von Duras das Zeitliche verliess, fand die Frau Herzogin sich von dem Genossen ihrer Sünde, wenn nicht vergessen, so doch aufgegeben. Erst nach dem tod der gottergebenen Frau Fürstin stellte die alte Freundschaft zwischen Ihrer Frau Tante und dem Fürsten von Chimay sich allmählich wieder her, und Sie werden es, da Sie die Frau Herzogin ja kennen, nur begreiflich finden, wie viel ihr daran gelegen sein muss, Sie, die Sie ihre rechtmässige und einzige Erbin sind, mit dem Prinzen Polydor, mit ihrem Sohne, zu verbinden.
Eleonore war dem Berichte des Geistlichen mit höchster Spannung, mit grosser Aufregung gefolgt. Nun, da er seine Erzählung beendet hatte, leuchtete eine unheimliche Freude aus ihren Augen.
Ja, Sie sind mein Freund! rief sie triumphirend aus, Sie sind mein wahrer, mein einziger Freund, und Sie sollen es sehen, dass ich Ihres Vertrauens nicht unwert bin, Herr Abbé! Aber mich brauchen lassen wie fräulein von Merrieux? Mich brauchen lassen, um Ihren Fehltritt gut zu machen und Ihrem Sohne sein Erbe zuzuwenden? – nimmermehr, Frau Herzogin, nimmermehr! Dazu ist Eleonore Haughton nicht gemacht! – Noch einmal meinen Dank, mein Freund, mein edler, mein grossmütiger Freund! wiederholte sie dem Abbé, und sich dann plötzlich von ihm wendend, verliess sie das Gemach.
Der Abbé sah ihr schweigend nach. Er war mit sich zufrieden, und wie ein sieggewohnter Mann das Gelungene erwägend, dasjenige, was jetzt zu leisten war, bedenkend, ging auch er von dannen, um ruhig und in sich gefasst, wie immer, der Frau Herzogin seine gewohnte Aufwartung zu machen.
Siebentes Capitel
Renatus hatte, seit er der Gast der Herzogin und am hof empfangen worden war, nur selten und nur flüchtige Briefe in die Heimat gesendet, und er schlug sich die Nachrichten, welche ihm von dort mit Regelmässigkeit gegeben wurden, gern aus dem Sinne.
Hildegard kam in jedem ihrer Briefe darauf zurück, dass die Signorina, wie sie Vittoria noch immer zu nennen liebte, sich in unbegreiflicher Weise verändert habe. Sie sei heftig und herrisch geworden, könne sich nicht darein finden, nicht mehr die ausschliessliche Neigung ihres Stiefsohnes zu besitzen; sie missgönne Hildegarden die Liebe ihres Verlobten, und an den Gedanken, künftig nicht mehr die Herrin des Hauses zu sein, könne oder wolle sie sich entschieden nicht gewöhnen.
Die Schreiberin versicherte dabei, dass sowohl sie als ihre Mutter alles Mögliche täten, das gute, alte verhältnis zwischen ihnen und der Signorina aufrecht zu erhalten. Dies sei aber gar nicht leicht, und es gelinge eigentlich nur Cäcilien, die noch immer dasselbe harmlose Kind geblieben sei, Vittorien zu gefallen und zufrieden zu stellen.
Dazu bemerkte Hildegard, es falle ihr auf, wie die gleichen Ereignisse auf die verschiedenen Charaktere verschieden wirkten. Was sie beträfe, so habe der Ernst der zeiten sie gereift und ihren Sinn mehr und mehr dem äusseren Scheine abgewendet. Sie preise sich desshalb glücklich, dass sie berufen sei, künftig an ihres geliebten Renatus Seite auf dem land in edler und ernster Zurückgezogenheit ihre Tage hinzubringen. Sie habe in diesem Betrachte durchaus den Sinn und die Anschauungsweise ihrer Mutter geerbt. Cäcilie hingegen trage ein Verlangen nach der Welt, in dem sie von der Signorina, welche die Welt freilich noch weniger als ihre Schwester kenne, bestärkt werde, und die Mutter sei der Meinung, dass man den Beiden keine Hindernisse in den Weg legen dürfe, sondern ihnen so bald als möglich die gelegenheit eröffnen müsse, sich selber durch die Gehaltlosigkeit der sogenannten Zerstreuungen von dem Werte einer ernsten Lebensführung zu überzeugen. Sie habe eben desshalb einen Plan entworfen, den sie Renatus bei seiner Rückkehr vorzulegen denke und dessen Ausführung hoffentlich das Wohlbehagen Aller sichern werde, während er zugleich die Mittel für eine zweckmässige Erziehung Valerio's darzubieten verspreche, der hier im schloss, unter der schwachen Hand und bei dem launenhaften Sinne seiner Mutter, völlig sich selber und seiner eigenen Phantastik überlassen sei.
Sie erwähnte dann noch, dass man ab und zu Besuche aus der Nachbarschaft empfange, dass sie und die Mutter sich darin um des lieben Friedens willen den beiden lebenslustigen Freundinnen gern fügten und dass neulich auch Graf Gerhard wieder für einige Tage, von Berka kommend, im schloss ihr Gast gewesen sei. Da Renatus keine Zuversicht zu der Sinnesänderung seines Oheims besitze und ihrem und ihrer Mutter Auge nicht vertraue, entalte sie sich, ihrem Verlobten zu berichten, wie wohltuend des Grafen männliche Haltung auf Vittoria eingewirkt habe und wie eine einzige geheime Unterredung, die er mit derselben gehabt habe, die Baronin zu einem Nachdenken, ja, zu einem Ernste gebracht hätte, welchen der jetzige Geistliche in Vittoria hervorzurufen leider nicht verstehe. Auch mit dem Amtmann und mit dem Justitiarius habe der Graf, der sich in den letzten Jahren in Berka vielfach mit der Landwirtschaft beschäftigt, gelegentliche Rücksprache genommen und danach ihr und der Mutter es an das Herz gelegt, Renatus zur Ernennung eines der Gutsverwaltung und der Landwirtschaft kundigen Generalbevollmächtigten zu bestimmen, falls er nicht bald zurückkommen und die allerdings schwierige Verwaltung seiner Güter wie die eben so wenig leichte Ordnung seiner Vermögensverhältnisse selber zu übernehmen entschlossen sein sollte.
Je weniger der Inhalt dieser Briefe mit dem fröhlichen Leben zusammenstimmte, in welchem Renatus sich bewegte, um so unangenehmer wirkten sie auf ihn, und auch die Briefe, welche er, seit Herr Flies gestorben und Paul der Inhaber des Flies'schen Geschäftes geworden war, aus der Residenz erhielt, waren nicht