, auch mancherlei, denn die grosse Familie, welche jetzt im schloss zusammen lebte, nahm beide Verlobten sehr in Anspruch. Das neue Eintreffen des einen oder des anderen noch fehlenden Gastes brachte immer neue Zwischenfälle, welche dem Freiherrn seine Haltung wesentlich erleichterten, und da Angelika, aus ihrer friedlichen Ruhe aufgeschreckt, das Alleinsein mit ihm zwar suchte, aber es eben so schnell wieder floh, so verfloss die ganze Woche ohne besondere Störungen. Die Männer zogen in der Frühe auf die Jagd, man speis'te gemeinsam und am Abend vereinigten Unterhaltung und Spiel die Gesellschaft in verschiedenen Gruppen, während die Jüngeren hier und da zum Tanze ihre Zuflucht nahmen.
Am Vorabende der Hochzeit hatte man länger als gewöhnlich bei der Mittagstafel verweilt und sich dann in das Nebenzimmer begeben, um dort den Kaffee einzunehmen. Der Baron stand, den rücken gegen die Stubentüre gekehrt, die kleine Tasse von meissener Porzellan in der Hand, mit einigen Herren in lebhafter Unterhaltung an dem Kamine. Man sprach von Diesem und Jenem, man neckte den Baron damit, dass er zerstreut sei, weil die bevorstehende Hochzeit ihm im Sinne liege; und der Gedanke an dieselbe führte die Männer, welche zum teil Jugendfreunde und Lebensgenossen des Freiherrn waren, auf die Erinnerungen an ihre eigenen Hochzeiten und auf manches gemeinsame Erlebniss zurück. Es fehlte dabei nicht an einer Menge jener kleinen Züge, welche man einander, vorsichtig nach den Frauen hinüber schauend, mit Lächeln und Flüstern erzählte, und wie das zu geschehen pflegte, waren die Männer, welche am ruhigsten das friedliche Joch ihrer Ehe ertrugen, unter denjenigen, die am eifrigsten gegen den Zwang der Beständigkeit protestirten und sich am dreistesten des Uebermutes berühmten, mit dem sie die Tage ihrer Freiheit und Ehelosigkeit genossen haben wollten.
Sie waren der Klügste von uns Allen, Baron! sagte einer seiner Verwandten, der mit ihm gleichen Alters war. Sie haben sich Ihre Freiheit nach Gebühr zu Nutze gemacht, und nun, da ich armer Tor bereits meines Sohnes Erstgebornen aus der Taufe gehoben habe, nun führen Sie, als ob das eben so sein müsste, das schönste Mädchen des Landes heim, um das die ganze Schaar unserer jungen Edelleute sich vergebens bemühte. Ihre Frau wird grosses aufsehen machen, wenn Sie sie am hof präsentiren.
Das könnte sein, versetzte der Baron, ich habe aber nicht die Absicht, an den Hof zu gehen, und meine Braut hat vollends keine Neigung für das Leben in der Residenz.
Weil sie es nicht kennt! meinte einer der jüngern Männer, denn ich halte es für unmöglich, sich nicht von dem schwungvollen Sinne, von dem geist und von der Bildung gefesselt zu fühlen, welche sich dort zur Verschönerung des Lebens und zum Genuss desselben verbinden.
Schon die grosse Zahl von Franzosen und Engländern, von Fremden überhaupt, machen den Hof jetzt anziehender, als er seit lange gewesen ist, bemerkte der Edelmann, der zuerst gesprochen hatte, und sich zu dem Freiherrn wendend, sagte er: und nicht allein Fremde erscheinen dort, auch Geister lassen sich sehen. Was haben Sie denn über die Sache erfahren?
Sie meinen die Erscheinung des Grafen von der Mark, welche man dem Könige bereitet hat? fragte der Freiherr.
Eben diese! versetzte der Andere, und der Freiherr berichtete, was er davon gehört und wie sehr der König sich durch den Anblick dieses von ihm geliebten und als Kind verstorbenen Sohnes erschüttert gefühlt haben sollte.
Einige der Männer, feste, alte Voltairianer, zuckten mitleidig und verächtlich die Achseln, als die Unterhaltung sich nach dieser Seite wendete. Indess die Geisterseherei war Mode geworden, Jeder hatte seine Meinung über ihre Möglichkeit, und die Frauen, deren weichem Herzen der Tod ja fast immer als eine Grausamkeit erscheint, sprachen sich zum teil sehr lebhaft für eine Ansicht aus, welche ihnen einen fortdauernden Zusammenhang mit ihren dahingegangenen Lieben in Aussicht zu stellen versprach.
Der Baron, dessen Meinung man zu verschiedenen Malen herausgefordert hatte, vermied es, sie zu äussern. Er war zurückhaltender, als er es sonst über ähnliche Materien zu sein pflegte, und weil sich Niemand in der Gesellschaft befand, der die Unterhaltung verständig leitete und beherrschte, verlor sich dieselbe, je mehr die Dämmerung hereinbrach, immer tiefer in das Gebiet des Geheimnissvollen und Sentimentalen. Man erzählte die Erfahrungen, die man selbst von dem Uebergreifen der Geisterwelt in den Bereich des sinnlich Wahrnehmbaren gemacht zu haben glaubte, man erinnerte an die damals vielbesprochene geschichte der jungen Schauspielerin, der ihr verratener Geliebter sich auf die wundersamste Weise kundgegeben haben sollte.
Das Für und Wider äusserte sich noch einmal und noch lebhafter, als zuvor, bis einer der älteren Edelleute, welchem diese weichlich mysteriöse Unterhaltung nicht behagen mochte, ihr mit einem Scherze ein Ende zu machen beschloss.
Man könnte sich es schon gefallen lassen, sagte er, einer ungetreuen Schönen zu einem allgegenwärtigen und unvermeidlichen Memento mori zu werden, wenn man nur vor Repressalien sicher wäre! Stellen Sie sich doch aber vor, meine Herren, was sollte aus uns Ehemännern und aus dem Frieden unseres Hauses werden, wenn jedes hübsche Lärvchen, das uns einmal das Herz gerührt hat, so ganz ad libitum in unserem häuslichen Kreise erscheinen und unsere eheliche Eintracht stören könnte? Unsere Damen, die jetzt so sehr für diese neue Weltanschauung schwärmen, würden ja die ersten sein, um Gottes willen gegen einen solchen sichtbaren Zusammenhang mit der Geisterwelt zu protestiren.
Man lachte, man belobte hier und da den gesunden, heiteren Einfall