erfreulich.
Als ihm die Anzeige von dem Ableben des Kaufmanns Flies durch das allgemeine Rundschreiben der Firma auf dem Umwege über Richten zugegangen war, hatte Renatus mit einem gewissen Erschrecken aus demselben Briefe ersehen, dass der jetzige Inhaber des Geschäftes aus dem Heere in sein Haus zurückgekehrt sei und den Angelegenheiten desselben nunmehr wieder in person seine Tätigkeit widme.
Dem Sohne seines Vaters mittelbar, wenn es sich so fügte, einen Vorteil zuzuwenden, hatte dem jungen Freiherrn angemessen und wohlanständig gedünkt; aber er mochte sich dagegen sträuben und sich dagegen vorhalten, wie und was er wollte, dieser Bastardbruder, der ihm, als sei es das Recht seiner Erstgeburt, die Züge seines Vaters, der ihm das Antlitz und die Haltung der Herren von Arten entwendet zu haben schien, war ihm immer eine unheimliche Gestalt gewesen. Seit nun vollends Renatus es den Seinigen verschwiegen, dass es eben Paul gewesen sei, dem er die Errettung aus Todesgefahr zu danken habe, hatte das Bewusstsein, eine Undankbarkeit begangen zu haben, seine unbestimmte Abneigung gegen seinen Halbbruder noch gesteigert; denn es liegt in der natur der meisten Menschen, dass sie demjenigen zürnen, dem sie ein Unrecht zugefügt haben.
Er bereute es jetzt, die Verbindung mit dem alten Flies nicht gleich nach dem tod des Freiherrn abgebrochen zu haben, er ging mit sich zu Rate, ob und wie er diese Versäumniss jetzt unschädlich machen könne; aber die Sache hatte, besonders da er in Paris zu bleiben wünschte, ihre grossen Schwierigkeiten, ja, sie dünkte ihn in den gegenwärtigen Zeitläuften und Umständen, ohne Gefahr für seine Angelegenheiten, gar nicht ausführbar. Wenn er dem neuen Geschäftsinhaber des Flies'schen Hauses ein kränkendes Misstrauen zeigte, konnte derselbe sich leicht versucht fühlen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten und die Flies'schen Capitalien zu kündigen, die, seit langen Jahren auf Neudorf und Rotenfeld eingetragen, jetzt ohne Frage höher zu verwerten waren, als in jenen Hypoteken. Dazu wusste Renatus, der sich bisher in der Heimat nur unter seinen Kameraden und inmitten der seiner Familie befreundeten adeligen Gesellschaft bewegt hatte, ganz und gar nicht, wie und in wem er einen Ersatz für die alten Geschäftsfreunde seines Hauses zu suchen habe oder wen er an Stelle des alten Flies zum Curator Vittoria's und Valerio's ernennen lassen solle. Und nachdem er im geist lange suchend um sich her gesehen hatte, meinte er plötzlich, doch eben in Paul den Mann gefunden zu haben, dessen er bedurfte.
Der Mann, der mich mit eigener Lebensgefahr beschützte, der also meinen Untergang nicht wünschte, kann nicht im stand sein, so sagte er sich, mich irgendwie geflissentlich zu schädigen. Und dieser auf das menschliche, natürliche Gefühl richtig gebaute Schluss fand, nachdem er ihn einmal gezogen hatte, in dem Adelsstolze des jungen Freiherrn sofort noch eine unvorhergesehene Bekräftigung; denn obschon Renatus dies nur anerkannte, wenn es ihm eben für seine Zwecke passte, es floss doch immer Arten'sches Blut in Tremann's Adern, und dieses konnte sich nicht in Paul verläugnen, mit solchem Blute war man keiner niederen, keiner schlechten Handlung fähig.
Er war einen Augenblick nahe daran, es Tremann unumwunden auszusprechen, wie er in der Beziehung, in welcher sie zu einander ständen, und in der Selbstaufopferung, mit welcher Paul ihm vor Möckern beigestanden habe, die beste Bürgschaft dafür zu besitzen glaube, dass er die Familien- und Geschäfts-Angelegenheiten des Hauses von Arten-Richten keiner zuverlässigeren Kontrole, als der seinigen übergeben könne. Indess Renatus war von früh auf dazu angehalten worden, bei allem seinem Tun es reiflich zu überlegen, ob er sich und seinem stand damit auch nichts vergebe, und dieses ewige Erwägen hatte ihm allmählich die Fähigkeit eines schnellen Entschlusses und jede Möglichkeit eines Handelns nach freien, plötzlichen Eingebungen ein für alle Mal genommen. Seine Erziehung hatte ihn, wie einen Fürsten, ängstlich und scheu, hatte ihn misstrauisch gegen Andere und gegen seine eigenen besten Empfindungen gemacht.
Er bedachte also auch in diesem Falle wieder, dass ein solches Aussprechen seines Vertrauens ihm für spätere zeiten unbequeme, bindende Verpflichtungen auferlegen könne; dass es den scharfsichtigen Kaufmann leicht auf ein vorhergegangenes Misstrauen schliessen lassen dürfte, und als er dann endlich die Feder in die Hand nahm, um Paul mit nötiger Behutsamkeit seine Zugeständnisse und Vorschläge zu machen, deutete er es ihm also, ganz gegen seine erste Absicht, in keiner Weise an, dass er wisse, in welchem Verhältnisse Paul zu seinem Vater gestanden habe. Er erwähnte es auch mit keinem Worte, dass er seinen Erretter in der Schlacht erkannt. Er erklärte ihm nur ohne Weiteres, wie er ihn, als den Nachfolger des Herrn Flies, mit welchem die Familie von Arten seit langen Jahren alle ihre Geschäfte zu machen gewohnt gewesen sei, auch ferner mit denselben ganz und gar zu betrauen wünsche. Sollte Paul jedoch aus irgend einem grund zu der Uebernahme dieses Auftrages nicht geneigt sein, so müsse er ihn trotzdem jedenfalls ersuchen, sich der bisherigen Mühewaltung wenigstens so lange zu unterziehen, bis Renatus in die Heimat zurückkehren und sich, sofern dies nötig würde, nach einem andern Handlungshause für seine Zwecke umsehen könne. Er sprach danach in guter Form die Hoffnung aus, dass die alte Geschäftsverbindung keine Störung zu erleiden brauche, knüpfte daran den Wunsch, dass sie beiden Teilen erspriesslich werden oder bleiben möge, und als er den Brief dann noch einmal gelesen und gesiegelt hatte, hielt er sich überzeugt, als ein sich