dem ich früher gearbeitet habe, Landankäufe in Amerika gemacht habe und noch zu machen denke, die verwertet werden sollen. Dabei können wir junge Leute, die, wie Dein Sohn, in der Landwirtschaft aufgewachsen und bei ihr hergekommen sind, verwenden, und er kann, indem er unseren Absichten dient, sich die Grundlagen eines selbständigen Vermögens erschaffen, mit dem er sich dann später in der neuen oder in der alten Welt auf die eigenen Füsse stellen mag, auf denen jeder Mann denn doch am besten steht. Diese Aussicht will ich ihm eröffnen, ehe ich gehe, vorausgesetzt, dass sie Deinen Ansichten nicht widerspricht, und ich müsste mich in dem braven Burschen irren, wenn nicht endlich in ihm das Verlangen nach Selbständigkeit den Sieg über die Freude an den blanken Epaulettes davontragen sollte.
Steinert drückte dem Freunde die Hand. Du bist sehr gut, sagte er, denn selbst mit Sorgen beladen, sorgst Du Dich um Andere, und während Du eigene, schwere Vermögensverluste zu ersetzen hast, denkst Du daran, das Vermögen Dritter zu begründen. Wie soll ich Dir das danken?
Danken? wiederholte Paul; davon kann ja in dieser einfachen Angelegenheit gar nicht die Rede sein. Sieh', fuhr er dann, nachdem sie eine Weile schweigend neben einander hergegangen waren, in seiner Rede fort, sieh', das dünkt mich so schön am Leben, dass für denjenigen, der geneigt ist, die Verhältnisse einfach zu nehmen, sich Alles einfach macht oder doch mit leichter Mühe zurechtlegen lässt, wenn der Mensch nur erst begriffen hat, dass sein Vorteil und der Vorteil aller Anderen gleichbedeutend sind. Zu dieser Einsicht gelangt aber Niemand so leicht und so sicher, als der Kaufmann, der durch tägliche Erfahrung darüber belehrt wird, wie sein Wohlstand auf den Wohlstand Anderer begründet ist, und wie er den seinen nicht vermehren kann, wenn er das allgemeine Capital des auf der Erde vorhandenen Besitzes nicht vergrössern hilft. Es ist für mich schon lange eine Ueberzeugungssache, dass klug und gut in gewissem Sinne gleichbedeutend sind, und dass man immer das Gute tut, wenn man das von den praktischen Verhältnissen Gebotene befördert. Im grossen Sinne ein Kaufmann zu sein, ohne seinen sittlichen Wert dadurch zu erheben, scheint mir fast unmöglich.
Man sollte an die Richtigkeit dieses Satzes glauben, meinte der Andere, wenn man Dich vor Augen hat, und doch, dass ich Dir es ehrlich gestehe, haben der Glückswechsel und die Unsicherheit der Zustände, wie sie sich im Handel kundgeben und wie Du sie an Dir selber jetzt erfahren müssen, etwas, das mich gegen den Handel einnimmt und mich, wie ich einmal geartet bin, unfähig gemacht haben würde, ihn zu betreiben. Von einem Tage zum andern neue Plane zu schmieden, beständig über Erfolg und Misslingen im Ungewissen, fortwährend mit seinem Sinne auf die Verhältnisse der ganzen Welt gerichtet zu sein, wäre meine Sache nicht. Ich muss den festen Grund und Boden unter meinen Füssen fühlen, ich will es nur mit ihm und mit den natürlichen Ereignissen, die Gott uns schickt, zu tun haben, will der Erde abgewinnen, was sie mir zu bieten hat, und mit langsamer Beharrlichkeit die Hindernisse überwinden, die sich mir entgegenstellen, die Wunden heilen, die mir, wie Dir und Andern, durch diesen Krieg geschlagen worden sind. Zum Kaufmanne muss man geboren sein; in unserem Blute liegt es nicht!
Als ob es in dem Blute läge, aus dem ich stamme, als ob ich von dem Freiherrn von Arten oder von meiner armen Mutter die Einsicht und die Ueberzeugungen vererbt erhalten hätte, aus denen ich lebe! hätte Paul entgegnen mögen. Aber er hielt den Ausruf vorsichtig zurück. Er wusste, dass er hier an der Grenze stehe, über welche hinaus der Andere ihm nicht zu folgen vermochte, weil er, aufgewachsen in den Ueberlieferungen eines alten Familiengeistes und nicht vollständig gebildet, nicht fähig war, aus dem Kreise herauszutreten, in dem er sich rüstig zu bewegen gewohnt war, und eben so unfähig, sich über sich selber zu erheben und, von sich absehend, sich in der Allgemeinheit wiederzuerkennen.
Sie hatten während dessen Paul's Quartier erreicht, und Adam verliess den Freund, weil dieser, wie er es nannte, noch seine Post zu besorgen, das heisst die Briefe zu schreiben hatte, mit denen er, seit er nach dem zweiten Einzuge der Alliirten in Paris wieder zu einer gewissen Ruhe gelangt war, die Verbindung zwischen sich und seinem Handelshause und seinen Geschäftsfreunden unterhielt, um auch aus der Ferne den Betrieb der von ihm eingeleiteten neuen Unternehmungen zu fördern.
Zweites Capitel
Es war spät am Abende, als Paul das Siegel auf den letzten seiner Briefe drückte. Ein Courier, welchen der Feldmarschall in der Frühe des nächsten Morgens in die Heimat entsenden wollte, hatte die Beförderung dieser Briefe zugesagt, und Paul hatte eben seine Feldmütze aufgesetzt, um das Packet, der Sicherheit wegen, selbst in die Kanzlei des Feldmarschalls zu tragen, als ihm unten vor der tür seiner Behausung der Postbote ein Schreiben aushändigte, das durch eine Estafette für ihn aus Berlin angekommen war.
Er trat in das Haus zurück, um den Brief zu lesen. Er war von Seba geschrieben und entielt nichts als die Worte: "Unser teurer Vater ist von einem Schlaganfalle getroffen, man gibt wenig Hoffnung für seine Erhaltung. Er äussert, so weit er sich verständlich machen kann, das Verlangen, Dich zu sehen. Ist es