ihren heissen Dank aussprach? –
Der König liess sich langsam durch den Saal fahren, um jedem der Anwesenden, die jetzt, wie es sich gebührte, wieder im Kreise umherstanden, ein Wort zu sagen. Als die Reihe an die Herzogin kam, lächelte er wieder eben so freundlich, als vorhin, und so laut, dass es Keinem entgehen konnte, sprach er: Verlassen Sie Sich auf mich! Ich mache Ihre Sache zu der meinigen; verlassen Sie Sich auf mich!
Dann trat der Ober-Ceremonien-Meister vor, der König winkte den Anwesenden mit einer Neigung des Hauptes und der Hand seinen Abschiedsgruss zu, und langsam den Rollsessel fortbewegend, fuhren die Kammerdiener den Monarchen durch die lange Reihe der Gemächer nach seinen Wohnzimmern, während die besondere Gnade, deren die Herzogin genoss, und die geheimnissvollen Worte, welche er ihr zugerufen hatte und die auf ein völliges Einverständniss schliessen liessen, die Hofleute sammt und sonders in Aufregung und Verwirrung setzten.
Die wundersamsten Vermutungen wurden ausgesprochen und fanden Glauben. Dass die Herzogin durch die Gnade des Königs, ohne all ihr Zutun, wieder in den Besitz von Vaudricourt gekommen war, und dass der König ihr zugesagt hatte, sobald er im stand sein werde, die Reise durch die Provinzen anzutreten, in Vaudricourt bei ihr zu rasten, das hatte schon lange festgestanden; aber man hatte kein sonderliches Gewicht darauf gelegt, da man wusste, dass der König zwar von Reisen sprach, dass er aber ihre Unbequemlichkeit scheute. Was also hatte er ihr verheissen? Was hatte sie begehren können? Was konnte ihr so sehr am Herzen liegen, dass sie Seine Majestät damit zu behelligen wagte?
Persönlicher Ehrgeiz konnte die hochbetagte Frau nicht antreiben, dem Könige beschwerlich zu fallen; wo jedoch Viele sich zu gleichem Zwecke vereinen, braucht man an dem Erfolge nicht zu verzweifeln, und noch hatten die letzten Gäste des Königs das Schloss der Tuilerieen nicht verlassen, als der diensttuende Kammerherr sich erinnerte, wie Seine Majestät zu Anfang jener Unterredung von einer unbesieglichen Schönheit gesprochen habe; und man kannte den unternehmenden Geist der Herzogin genugsam, um ihr ein Wagniss zuzutrauen, wenn sie nur durch ein solches an ihr Ziel gelangen konnte. Von Mund zu Mund sprach sich die überzeugung aus, dass der König es der Herzogin zugesagt habe, den Freiwerber des Prinzen Polydor bei der Gräfin Haughton zu machen, und als an einem der folgenden Tage der König einen jener Tagbälle ansagen liess, welche unter seiner herrschaft am hof bisweilen abgehalten wurden, brachte man denselben mit dem Ereignisse in Verbindung, das den ganzen Hof beschäftigte und von dem man selbst in den stillen Sälen des erzbischöflichen Palastes reden hören konnte.
Es war gegen den Abend hin, als der Abbé im Vorsaale des Erzbischofs auf den Augenblick wartete, in welchem er den Zutritt zu demselben erhalten konnte. Ein eigenes Handbillet des Kirchenfürsten hatte ihn aufgefordert, sich bei ihm einzustellen, und ruhig, wie seine ganze Haltung es immer war, sass der Abbé an einem der hohen Fenster und las bei dem letzten Scheine des Tages in seinem Brevier.
Eine Viertelstunde mochte so hingegangen sein, als ein Ordensgeistlicher das Empfangszimmer Seiner Eminenz verliess und der Kammerdiener dem Abbé die Kunde brachte, dass er jetzt erwartet werde.
Es ist lange her, Herr Abbé, redete der Erzbischof ihn an, dass ich Sie nicht bei mir gesehen habe, und ich hatte Ihren Besuch seit einiger Zeit erwartet, weil ich eine Nachricht von Ihnen zu erhalten hoffte, an welcher man nicht allein von unserer Seite teil nimmt. Sie haben, ich weiss es, gestern wieder die Gnade genossen, von Seiner Majestät im Besonderen empfangen zu werden. Wovon hat Seine Majestät zu Ihnen gesprochen?
Der Erzbischof war schon ein Mann bei Jahren. Das Licht einer von der Decke herabhängenden doppelarmigen Lampe beleuchtete seine hohe Stirn und liess jeden seiner feinen und scharfen Züge erkennen, wie er in seinem hochlehnigen Sessel fest und aufrecht da sass, während seine Hand, an welcher der Fischerring erglänzte, auf der breiten Seitenlehne ruhte. Auf dem Tische vor ihm lagen Briefschaften, Papiere, Akten, Druckschriften und Bücher aller Art, teils in Päcken sorgfältig gesondert, teils zur Unterzeichnung vorgelegt und ausgebreitet. Es war ein edler Raum, einfach und doch fürstlich ausgestattet. Der Abbé war in demselben wohl zu haus.
Als sein Auge über den Schreibtisch des Erzbischofs hinglitt, entdeckte sein sicherer blick trotz dieser Schnelle auf einem der Briefe