, als man mich mit Erstaunen gewahrte, als der Capitän und die Matrosen mit fragen auf mich einstürmten, die ich nicht verstand, bis der zweite Steuermann, ein Deutsch-Amerikaner, herbeigerufen ward, mich zu vernehmen, da sagte ich von allem, was ich mir zu sagen vorgenommen, nicht ein einziges Wort, sondern die nackte Wahrheit, und mit dieser fand ich Glauben, weil sie über die gewöhnlichen Erfindungen eines Knaben weit hinaus lag. Nur meinen Namen suchte ich zu verbergen. Ich nannte mich, seine Buchstaben umstellend, wie wir es spielend oft getan: Tremann.
Ich weiss nicht, was geschehen wäre, hätte sich an dem Tage dem Capitän die Möglichkeit gezeigt, mich zu entfernen. Aber der starke Ostwind, der uns begünstigte, hielt die nach unserer Heimat bestimmten Schiffe von unserem Curse völlig fern, und einmal im grossen Ocean, hatte Niemand mehr ein Interesse daran, an die Rücksendung eines Jungen zu denken, an dessen Gegenwart Alle sich schnell gewöhnten, und der, wenn man ihn nur bleiben liess, sich Jedem zu jedem Dienste willig zeigte.
Als wir an dem Orte unserer Bestimmung landeten, war es bei meinem Beschützer, als welcher der UnterSteuermann sich von Anfang an gezeigt, beschlossene Sache, dass ich bei ihm bleiben solle. Seine Frau betrieb einen kleinen Handel in New-York mit allerlei Waaren, die er von seinen Reisen importirte, und wie unvollkommen meine Kenntnisse nach allen Seiten damals auch noch waren, hatte ich vor meinem Steuermanne und seiner Frau doch in dieser Beziehung einen grossen Vorsprung. Ich wusste, wie sie es nannten, mit der Feder gut Bescheid, ich konnte, Dank Deiner Nachhülfe, leidlich Französisch sprechen, und ich war also vollkommen geeignet, in dem kleinen Laden im Hafen mit meinen Kenntnissen mich nützlich zu machen, da ich während der Reise das Englische einigermassen zu verstehen und zu sprechen begonnen hatte.
Einmal an Ort und Stelle, erging es mir wie Jedem, der schwimmen muss, wenn er nicht ertrinken will. notwendigkeit und Lebenslust hielten mich über wasser. Anfangs beunruhigte mich bisweilen noch die törichte Besorgniss, dass man Nachfrage nach mir anstellen, mich entdecken, mich zurückführen könne; indess ich blieb unangefochten, und das war alles, dessen ich bedurfte, obgleich der Weg vom Ladendiener eines kleinen Krames im Hafen bis zum Geschäftsführer von Samuell Willway Gebrüder nicht eben leicht, nicht eben glatt gewesen ist.
Ich habe manche Stunde gehabt, in welcher ich an Dich und an Dein Zimmer, an Deine Eltern und an die guten Tage bei Euch zurückgedacht habe, denn es ist mancherlei Elend und Not an mich herangekommen; aber es hat keine Stunde gegeben, in der ich es bereut hätte, mich auf die eigenen Füsse gestellt, mich auf die eigene Kraft verlassen und danach gestrebt zu haben, mir einen eigenen Namen zu machen, da meine Geburt und mein Vater mir den Namen versagt haben, auf den ich angewiesen war. Es klingt für Unsereinen, den die Bande der Familienliebe nicht umfangen und befangen, wunderlich genug, dass man die nicht in der kirchlich und staatlich anerkannten Ehe erzeugten Kinder natürliche Kinder nennt, und grade ihnen den natürlichen Anspruch auf den Namen ihres Vaters aberkennt. Aber ich beschwere mich darüber nicht, denn es ist ein Sporn für mich gewesen.
Noch bedeutet der Name Tremann nichts, doch brauche ich mich seiner nicht zu schämen. Ich bin dem haus, dem ich diene, etwas wert, man hat Zutrauen zu mir, meine Collegen schätzen mich, und ich suche in meiner Bildung nachzuholen, was ich durch meine Flucht eingebüsst habe. Wird mir, wie ich hoffe, der Auftrag zu teil, mit welchem unser Haus einen seiner Leute nach Europa zu senden beabsichtigt, so komme ich wieder in Deine Nähe und will danach trachten, dass ich Dir nicht Schande mache; denn Du und Dein Vater, Ihr seid die Einzigen, denen ich mich für die Liebe verantwortlich fühle, welche Ihr dem fremden Knaben in Eurer Grossmut zugewendet habt. Dir danke ich die Neigung, mich zu unterrichten, Deinem Vater die Vorliebe für den Beruf, den ich erwählt habe, und der Tag soll sicherlich nicht ausbleiben, an welchem der Name Tremann an den Börsen einen so guten Klang wie der seine und mein Wort eine Geltung haben soll."
Er erkundigte sich weiterhin nach dem Ergehen der wenigen Personen, deren Andenken ihm aus seiner Kindheit lebendig geblieben war, meldete, dass er seit einem Jahr seine ersten Ersparnisse habe machen können, und gab Seba Auskunft über dasjenige, was er für seine Bildung getan habe, wie über das, was ihm fehle, und was er noch zu erreichen wünsche. Der Ton der schlichten Wahrhaftigkeit wie die Liebe und Dankbarkeit für Seba bildeten eine schöne Grundlage für das starke Selbstgefühl des Schreibers, und diese Empfindungsweise blieb sich in der ganzen Reihe von Briefen gleich, welche von da ab einander in ziemlich regelmässigen Zwischenräumen folgten. Er zeigte in denselben seinen Freunden seine nun wirklich bevorstehende Reise nach Europa an, berichtete über die Vorteile, welche ihm aus derselben erwachsen würden, und von Stufe zu Stufe sich erhebend, gaben diese Briefe das Bild eines Mannes, der, mutig und von Hindernissen nicht erschreckt, mit hellem Blicke ein festes Ziel im Auge, seinen Weg zu suchen und zu finden weiss.
Die Verbindungen des grossen amerikanischen Hauses, dem er gedient hatte, die Empfehlungen und der Credit des Flies'schen Hauses, selbst Seba's gesellige