Davide in demselben, ohne dass sie eigenes Vermögen hätte, aufgewachsen, und der alte Flies hat ein langes Leben damit zugebracht, seinen Besitz und seine kaufmännische Stellung zu begründen. Sie sind sammt und sonders wohltätig und mitteilsam; sich zu beschränken, würde ihnen allen schwer fallen, und es war auch bis jetzt noch keine Veranlassung dazu. Wo Credit, Arbeitskraft und Einsicht in die Verhältnisse der Zeit vorhanden sind, braucht man nicht ängstlich zu sein: sie sind Vermögen und übertragen oder verwandeln sich mehr oder weniger schnell auch wieder in greifbaren Besitz. Unser Credit hat sich, weil wir alle diese Krisen überstanden haben, wie gesagt, erhalten; aber mit siebenzig Jahren hat man die rasche Entschlossenheit, den sicheren, schnellen Ueberblick nicht mehr, deren der Kaufmann nicht entraten kann, und ein Kaufmann im grossen Style war mein alter Wohltäter niemals. – Er machte eine kleine Pause und fügte dann hinzu: Du siehst also, dass ich nach haus gehen muss, und es scheint mir nicht, als ob man uns Freiwilligen dabei grosse Schwierigkeiten in den Weg zu legen denke.
Steinert wollte wissen, auf welche Weise Jener um seinen Abschied eingekommen sei. Paul sagte, er habe vorläufig nur einen Urlaub auf drei Monate begehrt; nach Verlauf derselben werde man voraussichtlich so weit mit den Friedensverhandlungen vorgeschritten sein, dass man die Landwehr in die Heimat entlassen werde, und dann gehöre ohnehin Jeder wieder sich und seinem bürgerlichen Berufe. Steinert sah das als richtig ein und beschloss, das gleiche Verfahren für sich einzuschlagen; nur wegen seines Sohnes konnte er zu keinem Entschlusse kommen. Aber auch hier gab Paul den Ausschlag. Er riet, den Jüngling vorläufig noch im Heere zu lassen, namentlich wenn das Regiment, wie es den Anschein hatte, in Paris verbleiben sollte. Dein Sohn, sagte er, wird hier des Französischen vollständig mächtig, lernt die Welt, die Menschen kennen und sieht und hört, was ihm später auf Eurem dorf nie geboten werden kann. Lass ihn bis zum völligen Frieden im Regimente und dann übergieb ihn mir.
Meinst Du, dass er Kaufmann werden soll? fragte Steinert mit einer gewissen Aengstlichkeit.
Paul lachte trotz des Ernstes ihrer Unterhaltung hell auf. Und Du willst Dich über die Vorurteile des Adels beklagen, rief er, während Dir selbst der Kastengeist so tief im Blute steckt, dass der blosse Gedanke, ein Adam Steinert könne etwas Anderes werden, als ein Landwirt, oder etwas Anderes tun, als in Eurer Provinz den Boden bauen, Dich schon unheimlich berührt? Ihr kommt noch dahin, Euch Adam Steinert der Vierundvierzigste zu nennen, wie unsere kleinen Fürsten, wenn Ihr so fortfahrt, wie bisher. Aber sei unbesorgt, er soll den Acker bauen, wie Du selbst, nur vorläufig nicht den Eurigen.
Steinert antwortete nicht gleich; denn kein älterer Mann erträgt es willig, sich von der besseren Einsicht eines jüngeren zurecht gewiesen zu sehen. Indess Paul besass die auf Erfahrung und auf verständiges Selbstvertrauen gegründete Kraft, die Menschen leicht von dem Richtigen zu überzeugen und, weil er immer Herr über sich selber war, auch ohne dass er es suchte und wollte, herrschaft über Andere zu gewinnen. So währte es denn nicht lange, bis Steinert, den kleinen Unmut überwindend, die Frage aufwarf: Und was willst Du mit ihm machen?
Ihn nach Amerika hinüberwerfen.
Zu welchem Zwecke?
Damit er vor allen Dingen das Gehorchen verlernt!
Steinert verstand nicht, was Tremann damit sagen wolle; dieser war also genötigt, sich deutlicher zu erklären.
Es ist mir an Deinem Sohne aufgefallen, sagte er, dass er bei unverkennbar guten Anlagen unselbständig ist, und das ist nicht seine, sondern seines Lebensweges Schuld. Du bist ihm ein wackerer Vater gewesen, hast ihn streng zum Gehorsam erzogen, und das erste Kindesalter hat das nötig, denn in ihm muss der vernünftige fremde Wille die eigene mangelnde Vernunft ersetzen. Aber Eure schulen, wie sie jetzt sind, fordern ebenfalls unbedingten Gehorsam von dem Knaben; Alles ist vorausbestimmte Regel, Alles vorausgesehen, der ganze Weg von der Kindheit bis zum reiferen Jünglingsalter für Alle derselbe, für Alle unwandelbar festgestellt; das schadet der freien Entwicklung der Persönlichkeit. Nun ist er aus der Vormundschaft des Vaterhauses und der Schule noch in das Heer getreten, wo abermals fremder Wille seine Schritte vorgezeichnet hat und Gehorsam seine erste Pflicht gewesen ist. Er kennt also noch gar nichts Besseres, als pünktliches Unterordnen unter einen fremden Willen, und eben darum fühlt er auch die Neigung, in einer lebenslänglichen Unfreiheit und Dienstbarkeit zu bleiben, wo diese, wie im Heere, mit einem gewissen äussern Glanze und in die Augen fallenden Auszeichnungen verbunden sind. Gönne ihm denn die Zeit, einmal gelegentlich den Druck der Abhängigkeit zu empfinden, gönne seiner Jugend auch den Triumph, mit unsern Truppen den feierlichen Siegeseinzug in die Heimat zu teilen, und dann wollen wir weiter von der Sache sprechen und sehen, ob wir ihm die Lust am Dienen nicht abgewöhnen können.
Wir Steinert's haben so lange gedient, meinte der Vater, dass ..
Dass es endlich Zeit war, sich frei zu machen, fiel ihm der Andere in die Rede, weil er befürchtete, dass Adam's Empfindlichkeit noch nicht völlig überwunden sei, und dass Dein Sohn sehr unrecht tun würde, freiwillig auf die Vorteile zu verzichten, die Deine rüstige Entschlossenheit ihm bereitet hat. Er weiss, dass ich im Vereine mit dem englisch-amerikanischen haus, in