Weile warf er die Frage auf: Wie kommt Er auf den Einfall, mir abzuraten?
Die blosse Frage gab dem Amtmanne Zuversicht, und aus fester überzeugung sprechend, sagte er: Das ist kein Einfall, gnädiger Herr, denn ich würde mir nicht erlauben, Ihnen mit meinen blossen Einfällen beschwerlich zu fallen. Aber der gnädige Herr kommen nicht so unter die Leute, wie ich, und können nicht wissen, wie es unter ihnen aussieht und was in ihren Köpfen spukt.
Nun, mich dünkt, davon hätten sie mir jetzt den schlagendsten Beweis geliefert, rief der Freiherr, und eben desshalb sollen sie dieses Mal die verdiente Antwort von mir selber haben!
Tun Sie das nicht, gnädiger Herr! bat Adam dringender. Sie, gnädiger Herr, sind besser als unser Einer unterrichtet von dem, was draussen in der Welt geschieht; aber es ist, als ob es durch die Luft verbreitet würde, denn dem ärmsten Kätner und Einlieger geht es im kopf herum, dass es anders und besser für ihn werden müsse. Er weiss, dass die Hörigkeit vieler Orten aufgehoben wird – er hat von Ablösungen und hat auch von schlimmen Dingen gehört, die auf einigen Gütern geschehen sind ....
Und die Elenden würden geneigt sein, sich ein Beispiel daran zu nehmen, meint Er? – Nun, versuch' Er's – halte Er ihnen das gute Beispiel vor!
Dem Amtmanne stieg das Blut zu kopf, aber er biss die Zähne zusammen, damit das Wort des Zornes nicht über seine Lippen ginge, und mit erzwungener Gelassenheit sprach er: Wir Steinerts sind geringe Leute gewesen, gnädiger Herr, als der Herr Baron Erasmus Einen von uns zu seinem Verwalter gemacht hat, und wir sind auf dieser herrschaft zu Etwas geworden und auf unsere Weise vorwärts gekommen. Das dürfen und werden wir nie vergessen! Darum eben habe ich meine Dankespflicht erfüllen und – fügte er mit einer Weichheit hinzu, die dem kräftigen mann sehr wohl anstand – meine anhänglichkeit an den gnädigen Herrn, die auch nicht gleich zu Ende ist, weil man von einander geht, beweisen wollen, als ich heute herkam. Ich, gnädiger Herr, habe hier nichts mehr zu gewinnen oder zu verlieren, als Ihre gute Meinung, und nichts zu tun, als dass ich mein Gewissen wahre!
Die Rechtschaffenheit, die Treue und Herzensgüte des Amtmanns sprachen so unverkennbar aus jedem Worte, dass selbst die Voreingenommenheit des Freiherrn davor nicht Stich hielt, und wider seinen Willen bewegt, sagte er: Ich will es glauben, Er meint es gut!
Ja, bei Gott, ich meine es gut, und wir Alle haben es immer gut gemeint! rief Adam. Aber gerade darum, gerade darum bitte ich Sie, lassen Sie es hier beim Alten. Es ist ein Segen, wenn der Arbeiter, auf dem die Lasten schwerer liegen als es gut ist, sich sagen kann: Wenn der Herr es wüsste – er würde helfen! Es ist ein anderer Segen, wenn der Missetäter, dem das Gesetz gerecht wird, die Hoffnung hegen mag, der Herr werde Gnade walten lassen, wo der Richter nur die Strenge des Gesetzes auszuüben hat. Der Justitiarius und ich hatten uns schon erlaubt, dem Herrn Caplan an's Herz zu legen, dass er um Gnade für die Leute bitten möge. Zwischen dem Herrn, der die Macht hat, und dem Arbeiter und Hörigen, der die Lasten trägt, muss eine Schutzwehr sein für beide Teile, und dazu sind wir da. Auf uns, auf den Justitiarius und auf den Amtmann, sind seit allen zeiten die Klagen und Beschwerden gefallen, und wir konnten sie tragen, denn wir forderten, richteten und straften nicht für uns. Wir hatten an den Herren einen Rückhalt, die Herren hatten in unserer Strenge und Gewissenhaftigkeit eine Entschuldigung, wenn man sich beschwerte, und die Leute hatten ihre Hoffnung auf der Herren Nachsicht und gnädiges Gewähren. So ist es gegangen all die Jahre her, wir sind fertig geworden mit den Leuten und die Leute haben in Liebe zu den Herrschaften hinaufgesehen, fast wie zum lieben Herrgott, denn wie zu diesem konnten sie zu jenen persönlich nicht so leicht heran. Lassen Sie es dabei, gnädiger Herr, stellen Sie sich nicht den Leuten selber gegenüber, es ist nicht gut für alle Teile, und wie die Leute nun hier einmal wider die neue Kirche und auch sonsten aufgeregt sind .... Er brach ab und sagte kurz: Tun Sie es nicht, gnädiger Herr, es kann ein Unglück geben!
Adam hatte nie zuvor seine Meinung in solcher Weise vor seinem Herrn auszusprechen gewagt und dieser nie eine ähnliche Auseinandersetzung von einem seiner Untergebenen angehört. Er liess Adam eine Weile, ohne ihm zu antworten, stehen, sei es, dass dessen Worte doch mehr Eindruck auf ihn gemacht hatten, als er zu zeigen für gut befand, oder dass er mit sich nur über den Bescheid zu Rate ging, den er Adam geben wollte; dann sagte er: Er hat mir Seine Ergebenheit beweisen wollen, und das lobe ich. Ich danke Ihm dafür, und wenn Er mich künftig einmal brauchen sollte, werde auch ich mich daran erinnern, dass die Steinerts lange in unseren Diensten gewesen sind. Im Uebrigen beurteilt Er die Dinge, wie Er sie versteht, und Er hat's ja selber eingestanden, dass ich sie besser verstehen und also anders ansehen muss, als Er. Eben dass die